Aufbau eines XaaS-Marktplatzes Die Teccle Group geht mit CloudBlue digital

Von Michael Hase 5 min Lesedauer

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Neuer Go-to-Market-Ansatz: Die Teccle Group baut gemeinsam mit der Ingram-Micro-Tochter CloudBlue eine digitale Plattform für Cloud- und XaaS-Angebote auf. Die Einführung der Technologie soll zugleich die Integration innerhalb der Gruppe fördern.

Der automatisierte XaaS-Marktplatz von Teccle soll zur Standardisierung innerhalb der Gruppe beitragen.(Bild:  elenabsl - adobe.stock.com)
Der automatisierte XaaS-Marktplatz von Teccle soll zur Standardisierung innerhalb der Gruppe beitragen.
(Bild: elenabsl - adobe.stock.com)

Der Online-Handel hat sich nicht nur bei Privatleuten zum beliebten Einkaufskanal entwickelt. Auch die Beschaffungswege von B2B-Kunden verändern sich. Schon 2025 werden 80 Prozent aller Transaktionen zwischen Lieferanten und Käufern über digitale Kanäle abgewickelt, prognostiziert Gartner. Vorteile liegen vor allem in der schnelleren Auswahl von Anbietern und Produkten sowie in der effizienteren Zahlungsabwicklung. Darauf muss sich der Vertrieb einstellen. Bei der Teccle Group tut man das jetzt: Die Systemhausgruppe mit Hauptsitz in Frankfurt / Main baut gemeinsam mit dem Software-Anbieter CloudBlue einen digitalen Marktplatz auf, über den sie Kunden künftig XaaS-Angebote bereitstellt.

Benedikt Fischer, Technology Lead bei Teccle, treibt die Digitalisierung im As-a-Service-Geschäft der Gruppe voran. (Bild:  Teccle Group)
Benedikt Fischer, Technology Lead bei Teccle, treibt die Digitalisierung im As-a-Service-Geschäft der Gruppe voran.
(Bild: Teccle Group)

Dem jungen, schon nahezu bundesweit präsenten Unternehmen geht es bei dem Projekt um weit mehr, als eine digitale Storefront mit automatisierter Payment-Funktion hochzuziehen. Vielmehr verspricht man sich bei Teccle von der Technologie einen entscheidenden Beitrag zur Standardisierung: Sie soll helfen, die Prozesse bei der Konzeption und Vermarktung von Services über die Gruppe hinweg zu vereinheitlichen. Auf diese Weise soll CloudBlue zugleich die Integration des Verbunds fördern, der sich erst in den vergangenen zweieinhalb Jahren formiert hat. „Alle Werkzeuge, die wir einführen, wirken in beide Richtungen, sowohl in Richtung des Markts als auch der internen Prozesse und der Mitarbeiter-Experience“, erläutert Benedikt Fischer, Technology Lead bei der Teccle Group.

Automatisierter B2B-Prozess

Bei CloudBlue handelt es sich um eine eigenständige Tochter des Distributors Ingram Micro. Das Software-Unternehmen bietet eine Cloud- und XaaS-Resell-Plattform an, mit der sich der B2B-Vertriebsprozess von der Bestellung über die Provisionierung bis zur monatlichen Abrechnung („Order-to-Cash“) automatisieren lässt. Außerdem hat der Cloud-Commerce-Spezialist ein Ökosystem aufgebaut, zu dem mittlerweile mehr als 250 Anbieter gehören, darunter Acronis, AWS, Cisco, Microsoft, Sophos und Trend Micro. Systemhäuser wie Teccle haben die Möglichkeit, neben diesen Anbietern auch Distributoren und Provider, mit denen sie Direktverträge haben, an ihren Marktplatz anzubinden. Außerdem können sie eigene Produkte, selbstentwickelte SaaS-Angebote oder Managed Services, darüber vertreiben. Die CloudBlue-Technologie erlaubt es, Service-Kataloge zu erstellen und Bundles aus mehreren Produkten und Diensten zu schnüren.

Gartner bezeichnet die Software als „Marketplace Operations Application“ (MOA). Die Analysten zählen CloudBlue zu den „repräsentativen Anbietern“ dieses Segments. Anders als B2C-Systeme wie Shopify oder WooCommerce bietet eine MOA spezifische Funktionen, die den Vertrieb in komplexen B2B-Ökosystemen über mehrere Handelsstufen hinweg unterstützen. Dabei geht es meist um eine Vielzahl an Transaktionen mit jeweils geringen Beträgen. „Heute wird inflationär davon geredet, der Channel digitalisiere sich“, sagt Tom Schröder, Head of Sales DACH bei CloudBlue. „Das ist einfach nicht präzise genug: Wir meinen ein skalierbares Go-to-Market-Modell, bei dem ein hochvolumiges Business mit vielen kleinteiligen Subskriptionen profitabel abgewickelt wird.“

Die Zahl der MOA-Spezialisten, die mit CloudBlue um Unternehmen aus dem ITK-Channel konkurrieren, ist im deutschsprachigen Markt überschaubar. Am prominentesten ist wohl der kalifornische Anbieter AppDirect. Zu den Referenzkunden der Ingram-Micro-Tochter gehören hierzulande die Systemhäuser Bechtle und SVA sowie die Distributoren Api und Dyanix.

Fokus auf IT as a Service

Nun kommt Teccle als weitere Referenz hinzu. Der Gruppe haben sich seit Ende 2020 die Systemhäuser ADD IT & Consulting (Saarbrücken), Aluxo (Heidelberg), Bluvo (Ratingen), Dreger IT (Frankfurt / Main), EDV-BV (Nabburg), Etomer (Berlin), Köhler und Rapp (Dortmund), Netzplan (Hamburg), Schuster & Walther (Nürnberg) und Smea IT (Rostock) angeschlossen. Außerdem gehören die beiden Cloud-Native-Dienstleister Acontech (Fürth) und Fellofox (Emden), letzterer eine Eigengründung, zur Unternehmensfamilie. Teccle hat den Fokus von Anfang auf IT as a Service gelegt. Cloud und Managed Services bilden den Kern des Portfolios, zu dem nach wie vor auch klassische Systemhausleistungen zählen.

In den vergangenen Monaten hat die Gruppe an ihrer Gesamtstrategie gearbeitet und ein Modell entwickelt, das Teccle Operating Model (T:OM), das die Zusammenarbeit von Mitarbeitern über die Grenzen der einzelnen Häuser hinweg fördern soll. Dabei wurden organisatorische Schnittstellen und Prozesse definiert und zugleich zentrale Funktionen geschaffen, die die dezentralen Teams nach Bedarf unterstützen. Zugleich wurden übergreifende Teams gebildet, die den As-a-Service-Gedanken innerhalb des Verbunds vorantreiben und den Experten vor Ort zur Seite stehen. Das Modell basiert auf den Prinzipien: selbstorganisierte Teams, Lokalität, funktionale Redundanz, Rückkopplung und Gemeinschaft. Die Pilotphase hat in diesem Quartal begonnen.

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Gruppenweite Standardisierung

Die Einführung von CloudBlue soll dabei helfen, das Teccle Operating Model in der Organisation zu verankern. „Es muss mit sehr guten Werkzeugen flankiert werden, damit wir integrativ über die Gruppe hinweg XaaS-Angebote standardisiert erstellen und so weit als möglich automatisiert vermarkten können“, führt IT-Profi Fischer aus. Bei der Vielfalt an ERP-Systemen und Service-Katalogen in der Gruppe würde der Transaktionsblock andernfalls großen manuellen Aufwand verursachen. Dagegen erlaube es Cloudblue, sowohl innerhalb des Verbunds als auch im Partner-Ökosystem über standardisierte Schnittstellen zusammenzuarbeiten. „Damit haben wir eine Plattform, über die wir alle Phasen des Lebenszyklus' von Produkten und Diensten sehr genau und sehr effizient steuern können.“ Sie werde die Innovationsfähigkeit von Teccle fördern.

Tom Schröder, Head of Sales DACH bei CloudBlue, hält digitale Plattformen für ein geeignetes Mittel zur betrieblichen Vereinheitlichung.(Bild:  CloudBlue)
Tom Schröder, Head of Sales DACH bei CloudBlue, hält digitale Plattformen für ein geeignetes Mittel zur betrieblichen Vereinheitlichung.
(Bild: CloudBlue)

„Die betriebliche Vereinheitlichung mithilfe von Technologie zu unterstützen, ist ein sinnvoller Ansatz für eine akquisitionsgetriebene Gruppe wie Teccle“, kommentiert CloudBlue-Manager Schröder das Vorgehen des Kunden. „Den Vertrieb auf Basis einer Plattform zu digitalisieren, kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten.“

Wo steht Teccle gerade bei der CloudBlue-Einführung? Von den Unternehmen wickelt bislang erst der Microsoft-Partner Acontech das Cloud-Geschäft über die CloudBlue-Plattform ab. In den kommenden Monaten soll die Technologie aber auch für die anderen Mitglieder des Verbunds ausgerollt werden. Besonders intensiv befassen sich Fischer und sein Team derzeit mit Workplace as a Service. Bei den Angeboten soll es sich um mehr handeln „als Hardware zur Miete mit einem bisschen Antivirus und einem bisschen Monitoring“, wie man das nach den Worten des Experten häufig im Markt sieht. Vielmehr werde Teccle den Kunden ganzheitliche Pakete mit allen Hardware-, Software- und Service-Komponenten inklusive optionalem Helpdesk bereitstellen. Nach Erwartung Fischers wird sich der Vertrieb über den Marktplatz recht zügig entwickeln. Er hält es für möglich, dass bereits 2025 ein substanzieller Teil des Gesamtgeschäfts der Gruppe darüber laufen wird.

Der Service Provider Summit 2023

Benedikt Fischer und Tom Schröder werden auf dem Service Provider Summit (SPS) 2023 das gemeinsame Projekt unter dem Titel „Auf dem Weg zu ‚Systemhaus-as-a-Service‘: Wie die Teccle Group den Vertrieb mit der digitalen Marktplatz-Plattform automatisiert“ vorstellen. Mit dem SPS hat die Vogel IT-Akademie das wichtigste Forum für Business-Entscheider von Hosting Providern, MSPs, Systemhäusern und Cloud-Dienstleistern etabliert. Die Akteure tauschen sich dort mit ihren Technologielieferanten aus der ITK-Industrie über Markttrends, Geschäftsmodelle und Service-Konzepte aus. Das diesjährige Event findet am 4. und 5. Mai auf dem Bonner Petersberg statt und steht unter dem Motto „Leverage Your Service Provider Business“. Neben Keynotes und Podiumsdiskussionen stehen Best-Practice-Vorträge und Roundtables auf der Agenda. Bei den Referenten handelt es sich um Experten aus Wissenschaft und Dienstleistungspraxis sowie von Herstellerseite.

Hier geht es zur Agenda des Service Provider Summit und zur Anmeldung!

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