Förderung von Innovationen Die European Cloud Industrial Alliance formiert sich

Autor: Michael Hase

Unter dem Namen „Euclidia“ haben 23 IT-Unternehmen ein Bündnis geschlossen, das die Entwicklung europäischer Cloud-Innovationen fördern und die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Anbieter verbessern soll. Das Kunstwort steht für European Cloud Industrial Alliance.

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Euclidia setzt sich für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Cloud-Industrie ein.
Euclidia setzt sich für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Cloud-Industrie ein.
(Bild: artjazz - stock.adobe.com)

Die dominierenden Cloud Provider stammen aus den USA und China. Dabei wird leicht übersehen, dass diese Anbieter viele Open-Source-Technologien einsetzen, von denen wiederum ein großer Teil in Europa entwickelt wurde. Um die Marktbedeutung der hiesigen Cloud-Industrie zu stärken und künftige Innovationen zu fördern, haben 23 IT-Unternehmen die European Cloud Industrial Alliance, kurz Euclidia, gegründet. Ihr erklärtes Ziel ist es, die „digitale Unabhängigkeit“ und „strategische Autonomie“ des Kontinents voranzutreiben.

„Digitale Innovation findet in Europa seit Jahrzehnten statt, und es ist an der Zeit, dieses Ökosystem zu vertreten und zu stärken“, betont Olivier Lambert, CEO des Software-Herstellers Vates aus dem französischen Grenoble. Zu den Gründungsmitgliedern der Allianz gehören auch fünf Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum: Innoroute (München), Linbit (Wien), Nextcloud (Stuttgart), NG-Voice (Hamburg) und Nitrokey (Teltow).

Offener Dialog

Euclidia versteht sich als Stimme der europäischen Cloud-Industrie. Alle Mitglieder sind in Europa ansässig und werden mehrheitlich von Anteilseignern aus der Region gehalten. Die Unternehmen sehen es als ihre Aufgabe an, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die die Entwicklung von Cloud-Technologien „Made in Europe“ beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter sicherstellen. Dazu strebt das Bündnis einen offenen Dialog mit relevanten Interessengruppen aus Wirtschaft und Politik an. Auf diese Weise möchte es Gesetzgebern und Entscheidungsträgern das Fachwissen und die Vision für eine Politik vermitteln, die europäische Werte wie den Schutz der Privatsphäre und die Förderung fairen Wettbewerbs widerspiegelt.

Euclidia zufolge sollte die Europäische Union heimische Innovationstreiber stärker dabei unterstützen, sich im globalen Markt erfolgreich zu behaupten. In diesem Kontext brauche Europa öffentliche Finanzierung, um mit Nordamerika und China auf Augenhöhe konkurrieren zu können. Die Allianz verweist auf Projekte wie JEDI in den USA und CSTCloud in China, bei denen staatliche Ausschreibungen dazu genutzt werden, nationale Cloud-Innovationen ohne Marktzwänge oder Konkurrenz durch ausländische Anbieter zu fördern. Euclidia will sich für einen vergleichbaren Zugang europäischer Cloud-Plattformen zu öffentlichen Beschaffungsmärkten und die entsprechende Finanzierung einsetzen.

Update 13. Juli, 15:45 Uhr

Das Bündnis grenzt sich klar gegenüber der europäischen Initiative Gaia-X ab. Dieses Projekt hat den Aufbau eines Datenökosystems zum Ziel, das die Souveränität aller Beteiligten gewährleistet. Wie aus einem Kommentar auf Linkedin hervorgeht, kritisiert Euclidia, dass die Regierungen bei Gaia-X auf Technologien von AWS, Google und Microsoft setzen. Die nordamerikanischen Hyperscaler unterlägen jedoch der Überwachung auf Basis des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) und neigten dazu, Kunden „mit überhöhten Preisen“ zur Kasse zu bitten. Daher sei „eine europäische Lösung für echte technologische Unabhängigkeit“ notwendig. Es gebe eine steigende Nachfrage nach Cloud-Technologien, die von kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Europa stammen. Diese Technologien seien innovativ und wettbewerbsfähig, müssten aber noch stärker vermarktet werden.

Weitere Gründungsmitglieder von Euclidia sind Abilian, Amarisoft, Beremiz, BlueMind, Clever Cloud, E.Corp, Jamespot, Netframe, Nexedi, OpenSVC, Patrowl, Rapid.Space, Scaleway, SenX, Signal18, Submer und XWiki. Ansprechpartner für interessierte Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum ist Philipp Reisner, CEO bei Linbit.

Die Allianz wird von in Europa ansässigen Non-Profit-Organisationen unterstützt, die Ressourcen und Zugang zu europäischen Institutionen bereitstellen. Dazu zählen der Conseil National du Logiciel Libre, die European Association of Next Generation Telecommunications Innovators, der Libre Endowment Fund und die Open-Source-Community OW2.

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