Managed Security Services 2023 Zeit, sich neu zu erfinden

Von Barbara Gribl 5 min Lesedauer

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Nie war die Nachfrage nach Managed Security größer als heute. Cyberversicherungen, Digitalisierung und Fachkräftemangel tragen dazu bei. Ein El Dorado für Dienstleister? Eines ist jedenfalls mit im Gepäck: eine Neuausrichtung.

Managed Security in diesem Jahr bedeutet, die Puzzleteile neu zu legen. Das Geschäftsmodell hat viel Potenzial, ist aber auch mit neuen Anforderungen verbunden.(Bild:  EwaStudio - stock.adobe.com)
Managed Security in diesem Jahr bedeutet, die Puzzleteile neu zu legen. Das Geschäftsmodell hat viel Potenzial, ist aber auch mit neuen Anforderungen verbunden.
(Bild: EwaStudio - stock.adobe.com)

Stellen Sie sich vor, Sie befahren eine unbekannte Route. Auf das Navi ist wenig Verlass. Ein einheimischer Beifahrer hilft da schon enorm weiter. Er lotst Sie Stück für Stück und sicher durch die engen Gassen bis zum Ziel.

Nicht anders ist das bei Managed Security Services 2023. Viele Entscheidungsträger in Unternehmen kennen sich in Sachen Digitalisierung und Sicherheit nicht gut genug aus und wissen häufig nicht, wo sie anfangen sollen. Statt teure Fehler zu machen, ist es doch viel sinnvoller, diese Aufgaben an Partner oder Dienstleister abzugeben, um sich dem Tagesgeschäft zu widmen.

Denn eines ist klar: IT-Sicherheit muss unausweichlich auf die Agenda. Sie zu ignorieren, ist unmöglich. Ransomware- und Phishing-Attacken, die Anführer jeglicher Ranglisten von Cyberbedrohungen, katapultierten sich zu tagesaktuellen, akuten Gefahren für Unternehmen aller Branchen und Größen – deutschland-, europa- und weltweit. Die Lage ist ernst.

Security gehört ins Portfolio

„Wer Cybersecurity nicht in sein Portfolio integriert, hat verloren“, äußert sich Max Tarantik, Mitgründer und COO von Enginsight.

„Ihr solltet schnellstmöglich verstehen, dass man das Thema nicht aussitzen kann, denn die Cyberrisiken sind gekommen, um zu bleiben“, appelliert Holger Müller, CTO und Lead Architect für Verwaltung, Bildung und Gesundheitswesen bei Cisco. In einem LinkedIn-Post an „alle Vorstände, Präsidiumsmitglieder, Klinikleitungen und IT-Entscheider“, fordert er, in Sachen Sicherheit und Prävention schnellstmöglich Verantwortung zu übernehmen.

Der beste Startzeitpunkt, um zu handeln, ist genau einer: Jetzt.

Auch bei der Arrow University in der Motorworld in München am 28. Februar 2023 sind sich die Experten der Podiumsdiskussion einig: Ohne Sicherheit geht gar nichts. MSPs werden dabei immer mehr das Herzstück des IT-Channels. Sie sind die wichtigen Begleiter von Millionen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMUs) weltweit, äußert sich Datto und veröffentlicht einen Bericht zur weltweiten Lage der MSPs mit Ausblick auf 2023.

Wanted: IT-Fachkräfte

Alles schreitet voran, außer der Zahl des Fachpersonals. Und Unternehmen, besonders der Mittelstand, benötigen bei Sicherheitsvorkehrungen Unterstützung. Dabei schauen sie derzeit gleich zweimal hin, ob sie beim gleichen Anbieter bleiben oder welcher Kandidat am besten zum Portfolio und zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Gleichzeitig springen immer mehr Dienstleister auf den Managed-Service-Zug auf. Datto bestätigt die rasante Zunahme von MSPs auf dem Markt. Der Wettbewerb werde immer härter. Der MSP-Bericht 2023 zeigt: Das zweite Jahr infolge bezeichnen die befragten MSPs den Wettbewerb als größte Herausforderung (29 %). 95 Prozent der Befragten geben dennoch an, dass jetzt eine gute Zeit für MSP ist. Mit verschiedenen Modellen und Serviceangeboten kommen Hersteller und Dienstleister, oft auch im Tandem, dem hohen Bedarf entgegen. Wie lassen sich individuelle Kundenbedarfe am besten decken?

„Die beste Antwort ist eine Managed-Security-Plattform, die möglichst viele Anforderungen löst, beispielsweise im Schwachstellenmanagement und bei der Bedrohungserkennung“, erklärt Sebastian Ganschow, Director Cybersecurity Solutions bei NTT. „Mit solch einer breit aufgestellten Plattform verringern Unternehmen die Komplexität, weil sie die Anzahl der Managementsysteme reduzieren und so auch weniger Integrationsschwierigkeiten haben.“ Auch sei es für sie kommerziell interessanter, möglichst viele Tools eines Anbieters zu nutzen – für das gleiche Budget kann sich ein Unternehmen meist mehr Security-Lösungen leisten.

Notwendig sind Software, Lösungen und Tools, welche die IT im operativen Geschäft entlasten können. Es wird interessant sein, wie sich der Wettbewerb in den nächsten Jahren entwickeln wird, wenn der Markt weiter wächst.

Einstieg als MSP: Das gehört dazu

Auf der anderen Seite erklärt Markus Vogt, Senior Manager Cyber Security bei Ingram Micro: „Unternehmen erkennen immer mehr Vorteile darin, den Bereich IT-Security an spezialisierte Service Provider auszulagern. Daher sehen wir hier großes Potenzial für unsere Partner.“ Wer als Anbieter ins Managed-Services-Geschäft einsteigt, muss allerdings zunächst die Rahmenbedingungen definieren. „Es handelt sich hier um ein völlig anderes Geschäftsmodell, bei dem der Anbieter in Teilen die Betriebsverantwortung, zum Beispiel für den Betrieb eines Security Operations Center (SOC), übernimmt. Der Kunde erwartet von seinem MSP eine dementsprechend professionelle Abwicklung“. Daher sind Leistungsbeschreibungen, Prozesse, Haftung, Laufzeiten sowie NDAs wichtige Punkte, die im Vorfeld eindeutig zwischen Kunde und Anbieter geklärt werden müssen.

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Eins ist sicher: Nichts ist sicher

Ein relativ neues Produkt in der Versicherungsbranche ist die Cyberversicherung. Der rasante Anstieg an Angriffen und Schäden veranlasst Cyberversicherer jedoch dazu, die Preise zu erhöhen – oder eben die Anforderungen, um überhaupt eine Police zu erhalten.

Die Schäden eines Angriffes erreichen nicht selten die Höhe von etwa 10 Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens. Der Versicherungswert deckelt das in der Regel nicht.

Richard Werner, Business Consultant bei Trend Micro

Die Voraussetzungen, die Unternehmen erfüllen müssen, um gut abgesichert zu sein, verändern sich also und Versicherer stellen neue Fragen. Etwa zur Exponiertheit des Unternehmens, sowie zu den Fähigkeiten einer sinnvollen Verteidigung inklusive Reaktionsfähigkeit. Weisen Unternehmen entsprechende Konzepte nicht nach, so wird die Schadensregulierung deutlich eingeschränkt oder sogar untersagt. 65 Prozent der Cyberversicherungen kommen laut Versicherer Securance nicht zum Abschluss, weil wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt werden.

Zumindest sollten Unternehmen die Fähigkeit haben, auf Risiken effektiv einzugehen, und diesen Prozess stets optimieren. Gartner empfiehlt darüber hinaus, Cybersicherheit im Vorstand zu fördern. Laut Gartner-Prognosen werden bis 2026 70 Prozent der Vorstände ein Mitglied mit Sicherheitsexpertise umfassen.

Laut Datto-Bericht zur Lage der MSPs 2023 weltweit, sind die folgenden Bereiche als besonders wichtig eingestuft:

Managed Detection & Response (30 %)
Dark Web Monitoring (30 %)
Filterung von Webinhalten (29 %)
Compliance Monitoring (29 %)
Privileged Access Management (29 %)
Endpoint Detection & Response (28 %)
Patch-Management (28 %)

„Interessant wird auch zu beobachten sein, ob Unternehmen aufgrund der gestiegenen Kosten und Anforderungen von Cyberversicherungen daran arbeiten werden, diese zu erfüllen oder sich produktseitig mit den neuesten Security-Lösungen eindecken werden“, meint Sascha Odenthal, Sales Director MSP bei Infinigate. „Letzteres hat den entscheidenden Vorteil, dass die Kosten für die Policen sinken werden, sofern ein Nachweis und eine regelmäßige Überprüfung erfolgt. Somit wird es für CISOs umso wichtiger sein, eine Entscheidung bezüglich ihrer Security-Strategie zu treffen: Prävention oder Versicherung?“

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