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Wie die Digitalisierung unsere Berufe beeinflusst

| Autor: Sarah Böttcher

Berufe und Anforderungsprofile wandeln sich durch die Digitalisierung von Grund auf. Bitkom hat nun in einer Studie untersucht, welche konkreten Auswirkungen auf uns zu kommen werden.
Berufe und Anforderungsprofile wandeln sich durch die Digitalisierung von Grund auf. Bitkom hat nun in einer Studie untersucht, welche konkreten Auswirkungen auf uns zu kommen werden. (Bild: © fotogestoeber - Fotolia)

Bereits in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Aufgaben in den Unternehmen durch die Digitalisierung verändert und somit auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Bitkom hat nun untersucht, welche Veränderungen im Arbeitsmarkt stattfinden und festgestellt, dass vor allem für digital qualifizierte Arbeitnehmer gute Jobchancen entstehen werden.

Noch vor einiger Zeit stand man der Digitalisierung misstrauisch gegenüber, vor allem dann, wenn es um den Arbeitsmarkt ging. Die Mehrheit der Menschen war der Meinung, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze reduzieren, anstatt sie schaffen würde. Eine Studie des Bitkom hat nun ergeben, dass das Gegenteil der Fall sein soll, so rechnet zum Beispiel jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) damit, dass es in den kommenden zehn Jahren mehr Arbeitsplätze für gut ausgebildete Beschäftigte geben wird, gerade einmal fünf Prozent erwarten einen Rückgang. Und auch für andere Tätigkeiten fällt das Urteil durchweg positiv aus. Im Management rechnen 37 Prozent mit mehr Jobs, zwölf Prozent mit weniger. Im mittleren Management ergibt sich mit 36 beziehungsweise 17 Prozent ein ähnliches Bild. „Die Digitalisierung führt zu einem historischen Wandel in der Arbeitswelt“, kommentiert Bitkom-Präsident Thorsten Dirks die Studienergebnisse.

Digitale Kompetenz ist notwendig

Die Anzahl der Beschäftigten mit geringen Qualifikationen sowie unterstützenden Tätigkeiten wird dagegen sinken, davon gehen zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) aus. Mit einem Stellenplus rechnet in diesen Bereichen niemand. Dirks dazu: „Die Ergebnisse zeigen, welche entscheidende Bedeutung digitale Kompetenzen und die Aus- und Weiterbildung in Zukunft haben werden.“

So gehen neun von zehn Unternehmen (87 Prozent) davon aus, dass die digitale Kompetenz der Beschäftigten genauso wichtig wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. vier Prozent erwarten sogar, dass die digitale Kompetenz zur wichtigsten Fähigkeit von Arbeitnehmern wird. Bereits in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Aufgaben in den Unternehmen durch die Digitalisierung verändert. So berichtet jedes zehnte Unternehmen (zehn Prozent) davon, dass bestimmte Berufsprofile wie beispielsweise Schriftsetzer oder Lagerist komplett verschwunden sind, in jedem fünften Unternehmen (21 Prozent) sind aber neue Profile entstanden, etwa Software-Entwickler, Datamining-Spezialist oder Roboter-Koordinator. „Durch die Digitalisierung fallen überwiegend einfache Aufgaben weg, dafür entstehen aber Stellen mit komplexeren Anforderungen und mehr Verantwortung“, erläutert Dirks. „Das heißt auch: Ohne eine digitale Kompetenz kommt man im Berufsleben künftig nicht mehr aus.“

Fehlende Investitionen in wichtige Weiterbildung

Entsprechend große Bedeutung messen die Unternehmen der Weiterbildung rund um Digital-Themen zu. 97 Prozent halten diese für qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen für wichtig, jeweils rund drei Viertel für Führungskräfte (77 Prozent) und gering Qualifizierte (71 Prozent). Das Problem ist hier, dass laut den Ergebnisse der Studie, nur sehr wenige Unternehmen in die Weiterbildung investieren: Sechs von zehn Unternehmen (62 Prozent) geben an, dass die digitale Kompetenz der eigenen Mitarbeiter nicht weitergebildet wird. Dabei sind kleinere Unternehmen bis 50 Mitarbeiter mit 67 Prozent nochmals deutlich zurückhaltender als größere Unternehmen mit 51 Prozent.

Nicht einmal jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) hat eine zentrale Strategie, wie die Mitarbeiter digitale Kompetenzen erlangen sollen, nur 27 Prozent haben dafür ein festes Budget eingeplant. Und jedes dritte Unternehmen (33 Prozent) gibt an, dass eine solche Weiterbildung für Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind, nicht sinnvoll sei. „Die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital in der digitalen Wirtschaft“, sagte Dirks. „Wer sein Unternehmen verändern und neue Geschäftsmodelle erschließen will, der braucht die besten Köpfe in seinem Team. Und der muss dafür sorgen, dass seine Leute immer auf dem aktuellen Stand der digitalen Entwicklung bleiben.“

Gründe für die Zurückhaltung

In der Umfrage wurde auch nach den Gründen für die Zurückhaltung bei der Weiterbildung gefragt: Jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) gibt an, die eigenen Mitarbeiter nicht intensiver rund um digitale Kompetenzen weiterzubilden, weil die Weiterbildungsangebote zu teuer sind. Ähnlich viele (31 Prozent) beklagen, dass sie die Qualität der Weiterbildungsangebote nicht beurteilen können. Jedem vierten Unternehmen (25 Prozent) fehlt ein Überblick über die Möglichkeiten von Weiterbildungen. Fast ebenso viele (24 Prozent) sagen, dass die vorhandenen Angebote nicht das abdecken, was in ihrem Unternehmen benötigt wird oder dass sie auf die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter nicht verzichten können, während diese sich fortbilden (23 Prozent). Und jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) nennt die Entfernung zu Weiterbildungsangeboten als Grund. „Ganz klar müssen wir mehr in die Köpfe investieren, wenn wir die digitale Transformation in Deutschland erfolgreich gestalten wollen“, so Dirks. „Innovationen entstehen durch die Mitarbeiter in den Unternehmen – und Innovationen sind es, die den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands ausmachen.“

Weiterbildung durch mehrere Instanzen

Angesichts dieser historischen Veränderungen in der Berufswelt sind nach Ansicht des Bitkom sowohl jeder einzelne Mitarbeiter, die Unternehmen als auch die Politik gleichermaßen gefordert. Jeder Einzelne sollte Weiterbildungen aktiv einfordern und Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen, so das Marktforschungsunternehmen. Die Unternehmen müssen eine zentrale Weiterbildungsstrategie rund um die digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter erarbeiten und dafür auch entsprechende Mittel bereitstellen. „Führungskräfte müssen dafür sensibilisiert werden, dass Weiterbildung zum Pflichtprogramm jedes einzelnen Mitarbeiters gehört“, verlangt Dirks. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen benötigen zusätzlich die Unterstützung der Politik, etwa durch Beratungen rund um die Qualität und Inhalte von Weiterbildungen oder auch durch die konkrete Förderung von Maßnahmen. Der Bitkom sieht die Politik auch dazu aufgerufen, die Grundlagen für Weiterbildungen durch eine fundierte Schulbildung zu legen. Diese müsste die Themen der digitalen Welt stärker als bislang berücksichtigen und den Erwerb von digitalen Kompetenzen verpflichtend im Lehrplan verankern. „Es geht nicht allein um die Anwendung von Programmen, es geht darum zu verstehen, was ein Programm ist und wie es funktioniert. Dieses Wissen wird genauso wichtig sein wie Lesen, Schreiben und Rechnen, um sich in unserer Welt auch künftig nicht nur gut zurechtzufinden, sondern um sie aktiv mitzugestalten“, findet Dirks.

Zur Studie

Grundlage der Studie ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 504 Geschäftsführer und Personalverantwortliche von Unternehmen aller Branchen ab zehn Mitarbeitern in Deutschland befragt.

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