Nvidia und Nokia schmieden eine Allianz für KI-basierte Mobilfunknetze der nächsten Generation: Der Deal soll die Entwicklung von AI-RAN beschleunigen und den Weg zu 6G ebnen. T-Mobile US testet die Technik ab 2026 im Feld.
Nvidia steigt mit 1 Milliarde bei Nokia ein, um KI in Mobilfunknetze zu bringen.
(Bild: Logos: Nvidia/Nokia, Hintergrund: Google Gemini, Montage: mc/VGC)
Nvidia setzt ein deutliches Signal im Mobilfunkmarkt. Der Konzern steigt mit einer Milliarde Dollar bei Nokia ein und sichert sich knapp drei Prozent der Anteile. Beide Unternehmen bauen damit eine Partnerschaft auf, die die Entwicklung von AI-RAN-Systemen vorantreibt. Diese Systeme führen Funkzugangstechnik und KI-Inferenz auf gemeinsamer Hardware zusammen. Ziel ist eine Netzinfrastruktur, die sich schneller an wechselnde Lasten anpasst und KI-gestützte Anwendungen direkt am Funkstandort ermöglicht.
Der Einstieg fällt in eine Phase, in der die Branche nach tragfähigen Ansätzen für 5G-Advanced und die spätere 6G-Ära sucht. Analysten sehen in AI-RAN ein wachsendes Marktsegment. Laut Omdia könnte es bis 2030 kumuliert mehr als 200 Milliarden Dollar erreichen. Nvidia und Nokia positionieren sich damit in einem Feld, das künftig über die strategische Rolle von Netzbetreibern und Ausrüstern entscheiden kann.
Gemeinsame Plattform für RAN und Edge-AI
Nvidia führt mit dem Aerial RAN Computer Pro (ARC-Pro) eine Hardwareplattform ein, die Funkverarbeitung, Rechenleistung und Sensorschnittstellen verbindet. Sie setzt auf die Blackwell-GPU-Generation und soll per Software von 5G-Advanced auf 6G erweiterbar sein. Nokia plant, seine RAN-Software auf die Nvidia-CUDA-Umgebung zu portieren. Der Ansatz ist Teil der anyRAN-Strategie des Konzerns: Betreiber sollen sowohl klassische als auch Cloud-basierte RAN-Architekturen nutzen können, ohne die Hardware vollständig zu tauschen.
AirScale-Basisstationen lassen sich laut Nokia modular erweitern. Neue AI-RAN-Karten sollen ältere Module ergänzen und damit bestehende Standorte aufwerten. Dell liefert dafür Poweredge-Server als Hostplattform. Sie sollen Upgrade-Pfade über Software- und Siliziumwechsel ermöglichen, ohne jedes Mal die gesamte Struktur umzubauen.
T-Mobile steigt früh in die Tests ein
Als erster großer Betreiber kündigt T-Mobile US Feldversuche ab 2026 an. Die Tests sollen zeigen, wie sich AI-RAN im realen Netz verhält, welche Leistungsgewinne erreichbar sind und wie sich parallele KI-Dienste am Edge integrieren lassen. Damit bekommt die Kooperation einen frühen Praxiseinblick in Lastprofile, Energiebedarf und Latenz.
Nvidia betont die industriepolitische Dimension der Partnerschaft: Nvidia-Chef Jensen Huang erwartet, dass KI-basierte RAN-Lösungen die Grundlage für neue Dienste bilden. Nokia-Chef Justin Hotard sieht einen grundlegenden Wandel: „Der nächste Sprung in der Telekommunikation führt nicht einfach von 5G zu 6G, sondern bedeutet eine grundlegende Neugestaltung des Netzwerks, um KI-gestützte Konnektivität bereitzustellen.“ Beide Unternehmen sprechen von einer Netzinfrastruktur, die KI-Modelle dort ausführt, wo Daten entstehen.
Gleichzeitig wächst die Debatte über Energie und Kosten. GPUs liefern hohe Rechenleistung, treiben aber den Strombedarf nach oben. Betreiber prüfen deshalb genau, an welchen Standorten AI-RAN wirtschaftlich arbeitet und wo spezialisierte Hardware effizienter bleibt. Auch die starke Bindung an Nvidias Ökosystem wird in der Branche aufmerksam beobachtet.
Geopolitischer Unterton
Durch die Investition rückt Nokia stärker in das US-orientierte KI-Netzökosystem. Nvidia verweist auf frühere Projekte mit SoftBank, ODC und weiteren Partnern, die AI-RAN bereits getestet haben. Der Ausbau soll nun von einzelnen Piloten in Richtung breit nutzbarer Plattform gehen. Für die USA geht es auch darum, wieder stärker in der Telekommunikationsinfrastruktur mitzuspielen, während China mit Huawei und ZTE weiterhin eine dominierende Rolle einnimmt.
Für die Geräte- und Halbleiterbranche eröffnen sich neue Entwicklungsfelder. RAN-Funktionen wandern zunehmend auf standardisierte Beschleuniger und Containerplattformen. Das verändert die Anforderungen an Stromversorgung, thermisches Design und Embedded-Software auf Betreiber- und Ausrüsterseite. Auch industrielle Anwendungen, etwa autonomeRobotik oder lokale KI-Systeme, könnten durch Edge-Inferenz am Funkstandort profitieren.
Ob AI-RAN den Alltag der Betreiber spürbar verbessert, hängt von den frühen Feldtests und den langfristigen Betriebskosten ab. Für die Branche beginnt nun eine Phase intensiver Evaluierung mit Blick auf 6G, aber auch auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit der neuen Architektur.
Stand: 08.12.2025
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Dieser Artikel erschien zunächst auf unserem Partnerportal Elektronikpraxis.