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Marktanalyse: Glasfaserausbau gewinnt weiter an Tempo Alternative Netzbetreiber treiben Glasfaserausbau voran

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Der Breko Marktanalyse20 zufolge entwickelt sich der Glasfaserausbau in Deutschland positiv. Es seien vor allem die alternativen Netzbetreiber, die dafür sorgen, dass die Anzahl der verfügbaren Glasfaseranschlüsse, die Nachfrage nach schnellem Internet und die Investitionen in den Ausbau steigen.

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Deutschland zählt zu den am schnellsten wachsenden Glasfasermärkten in Europa.
Deutschland zählt zu den am schnellsten wachsenden Glasfasermärkten in Europa.
(Bild: © – tostphoto – stock.adobe.com)

Zusammen mit dem Telekommunikationsexperten und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jens Böcker hat der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) die aktuelle Lage des Telekommunikationsmarktes analysiert. Die vorliegenden Ergebnisse der Breko Marktanalyse20* wertet Prof. Dr. Jens Böcker, wissenschaftlicher Leiter und Autor der Studie, positiv: „Die Breko Marktanalyse zeigt die existenzielle Bedeutung einer performanten Telekommunikationsinfrastruktur für Unternehmen und private Haushalte auf, insbesondere vor dem Hintergrund der Coronapandemie. Der Blickwinkel auf den Glasfaserausbau wird nachhaltig geschärft: die Investitionen in diese Infrastruktur sind von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Zukunft Deutschlands.“ Das sieht auch Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers so: „Die Bedeutung des Glasfaserausbaus ist klarer denn je. Die Digitalisierung ist die Evolution unserer Zeit, Glasfaser die einzige Infrastruktur, die allen digitalen Herausforderungen von heute und der kommenden Jahrzehnte gewachsen ist. Gerade in der aktuellen, weltweiten Krise wird deutlich, warum wir diese Infrastruktur so dringend brauchen. Aber die Zahlen der Breko Marktanalyse zeigen: Es geht voran mit dem Glasfaserausbau.“

Glasfaserquote und Investitionen steigen

Zentrale Botschaft der aktuellen Marktzahlen: Es geht voran. Der Anteil der Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude und Wohnungen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Haushalte und Unternehmen („Glasfaserquote“) sei auf 13,5 Prozent gestiegen. Das entspreche einem Zuwachs von 1,1 Mio. auf insgesamt 6,1 Mio. Glasfaseranschlüsse deutschlandweit. Den größten Teil dieser Anschlüsse hätten mit 4,9 Mio. die „alternativen Netzbetreiber“, also die Wettbewerber der Deutschen Telekom, realisiert. Die Ausbaudynamik werde sich in den kommenden Jahren verstärken: Für das Jahr 2023 prognostiziert die Breko Marktanalyse20 einen Anstieg auf insgesamt 22 Mio. Glasfaseranschlüsse – 14,1 Mio. davon durch alternative Netzbetreiber realisiert.

Breko-Präsident Norbert Westfal sieht klare Zeichen des digitalen Aufschwungs: „Wir sind beim Glasfaserausbau jetzt endlich auf der Überholspur. Beim Wachstum der digitalen Infrastruktur kann Deutschland sich europaweit weiter vorkämpfen und belegt aktuell den fünften Platz der am schnellsten wachsenden Glasfasermärkte. Auch die Glasfaserquote steigt deutlich. An diesen positiven Entwicklungen haben alternative Netzbetreiber, insbesondere die Breko-Unternehmen, einen großen Anteil. Aber natürlich sind wir noch lange nicht am Ziel. Aufgrund der Versäumnisse der Vergangenheit und dem zu langen Festhalten an Kupferanschlüssen ist noch viel zu tun. Wichtig ist jetzt, die Dynamik im Glasfaserausbau weiter zu verstärken. Eine große Chance dafür bietet sich in den nächsten Monaten. Die anstehende grundlegende Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes muss die Weichen eindeutig in Richtung des echten Glasfaserausbaus stellen. Dafür werden wir uns starkmachen. Zudem wird auch das deutlich gewachsene Bewusstsein für Digitalisierung bei Bürgern und Unternehmen dem Glasfaserausbau einen Schub geben.“

Die Investitionen in die digitale Infrastruktur seien im Jahr 2019 auf insgesamt 9,6 Mrd. Euro gestiegen. Auch hier hätten die alternativen Netzbetreiber mit 5,2 Mrd. deutlich über die Hälfe (54,1 %) des Ausbaus finanziert.

Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen auf hohem Niveau

Der Bedarf an Datenvolumen von Privathaushalten und Unternehmen steige weiter und damit die Nachfrage nach echten Glasfaseranschlüssen. Mit 42 Prozent liege die Take-up-Rate bei Glasfaseranschlüssen zwölf Prozentpunkte über der von Kabelnetzanschlüssen (30 %). Die Coronapandemie habe zusätzlich einen starken Einfluss auf die Nachfrage nach schnellem Internet. 49 Prozent der Bestandskunden hätten nach einem Tarif-Upgrade mit höherer Bandbreite gefragt. Auch bei 43 Prozent der Neukunden hätten die Netzbetreiber einen Bedarf an höherwertigen Anschlussprodukten festgestellt. Die Zuverlässigkeit/Stabilität sowie die Download- und Uploadbandbreite seien für Privat- und Geschäftskunden in der aktuellen Situation zu besonders wichtigen Merkmalen des gebuchten Internetvertrags geworden. Geschäftskunden schätzten zudem die Sicherheit der Verbindung als immer wichtiger ein.

Dass ein hochleistungsfähiger Internetzugang in der Pandemie systemrelevant geworden sei, sei der Branche laut Stephan Albers klar: „Unsere Netzbetreiber leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass wir die Krise überwinden können. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst. Corona hat eindrücklich gezeigt: Wir müssen zukunftssichere Glasfasernetze bauen. Sicherheit und Stabilität, die Vorzüge des Glasfasernetzes, werden immer wichtiger. Die Zukunft gehört dem „Fiber to the Homeoffice“. Wichtig ist zudem, dass Glasfasernetze nicht nur leistungsfähiger sind, sondern durch verminderten Stromverbrauch auch die nachhaltigste digitale Infrastruktur darstellen und damit zum Klimaschutz beitragen. Damit wir diese Vorzüge nutzen können, müssen aber auch alle mitmachen. Die Breko-Unternehmen werden dafür ihren Beitrag leisten.“

Mobilfunk auch zukünftig kein Festnetzersatz

Festnetzanschlüsse spielten nach wie vor die entscheidende Rolle für den Datentransport in Deutschland. Das Verhältnis des über Festnetz und Mobilfunk übertragenen Datenvolumens bleibe dabei stabil bei einem Verhältnis von etwa 132 GB (Festnetz) zu 1,6 GB (Mobilfunk). Nahezu 99 Prozent der Daten würden demnach über das Festnetz übertragen. Eine Ablösung des Festnetzes durch den Mobilfunk sei demzufolge weiterhin nicht erkennbar und auch zukünftig nicht zu erwarten.

Großteil des Ausbaus erfolgt eigenwirtschaftlich

Die Breko-Netzbetreiber setzen weiterhin klar auf den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau. Trotz laufender Förderprogramme erfolgten 75 Prozent aller Ausbauprojekte eigenwirtschaftlich. Norbert Westfal: „Die neue Breko-Marktanalyse unterstreicht: Der Löwenanteil des Glasfaserausbaus wird eigenwirtschaftlich erbracht. Ohne jegliche Fördermittel. Das liegt daran, dass der eigenwirtschaftliche Ausbau schneller, effizienter und marktorientierter umgesetzt werden kann. Förderprojekte sind von Natur aus langwierig und mit vielen Herausforderungen verbunden. Deshalb gilt es, die Rahmenbedingungen für den eigenwirtschaftlichen Ausbau weiter zu verbessern und Bürokratie abzubauen. Dennoch ist staatliche Förderung als Ergänzung wichtig, muss aber dosiert und nur dort eingesetzt werden, wo die Versorgung der Bürger und Unternehmen besonders schlecht ist. Geld allein baut keine Netze.“

*Für die Breko Marktanalyse20 wurden deutschlandweit 195 Netzbetreiber befragt. Daneben wurden Daten öffentlich zugänglicher Quellen zur Verifizierung sowie zur Ermittlung von Gesamtmarktzahlen herangezogen. Die Recherche der Marktdaten sowie die Analyse der Befragungsergebnisse wurden von der Strategieberatung Böcker Ziemen Customer Insight Consultants gemeinsam mit dem Breko durchgeführt.

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