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5G-Ausbau in Deutschland

Der Fall Huawei

| Autor: Sarah Böttcher

Kann es sich Deutschland leisten, beim 5G-Mobilfunkausbau auf Huawei zu verzichten?
Kann es sich Deutschland leisten, beim 5G-Mobilfunkausbau auf Huawei zu verzichten? (Bild: © stadtratte - stock.adobe.com / Huawei - [M] Udo Scherlin)

Die Bundesregierung hat Huawei für den 5G-Ausbau in Deutschland zugelassen. Die Diskussion über Sabotage und Spionage aus dem Ausland, speziell aus China, verschleiert jedoch einen wichtigen Fakt: Die Technologie des chinesischen Konzerns ist bereits integraler Bestandteil des deutschen Mobilfunknetzes.

Die USA drohen mit der Einschränkung geheimdienstlicher Zusammenarbeit; die EU warnt vor einem verstärkten Risiko durch Cyberspionage – den mahnenden Worten zum Trotz, hat die Bundesregierung den chinesischen Netzausrüster Huawei nicht vom Ausbau des deutschen 5G-Netzes ausgeschlossen. Nun soll ein erweiterter Sicherheitskatalog Spionage und Sabotage durch Dritte vorbeugen.

Politisch motiviert oder zurecht gefürchtet – Fakt ist, dass Deutschland Stand heute beim 5G-Ausbau nicht auf Huawei verzichten kann. Denn beim neuen Mobilfunkstandard handelt es sich keinesfalls um ein eigenständiges, neues Netz. Aus netzwerktechnischer Sicht ist 5G nur ein „add on“ zum vorhandenen Mobilfunknetz. Das bedeutet, dass deutsche Mobilfunkanbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone und 1&1 Drillisch beim Aufbau des neuen Funkstandards, die bestehende Infrastruktur nutzen und lediglich um 5G-Komponenten erweitern. In diesem bereits existierenden Kernnetz, das für die Mobilfunk-Netzsteuerung entscheidend ist, sind jedoch bereits Komponenten des gefürchteten Netzausrüsters verbaut. So setzt beispielsweise Vodafone im so genannten RAN (Radio Access Network), also etwa bei Antennen an Basisstationen, bereits zur Hälfte auf das Equipment des chinesischen Konzerns – die andere Hälfte besteht aus Hardware des schwedischen Unternehmens Ericsson.

Höhere Kosten ohne Huawei

Der Ausschluss Huaweis vom deutschen 5G-Ausbau würde folglich „überhaupt nichts hinsichtlich der 5G-Ausbaustrategie und Lieferanten-Situation für 5G ändern“, betont Volker Petendorf, Konzernsprecher bei Vodafone Deutschland. Um den Forderungen, den chinesischen Konzern vollständig aus dem Mobilfunknetz auszuschließen, nachzukommen, müssten Huawei-Komponenten aus dem deutschen Mobilfunknetz nachträglich entfernt und ausgetauscht werden. Das würde das bestehende Netz teilweise lahmlegen. „Die gesamte europäische Telekommunikationsbranche würde Schwierigkeiten haben, wenn Netzwerkgeräte von Huawei nicht mehr eingesetzt werden dürften. Ein Verbot von Huawei-Produkten würde in Deutschland dazu führen, dass der 5G-Ausbau wesentlich teurer und sich erheblich verzögern würde – vor allem im ländlichen Raum,“ führt Petendorf weiter aus. Auch Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM, bestätigt dies: „Der VATM begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, Huawei als wichtigen Technologietreiber nicht vom Ausbau des 5G-Netzes auszuschließen. Der Verband hatte schon im Frühjahr davor gewarnt, dass der Ausschluss von Huawei-Technologien das Ausrollen des neuen Mobilfunkstandards deutlich erschweren, verteuern und verzögern würde.“

Erweiterte Sicherheitsanforderungen des BSI

Um der vorherrschenden Skepsis vorzubeugen, hat das Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seine Sicherheitsanforderungen überarbeitet: „Mit dem aktualisierten Sicherheitskatalog stellen wir durch technische Anforderungen an Telekommunikationsnetze sicher, dass Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit der Kommunikation auf einem hohen Niveau gewährleistet werden. Um eine valide Sicherheitsaussage im 5G-Umfeld treffen zu können, sind daher mehrere Elemente im Rahmen von Zertifizierungen abzudecken. Hierzu gehören Produkt-, Prozess- und Systemzertifizierungen, ein Monitoring der 5G-Infrastruktur sowie zusätzliche Anforderungen wie beispielsweise die Sicherheit von Lieferketten. Die technische Entwicklung der Mobilfunknetze wird nur erfolgreich sein, wenn wir von Anfang an für ein angemessenes Risikomanagement sorgen, etwa durch den Einsatz geeigneter Verschlüsselungsverfahren,“ betont das BSI.

Keine „Lex Huawei“

Doch der erweiterte Sicherheitskatalog ist nicht „Lex Huawei“, er gilt für sämtliche Netzausrüster. Somit müssen auch die schwedische Ericsson, die finnische Nokia oder die amerikanische Cisco die Sicherheitskriterien erfüllen. Die Telekom, Vodafone und 1&1 Drillisch verfolgen bisher eine Multi-Vendor-Strategie für die verwendeten Netzwerkelemente und werden diese auch fortführen.

Einig sind sich die TK-Riesen in einem Punkt: Deutschland sollte auf Huawei als 5G-Netzausrüster nicht verzichten. Die einheitlichen Sicherheitsanforderungen für alle Unternehmen, egal welcher Herkunft, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Auch Huawei selbst befürwortet die Zulassung zum 5G-Mobilfunkausbau: „Wir begrüßen den Schritt der Bundesregierung, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle 5G-Netzausrüster zu schaffen. Die Politisierung von Cybersicherheit wird die technologische Entwicklung und den sozialen Fortschritt nur behindern,“ betont der chinesische Konzern.

Tatsächlicher Missbrauch kann auch trotz des überarbeiteten Sicherheitskatalogs nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden – allerdings durch keinen der großen Netzwerkausrüster. Letztendlich fehlt Deutschland jedoch die Alternative.

Telefónica Deutschland hat sich bezüglich der Zulassung Huaweis auf Nachfrage der Redaktion bisher nicht geäußert.

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