Volatiler Halbleitermarkt Chipmangel links, Preisstürze rechts: Chinas Halbleitermarkt fährt Achterbahn

Von Henrik Bork

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Klimawandel, Konflikte und explodierende Energiepreise schüren weltweit die Inflation. Das drückt auf die Kauflaune der Verbraucher – und sorgt für Turbulenzen im Chipmarkt. Davon bleibt auch China nicht verschont.

Das Auf und Ab des Chipmarkts gleicht einem rasanten Ritt in einer Achterbahn – man weiß nie, was hinter der nächsten Kurve lauert. Allerdings ist der Chipmarkt komplex: Während die Nachfrage bei bestimmten Logikchips derzeit sinkt, sind Leistungshalbleiter weiterhin stark nachgefragt.
Das Auf und Ab des Chipmarkts gleicht einem rasanten Ritt in einer Achterbahn – man weiß nie, was hinter der nächsten Kurve lauert. Allerdings ist der Chipmarkt komplex: Während die Nachfrage bei bestimmten Logikchips derzeit sinkt, sind Leistungshalbleiter weiterhin stark nachgefragt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der Markt für Halbleiter in China wird immer chaotischer. Während bei bestimmten Chips noch immer Mangel herrscht, brechen für andere Chips die Preise deutlich ein. Die gesunkene Nachfrage nach Handys und anderer Verbraucherelektronik sorgt für hohe Lagerbestände und Preisnachlässe besonders bei Chips für die Kommunikation und für Display-Panels sowie für analoge Chips.

Chinas führender Chip-Hersteller Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) habe „gemischte Quartalszahlen“ vorgelegt und erwarte auch in der nahen Zukunft weitere Umsatzeinbrüche in bestimmten Segmenten, berichtete das Fachportal Pin Wan.

„Insbesondere hat eine Abkühlung der Nachfrage nach Smartphones die Preise für bestimmte Chips gedrückt“, sagte Zhao Haijun, CEO von SMIC, gegenüber dem Portal. Für das im Juni zu Ende gegangene Quartal habe der Chiphersteller einen Umsatz von 1,9 Milliarden US-Dollar gemeldet, was einem gesunden Anstieg von 41,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche, hieß es. Gleichzeitig aber sei deutlicher „Gegenwind“ spürbar geworden.

Zunehmende Unwägbarkeiten und globale Inflation drücken Kaufstimmung

Die Aussage ähnelt denen anderer Chip-Hersteller, die angesichts des Krieges in der Ukraine und der globalen Inflation bereits vor einem drohenden „Überangebot“ bei bestimmten Halbleitern warnen. Micron Technology, ein großer Hersteller von Speicher-Chips, hat seine vierteljährlichen Gewinn-Prognosen verringert, begründet dies ebenfalls mit der sinkenden Nachfrage nach PCs und Handys.

Nvidia hat angekündigt, dass es mit einem Sinken der Nachfrage nach GPU-Chips rechnet, denn auch bei Spielekonsolen habe sich die Konjunktur verschlechtert. Zum Teil handelt es sich wohl um einen normalen Rückgang der Verkäufe nach der ungewöhnlich starken Nachfrage nach Verbraucherelektronik zu den Zeiten von Corona-Lockdowns – also gewissermaßen um eine Marktkorrektur. Doch die weltweite Sorge wegen des Krieges in der Ukraine, die globale Inflation und auch die andauernden Corona-Lockdowns in China dämpfen momentan den Konsum noch schneller als erwartet.

Lagerbestände auf 10-Jahres-Hoch: „Chippreise brechen ein“

Der Preis für eine Kernkomponente eines elektronischen Kontrollsystems von STMicroelectronics etwa sei von seinem Höchststand von 3.500 Yuan (rund 511 Euro) vor einem Jahr auf etwa 600 Yuan (rund 87,6 Euro) gefallen, berichtet EET China. „Der Preissturz beträgt mehr als 80 Prozent”, so das Fachmedium.

Ein anderer Chip desselben Herstellers aus der verbreiteten „STM32“-Mikrocontrollerfamilie hatte im Jahr 2021 rund 200 Yuan gekostet, nun liegt der Preis bei rund 20 Yuan (etwa 2,92 Euro). „Chip-Lagerbestände auf 10-Jahres-Hoch, Chip-Preise brechen ein“ lautet die Überschrift über dem Bericht.

Während bei Hochleistungs-Chips für die Automobilindustrie wegen gestörter Lieferketten und einem „Mismatch“ zwischen Angebot und Nachfrage noch immer Mängel herrschten, seien die Preise für Kommunikations-Chips und analoge Chips in den vergangenen zwei Monaten „überwiegend um mehr als 20 Prozent, für manche Chips um bis zu 80 Prozent eingebrochen“, wird ein Beamter des chinesischen Industrieministeriums MIIT zitiert.

Nachfrage nach PCs und Smartphones stark zurückgegangen

Die Unruhe im Chipmarkt ist ein globales Phänomen, doch wegen der großen Zahl der in China verbauten Halbleiter sind hier die Preisstürze besonders radikal. Im zweiten Quartal dieses Jahres seien die Verkäufe von PCs um 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, berichtet die Beratungsfirma Gartner. Qualcomm habe daher rund 15 Prozent seiner Aufträge für „Snapdragon 8“-Chips zurückgezogen und habe eine Reduzierung seiner Preise dafür um etwa 40 Prozent vor dem Ende dieses Jahres angekündigt, berichtete der chinesische Staatssender CGTN.

Statistiken des Branchenmagazins „Nikkei Review“, die auf Daten von 2.350 Unternehmen aus der globalen Halbleiter-Industrie beruhen, wiesen für das erste Quartal 2022 einen Anstieg der Lagerbestände im Wert von 97 Milliarden US-Dollar aus – ein „10-Jahres-Hoch“, so CGTN.

Der Chipmangel in den vergangenen Jahren hat bei vielen Herstellern zu einer starken Ausweitung der Produktionskapazitäten geführt. Analysten in China fragen sich nun, ob nun schon der Beginn eines „strukturellen Überangebotes” zu beobachten ist.

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* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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