Direkter Draht zur lokalen Presse Wetzlardruck stellt Netzwerk auf Voice over IP um
Eine Tageszeitung kann ihrer Informationspflicht gegenüber den Lesern nur dann gerecht werden, wenn Lokalredaktionen und Geschäftsstellen jederzeit telefonisch gut erreichbar sind. Die hessische Wetzlardruck GmbH gewährleistet dies mit einer neuen Infrastruktur auf IP-Basis.
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Egal ob in Marburg, Biedenkopf oder Limburg – bei vielen Familien in Mittelhessen liegt die Wetzlarer Neue Zeitung (WNZ) oder eine ihrer acht Lokalausgaben schon am Morgen auf dem Frühstückstisch. Mehr als 200.000 Leser informieren sich bei einer der größten Tageszeitungen Mittelhessens tagtäglich über das aktuelle Geschehen in der Welt, im Bundesland oder in der Region.
Ausfälle der Kommunikationsinfrastruktur kann man sich deshalb bei dem Herausgeber, der Wetzlardruck GmbH, nicht leisten – zumal das Telefon sowohl für die Redakteure als auch für die Anzeigendisponenten immer noch das bevorzugte Arbeitsmittel ist. Auch die Werbekunden und Leser greifen immer noch eher zum Telefonhörer als zur Computertastatur, wenn sie etwas auf dem Herzen haben oder beispielsweise eine Anzeige aufgeben wollen.
Verbindungen verbessern
Vor diesem Hintergrund entstand bereits im Jahr 2005 die Idee, bei dem Medienunternehmen ein eigenes Service Center (Service Pool) aufzubauen. Ziel war es dabei vor allem, die Erreichbarkeit für die Kunden und Leser weiter zu erhöhen. Mit der bisherigen Telefonanlage wäre dies nur mit erheblichem Aufwand möglich gewesen. Deshalb entschied man sich für Voice over IP und eine Migration auf die Hipath-4000-Plattform von Siemens Enterprise Communications. Das gleichnamige Systemhaus stellte die komplette Lösung zur Verfügung und führte überdies an etlichen der rund 340 Nebenstellen IP-Phones als Endgeräte ein. Darüber hinaus wurde auf die vorhandene IP-Infrastruktur ein neuartiges Redundanzverfahren aufgesetzt, bei dem die Kommunikationssysteme in den Geschäftsstellen unter Verwendung eines neuen Sicherheitsfeatures an die zentrale Plattform angeschaltet werden. Damit funktionieren die Telefone in allen Filialen auch dann, wenn das Weitverkehrsnetz einmal ausfallen sollte.
Über ein ACD-System (Automatic Call Distribution) mit der Call-Center-Software Hipath Pro Center Agile werden die ankommenden Gespräche gleichmäßig auf die dafür vorgesehenen Mitarbeiter so verteilt, dass ein Anrufer nur noch selten auf ein Besetztzeichen stößt oder gar Telefonate verloren gehen. »Wir wollten aber auch unsere Außenstellen in dieses Call-Center einbinden, um die Erreichbarkeit noch weiter zu verbessern«, erläutert Karsten Krätsch, Leiter Materialwirtschaft bei der Wetzlardruck GmbH, den Anstoß für ein weiteres Projekt.
Vor Ort erreichbar
Dort waren bisher Telefonanlagen unterschiedlicher Hersteller im Einsatz, die über das öffentliche Netz der Deutschen Telekom miteinander kommunizierten. Parallel dazu gab es Standleitungen mit 128 Kilobit pro Sekunde zur Anbindung der Dependancen an das zentrale Redaktions- und Anzeigenverwaltungssystem. Da dieses schmalbandige Netz den gestiegenen Anforderungen immer weniger entsprach und ein Ausbau unter finanziellen Gesichtspunkten nicht sinnvoll erschien, entschloss sich Wetzlardruck zur Verbindung der einzelnen Standorte über das Providernetz des Braunschweiger Carriers Business Communication Company (BCC).
Das von BCC gestellte Virtual Private Network (VPN) basiert auf dem MPLS-Standard (Multiprotocol Label Switching), ist VoIP-fähig und ermöglicht die gemeinsame Übertragung von Sprache und Daten über eine einzige Infrastruktur. So konnten auch die vorhandenen Telefonanlagen an den meisten Außenstandorten durch Hipath-2000-Systeme abgelöst und über das VPN sicher mit der zentralen Kommunikationsplattform in Wetzlar verbunden werden. Der Hauptgrund für die Installation der Hipath-2000-Systeme lag dabei in dem Wunsch der Lokalredaktionen, weiterhin unter ihren örtlichen Rufnummern erreichbar zu sein. Gleichzeitig sollten die Mitarbeiter dort aber auch an das ACD-System der Zentrale angebunden sein, um bei einem hohen Anrufaufkommen im Call-Center von dort Gespräche übernehmen zu können.
Zuverlässige Kommunikation
Da das Thema Hochverfügbarkeit und Sicherheit für das Medienunternehmen höchste Priorität hat, schlugen die Experten von Siemens die Lösung »Small Remote Site-Redundancy« (SRS-R) vor. Diese Neuentwicklung setzt auf einer Hipath-Infrastruktur auf, bei der die Kommunikationssysteme in den einzelnen Geschäftsstellen an die zentrale Plattform angeschaltet werden.
Diese Funktionsgarantie bietet die Möglichkeit, so genannte IP-Workpoints in einer Filiale auch bei Ausfall des WAN- oder Host-Systems weiter zu betreiben. Das Notfallkonzept sichert die ständige Erreichbarkeit und Verbindung zum öffentlichen Telefonnetz.
Vor allem aber wirkt sich die Ausweitung des Service-Pools auf die Mitarbeiter in den Filialen spürbar auf die Kommunikation des Medienunternehmens mit seinen Lesern und Kunden aus. Denn nun können diese bei Bedarf standortunabhängig in die Beantwortung von Kunden- und Leseranfragen einbezogen werden.
»Im Tagesgeschäft eines Zeitungsverlages ist der schnelle und zuverlässige Sprach- und Datenverkehr entscheidend. Gerade vor Redaktionsschluss entsteht oft enormer Zeitdruck. Da muss die Technik einwandfrei funktionieren«, nennt Karsten Krätsch sein Hauptanliegen – und das wurde mit der Kommunikationslösung auf jeden Fall sichergestellt.
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