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ITB: Wie bewältigt ACP selbst diese Transformation?
Schiller: Wir waren einfach früh dabei. ACP befasst sich seit sieben Jahren mit dem Thema Cloud Computing. Dadurch konnten wir das Geschäft allmählich aufbauen und haben so die Chance, bilanztechnisch mit einem blauen Auge davonzukommen. Aber wer gibt den kleineren Systemhäusern das Geld, das sie für die Transformation benötigen? Hinzu kommt die Umstellung im Vertrieb: Services verkaufen sich anders als Produkte und erfordern einen anderen Beratungsprozess.
ITB: Inwiefern müssen sich Systemhäuser dabei mit den Geschäftprozessen der Kunden befassen?
Schiller: Das Thema hat zwei Dimensionen: Durch die Cloud müssen wir unser Portfolio noch breiter aufstellen, um die Anforderungen der Kunden zu erfüllen. Unternehmen greifen heute in die bunte Palette der Möglichkeiten hinein und wählen modular aus: Bestimmte IT-Dienste gehören zu ihrem Kerngeschäft, die stellen sie selbst bereit. Anderes, was weniger geschäftskritisch ist, lagern sie aus. Damit verbunden ist die Erwartungshaltung, dass wir als Dienstleister stärker in die Prozesse gehen. Das ergibt sich automatisch aus dem Outsourcing. Für Systemhäuser liegt darin die größere Herausforderung. Denn das Prozessdenken, da muss man ehrlich sein, fällt uns schwerer als das Denken in IT-Lösungen.
ITB: Aber müssen Sie sich nicht darauf einlassen und ein Stückweit zum Prozessberater der Kunden werden?
Schiller: Dem können wir uns nicht entziehen. Die Frage lautet aber, wie weit wir dabei gehen und wo andere Beratungshäuser anschließen. Bis auf weiteres bleiben die klassischen IT-Prozesse unser Kerngeschäft. Wir sollten nicht versuchen, klassische Beratungshäuser zu verdrängen. Umgekehrt kann ich bislang auch nicht erkennen, dass diese Häuser in unseren Markt vorstoßen. Am Ende geht es darum, wie ich meine Ressourcen sinnvoll einsetze, um mein Geschäftsmodell auszudehnen: Baue ich neue Bereiche auf oder konzentriere ich mich darauf, in meinen angestammten Feldern die Kundenbasis zu verbreitern? Die zweite Option gefällt mir viel besser, weil ich dafür in Deutschland noch sehr viel Potenzial sehe. Möglicherweise muss sich ACP Österreich die Frage anders stellen. Denn mit einem Umsatz von 270 Millionen Euro in einem überschaubaren Markt ist die Abdeckung schon extrem hoch.
ITB: Von einer solchen Marktabdeckung ist ACP in Deutschland weit entfernt. Ursprünglich wollten Sie hierzulande schon weiter sein und bis 2010 unter die Top Ten der Systemhäuser vorstoßen. Dort ist ACP bislang noch nicht. Woran hat es gehapert?
Schiller: Rechnet man den Umsatz der ACP in Österreich auf die Wirtschaftskraft Deutschlands hoch, müssten wir hierzulande mehr als drei Milliarden Euro erlösen. So groß ist kein Systemhaus. Richtig ist aber, dass wir für Deutschland schon größere Zahlen im Auge hatten. Rankings zielen allerdings nur auf den Umsatz als Kennzahl ab. Viel wichtiger ist mir, dass wir hochprofitabel arbeiten. Was den Gewinn vor Zinsen und Steuern angeht, bewegen wir uns an der Spitze dessen, was im Systemhausmarkt überhaupt möglich ist. Nicht dass es uns an Ehrgeiz fehlen würde zu wachsen. Wir wollen wachsen und werden das auch tun. Aber ob wir in einer Liste einen Platz weiter vorn oder hinten stehen, das ist aus meiner Sicht nachrangig.
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