Umfrage von ITscope Der Chip-Mangel im ITK-Channel

Von Heidi Schuster

In nahezu jedem elektronischen Gerät sind Chips verbaut und diese sind derzeit Mangelware. ITscope hat Im Rahmen einer Umfrage herausgefunden, wie sich der Chip-Mangel darstellt und vor welchen Herausforderungen der Channel steht.

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In Zeiten der Chip-Knappheit sind gebrauchte Geräte gefragt.
In Zeiten der Chip-Knappheit sind gebrauchte Geräte gefragt.
(putilov_denis - stock.adobe.com)

Wie sehr ist der ITK-Channel eigentlich vom Halbleitermangel betroffen? ITscope hat bei 70 Systemhäusern, Resellern, Distributoren, Herstellern und Managed Service Providern nachgefragt und die Umfrageteilnehmer sind sich weitgehend einig: 86 Prozent sehen den Channel stark beeinträchtigt.

In Bezug auf das eigene Geschäft geben mehr als 60 Prozent der Befragten eine starke Beeinträchtigung an. Nahezu alle, die eine Beeinträchtigung wahrnehmen, sehen den Vertrieb als den am stärksten betroffenen Fachbereich. An zweiter Stelle (Mehrfachnennungen waren möglich) folgt mit rund 80 Prozent der Einkauf.

Lange Lieferzeiten, wenig Ware

Wenig überraschend fallen demnach auch die Antworten auf die Frage aus, wie sich der Chip-Mangel bemerkbar macht. Lange Lieferzeiten und sehr begrenzte bis überhaupt keine Warenverfügbarkeit sind das Hauptproblem. Aufträge können nicht erfüllt werden und bei steigenden Einkaufspreisen sind die Verkaufszahlen rückläufig.

Laut der Umfrage sind die Reaktionen der jeweiligen Endkunden teilweise noch gelassen, doch zunehmend wächst die Ungeduld und Frustration. Systemhäuser müssen Projekte verschieben, weil sie keine Zusage über Stückzahl oder Liefertermin seitens der Hersteller bekommen – und das drückt nicht nur massiv auf den Umsatz, sondern auch auf die Laune der Kunden, so ITscope. Diese würden wiederum auf alternative Produkte ausweichen, stornieren nicht lieferbare Bestellungen oder treten direkt ganz aus dem Vertrag zurück und versuchen bei anderen Anbietern ihr Glück. „Zufrieden sind unsere Kunden mit der jetzigen Situation natürlich nicht, das ist ganz klar. Aber trotz allem ist Verständnis da, dass aktuell wirklich nichts verfügbar ist und wir die Ware auch nicht einfach hervorzaubern können”, beschreibt Dennis Weimer von der You Logic, die Situation.

Hamsterkäufe und Refurbishing

Mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen versucht der Channel derzeit, dem Chip-Mangel zumindest etwas entgegenzuwirken beziehungsweise entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Es wird auf Vorrat gekauft, sofern Produkte vorhanden sind (auch zu höheren Preisen) und auf alternative oder generalüberholte Produkte oder gleich ganz neue Lieferquellen ausgewichen. Doch auch der Markt für wiederaufbereitete Produkte steht momentan unter extremem Druck, erklärt Sebastian Wundrack von Cybertrading, einem internationalen IT-Hardware Handelsunternehmen mit Fokus auf IT-Remarketing: „Speziell große Anbieter schwenken gerade auf refurbished Hardware um, kaufen Restbestände auf und gleichzeitig bleiben Produkte, die unter normalen Umständen aussortiert und dem Refurbished-Markt zugeführt werden würden, weiter in Benutzung. Es kommen weniger ‚neue‘ Gebrauchtwaren nach und der Markt für generalüberholte Produkte leert sich mehr und mehr.”

Lieferschwierigkeiten

99 Prozent der Befragten geben an, aktuell aufgrund der Chip-Knappheit von Lieferschwierigkeiten konfrontiert zu sein. Bei vielen gilt das für das gesamte Portfolio, auf Produktebene sind Notebooks, Monitore, Drucker, PC-Systeme, Server, CPUs und Grafikkarten besonders stark betroffen.

„In so gut wie allen Bereichen herrschen drastische Lieferschwierigkeiten. Auch ich habe mit extremen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen und sehe kleinere Mitbewerber langsam wegbrechen, pleitegehen. Wenn ich aber doch etwas bekomme, gibt es zumindest keine Diskussionen wegen des Preises – innerhalb kürzester Zeit finde ich auch für höherpreisige Produkte dankbare Abnehmer”, sagt Matthias Hof von HOF Electronic Service.

Ein schnelles Ende ist nicht in Sicht

Wenig rosig sieht demnach auch der Blick in die Zukunft aus: Die Mehrheit vermutet, dass der Chip-Mangel noch bis mindestens Mitte oder Ende 2022 andauern wird, ein Drittel geht sogar davon aus, dass die Krise den Channel noch bis ins Jahr 2023 beschäftigen wird.

Insgesamt sieht auch das erwartete Szenario für die nächsten Monate eher düster aus: „Für viele Systemhäuser, VARs und Distributoren sind Hardware-Projekte ein wichtiges Standbein. Den fehlenden oder verzögerten Umsatz beziehungsweise Gewinn zu kompensieren wird nicht leicht”, so ein Umfrage-Teilnehmer. Aber es sind auch optimistische Stimmen dabei: „Alle haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wir sehen positiv in die Zukunft!”

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