Aktueller Channel Fokus:

Komponenten & Peripherie

Zieht B.com-Insolvenz nun auch andere in den Abgrund?

Devil und COS können nicht mehr liefern

| Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Harry Jacob / Harry Jacob

Bei Distributor Devil und dem Schwesterunternehmen COS stehen die Bänder derzeit still – es kann keine Ware ausgeliefert werden.
Bei Distributor Devil und dem Schwesterunternehmen COS stehen die Bänder derzeit still – es kann keine Ware ausgeliefert werden. (Bild: VBM-Archiv)

Seit Freitag werden von den Distributoren COS und Devil keine Waren mehr ausgeliefert. Die Unternehmen befinden sich in einer finanziellen Schieflage, und die Gespräche über eine mögliche Rettung sind noch am Anfang. Erst am Freitag sollen die Ergebnisse auf den Tisch kommen.

Vergangene Woche bekamen Lieferanten die Mitteilung, das für Devil Kreditlimits gekürzt beziehungsweise gestrichen worden sind. Der Distributor reagierte mit einem Lieferstopp. Am Montag folgte dann die Mitteilung, dass Devil in Braunschweig als auch das Schwesterunternehmen COS, beides Schwesterunternehmen im Konzernverbund BOD (Best of Distribution), ab sofort keine Geschäfte mehr abwickeln können.

Geschäftsbetrieb derzeit auf Eis

Wie die Devil AG inzwischen bestätigte, sind die Limite des Distributors durch die Kreditversicherer heruntergefahren worden. In der Folge musste der Shop des IT-Distributors geschlossen werden und ist bis auf weiteres nicht erreichbar.

Man führe Gespräche mit Kreditversicherern, Banken und Lieferanten, teilte das Unternehmen mit. Offensichtlich verfolgt die Geschäftsführung ein zweigleisiges Ziel: Zum einen die Chancen auszuloten, den Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen zu können, zum anderen, die Partner für den Fall des Scheiterns für ein Restrukturierungskonzept und die „Weiterentwicklung des Geschäftsmodells“ zu gewinnen. Wie diese Weiterentwicklung aussehen soll bleibt derzeit das Geheimnis des Devil-Managements.

Wie Werner Dao, Geschäftsführer der COS-Distribution gegenüber IT-BUSINESS bestätigte, gelten für COS die gleichen Einschränkungen wie für Devil. Das heißt, derzeit kann keine Ware angenommen oder ausgeliefert werden.

Eigentumsvorbehalte geltend gemacht

Laut der Mitteilung von Devil stehen die bisherigen Lieferungen faktisch unter Eigentumsvorbehalt der Lieferanten und sind wirtschaftlich nicht Eigentum der Devil AG. Mit dem Stopp von Warenein- und -ausgang handele das Unternehmen „korrekt und verantwortungsvoll gegenüber seinen Lieferanten und Kunden“, so die Mitteilung.

In dieser Woche stehen ausführliche Klärungsgespräche mit Kreditversicherern, Banken, Kunden und Lieferanten im Terminkalender von Axel Grotjahn, dem Dreh- und Angelpunkt der Unternehmensgruppe. Grotjahn ist in Personalunion CEO von Devil, außerdem Geschäftsführer der Muttergesellschaft BOD sowie zahlreicher BOD-Töchter, seit zwei Wochen neben Dao auch Geschäftsführer der COS Handels GmbH.

Er treibt nach eigenem Bekunden derzeit die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells voran und berichtet: „Wir sind bereits seit einiger Zeit mit Investoren im intensiven Gespräch, die uns unterstützen wollen.“ Über die Gesprächsergebnisse will die Devil AG am kommenden Freitag informieren.

Gerüchteküche brodelt

Im Zusammenhang mit der Schieflage von Devil und COS heißt es im Markt, dass dazu unter anderem die B.com-Pleite beigetragen habe. Forderungen im unteren einstelligen Millionenbereich sollen offen sein.

Das wiederum habe zur Folge gehabt, dass insbesondere die fälligen Rechnungen eines großen Software-Lieferanten nicht beglichen werden konnten, mit dem nun über die Zahlungsmodalitäten verhandelt werde.

Nicht zuletzt ist auch der B.com-Investor Siegbert Wortmann wieder im Spiel. Zumindest wird von zahlreichen Quellen kolportiert, dass er in Gesprächen mit Grotjahn sei, um eventuell auch bei Devil einen Fortbestand des Unternehmens zu finanzieren.

Über die tatsächlichen Gründe für die finanzielle Krise und die Namen möglicher Geldgeber gibt es vom Unternehmen selbst im Moment keine Auskunft.

Kompliziertes Konzerngeflecht

Anders als die B.com kommen Devil, COS & Co. in einem komplizierten Konzerngeflecht daher, das im Falle einer Sanierung per Insolvenz sicher mehr Zeit für die Ausarbeitung einer Lösung verlangt als die eineinhalb Wochen, die es bei dem Kölner Distributor gedauert hat.

Zur Muttergesellschaft BOD gehören neben Devil und COS die Red4Power GmbH (ein Peripherie-Hersteller), die BOD International, BOD Finance und zahlreiche mittelbar verbundene Unternehmen, wie der Logistik-Dienstleister First Flash, ursprünglich eine reine Devil-Tochter, inzwischen komplett an die COS übertragen.

Die COS wiederum wurde in den vergangenen Monaten von Back-Office-Aufgaben „entlastet“, zu deutsch: bestimmte Tätigkeiten – und Mitarbeiter – wurden in Pohlheim abgebaut und die Aufgaben nach Braunschweig zu Devil verlagert.

Gespart hatte der Distributor im vergangenen Jahr auch schon an seiner Hausmesse. Die Devil Visions fanden letztmalig 2011 statt. Hier die Impressionen dieses Events:

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 39292770 / Aktuelles & Hintergründe)