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Herausforderungen einer Branche

Digitalisierung verändert die Gesundheitsbranche

| Autor / Redakteur: Petra Adamik / Sarah Böttcher

Die Digitale Transformation macht auch vor dem Gesundheitssystem nicht Halt. Neben Herausforderungen birgt die Digitalisierung jedoch auch Potenzial.
Die Digitale Transformation macht auch vor dem Gesundheitssystem nicht Halt. Neben Herausforderungen birgt die Digitalisierung jedoch auch Potenzial. (Bild: © phasin - stock.adobe.com)

Das Gesundheitssystem steht unter Druck. Die alternde Gesellschaft sowie die steigende Zahl der chronisch Kranken belasten die Systeme. Die Kosten steigen. Die Digitalisierung gilt als Hoffnungsträger und Ausweg aus der Krise.

Schlankere Prozesse, mehr Transparenz sowie eine bessere Kommunikation zwischen den Protagonisten des Gesundheitswesens und ihren Patienten: das erhoffen sich alle Beteiligten von einer stärkeren Digitalisierung des Gesundheitssystems.

Um diese Erwartungen zu erfüllen, muss allerdings über eine grundlegende Neuausrichtung der Versorgungskette nachgedacht werden, so das Mutaree-Change-Barometer für die Gesundheitsbranche, das in Kooperation mit Dr. Martina Oldhafer MBA, Leitung Change-Management am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein durchgeführt wurde. Die aktuelle Studie „Herausforderungen der Gesundheitsbranche 2017 – 2021“ zeichnet die größten Herausforderungen der Branche auf: wachsender Kostendruck (95 Prozent), Umgang mit steigenden regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen (93 Prozent), Digitalisierung (89 Prozent) und zunehmende Anforderungen an die Bindung von Talenten (84 Prozent).

Digitalisierung bringt Herausforderungen

Bis zum Jahr 2021 werden sich diese Herausforderungen nach Einschätzung der Befragten noch signifikant verstärken. „Die Branche benötigt umfassende Veränderungsprozesse, die deutlich über die Umsetzung herkömmlicher Maßnahmen hinausgehen. Wir müssen grundlegend umdenken und an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen, ansonsten scheitert unsere personal- und kostenintensive Branche an ihrer Finanzierbarkeit oder am Fachkräftemangel“, erklärt Dr. Oldhafer. Zwar ist der steigende Kostendruck ein wesentlicher Faktor, allerdings reiche die Kostenreduzierung allein nicht aus, so die Studie. Auch in anderen Bereichen herrscht demnach Handlungsbedarf. Dazu gehört der Bedarf an Fachkräften in sämtlichen medizinischen Sektoren. So sind 36 Prozent der Studienteilnehmer der Meinung, dass sie keineswegs auf die steigenden Anforderungen und die Bindung von Talenten vorbereitet sind. Auch auf die wachsenden Patientenbedürfnisse fühlen sich viele Institutionen nur unzureichend vorbereitet. Kostenreduzierungsprogramme alleine reichen nicht aus, um eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

Vielmehr sind im Gesundheitssektor zukünftig auch Veränderungsfähigkeit und Agilität gefragt. „Noch immer dominieren in der Branche traditionelle Denkweisen und -muster“, sagt Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Mutaree GmbH. „Nun aber ist es mehr als dringlich, die notwendigen Veränderungen anzugehen, um ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen zu etablieren.“

E-Akten und Telemedizin sind im Kommen

Zu den Veränderungen, die sich im Gesundheitswesen aus der Digitalisierung ergeben, gehören eine digitale Patientenakte, Telemedizin sowie eine Vernetzung der Berufsgruppen über die Sektorengrenzen hinaus. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Datenschutz. Wie eine Bitkom-Befragung ergab, möchte die Mehrheit der Bundesbürger (74 Prozent) selbst bestimmen, welche Ärzte Zugriff auf die digitalen Daten in ihrer E-Akte haben. 60 Prozent geben aber auch an, dass sie damit einverstanden wären, dass behandelnde Ärzte die Daten einsehen und an einen anderen behandelnden Arzt weitergeben. 32 Prozent würden diese Entscheidung auch an Familienangehörige übertragen. 24 Prozent wären damit einverstanden, dass die Krankenkasse die Gesundheitsdaten kontrolliert.

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M-Health birgt Potenzial

Mobile Anwendungen aus der Gesundheitsbranche, wie etwa Online-Sprechstunden, werden kaum genutzt.
Mobile Anwendungen aus der Gesundheitsbranche, wie etwa Online-Sprechstunden, werden kaum genutzt. (Bild: Bitkom)

Wesentliche Impulse erwarten die Protagonisten des Gesundheitswesens auch von der wachsenden Zahl der mobilen Anwendungen. Das Potenzial in diesem Bereich ist hoch, wie die Studie „Mobile Health – Mit differenzierten Diensten zum Erfolg“ zeigt, die von Deloitte und Bitkom gemeinsam durchgeführt wurde. So erwartet die Branche neue therapeutische Anwendungen, die chronisch Kranken das Leben erleichtern und auch für die behandelnden Ärzte von erheblichem Nutzen sein können. Allerdings kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass es derzeit noch an passgenauen Angeboten für M-Health fehlt. Um entsprechende Anwendungen in die therapeutische Praxis zu bringen, müsse der regulatorische Rahmen stärker entlang der neuen, digitalen Realitäten definiert werden, heißt es. Vorteile würden sich sowohl für die Patienten, als auch die behandelnden Ärzte ergeben. Denn wenn ein Arzt konstant die Gesundheitsdaten seiner Patienten empfängt, kann er bei auffälligen Werten schneller aktiv werden. „Wesentliche Treiber für M-Health werden Endgeräte wie Fitness-Tracker und Smartwatches werden, sobald überzeugende Anwendungen mit sichtbarem Effekt zur Verfügung stehen, um die unterschied­lichen Zielgruppen auf Basis der erhobenen Daten in ihrer Therapie oder ihrem Lebensstil effektiv unterstützen zu können“, meint auch Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter Technology, Media & Telecommunications (TMT) EMEA bei Deloitte.

Bernd Laudahn, Geschäftsführer Philips GmbH Market DACH, zum Thema Datenschutz und M-Health: „Nur wenn die Menschen darauf vertrauen können, dass ihre persönlichen Daten sicher sind, werden sie die Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen vollständig akzeptieren.“
Bernd Laudahn, Geschäftsführer Philips GmbH Market DACH, zum Thema Datenschutz und M-Health: „Nur wenn die Menschen darauf vertrauen können, dass ihre persönlichen Daten sicher sind, werden sie die Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen vollständig akzeptieren.“ (Bild: Philips)

Ein Knackpunkt für mehr Digitalisierung und Mobilität im Gesundheitswesen ist der Schutz der hochsensiblen Patientendaten. Tatsache ist: die schnelle Verfügbarkeit medizinischer Daten kann Leben retten. Daher ist die konsequente und kluge Nutzung von Gesundheitsdaten geboten. Gleichzeit muss aber der Schutz der Privatsphäre sichergestellt werden. Laut der Deloitte-Studie hängt in puncto Daten die Offenheit der Patienten stark davon ab, wer auf diese persönlichen Informationen zugreifen darf. Ärzte genießen demnach einen großen Vertrauensvorschuss. 55 Prozent würden den Medizinern ihre Gesundheitsinformationen bedenkenlos überlassen, da sie die Vorteile erkennen. So kann beispielsweise durch die Echtzeit-Übermittlung von mobil erhobenen Vitaldaten ein behandelnder Arzt fundiertere Diagnosen und Entscheidungen treffen.

Der Markt für M-Health-Applikationen befindet sich nach Einschätzung der Analysten noch in der Anfangsphase. Derzeit sind mobile Gesundheitsanwendungen vor allen Dingen für drei Interessensgruppen verfügbar: sportlich Aktive, chronisch Kranke und Übergewichtige. Das weitere Zusammenspiel aller Beteiligten wird zukünftig einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Entwicklung des M-Health-Marktes leisten können. Gerätehersteller, Krankenkassen, Telekommunikationsanbieter, Pharmaindustrie, Internetfirmen und Start-ups, die sich auf die App-Entwicklung spezialisiert haben, spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Digitalunternehmen können zukünftig einen erheblichen Beitrag zu einer verbesserten Gesundheitsversorgung der Bevölkerung leisten und im Zusammenspiel aller Akteure eine Schlüsselrolle übernehmen. Dazu sind aber intelligente Kooperationsmodelle notwendig, in deren Zentrum, neben spezifischem M-Health-Wissen bei der Hardware-Entwicklung und Datensicherheit, in erster Linie die Patienten stehen müssen.

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