Microsofts Cloud-Office Wertschöpfung in der Office-365-Ära

Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Trendforscher Martin Marx wirft einen Blick auf sich ändernde Wertschöpfungsketten am Beispiel von Office 365. Die Cleveren im Channel haben demnach längst Cloud-Taskforces etabliert.

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Office 365 verändert die Wertschöpfung im Microsoft-Channel.
Office 365 verändert die Wertschöpfung im Microsoft-Channel.
(Bild: Robert Kneschke-Fotolia.com)

ITB: Office365 geht nicht nur vom Bereitstellungsmodell her neue Wege, sondern damit einhergehend auch bei der Vergütung der Reseller. Wie stark ändert sich durch die Cloud die Wertschöpfung im Handel? Und geht die Rechnung auf?

Marx: Die Rechnung geht auf, aber es fragt sich, für wen. Fakt ist, dass mit reiner Advisor Fee kein Geschäft mehr gemacht werden kann. Da mag es sicherlich hier und da Ausnahmen geben, aber der Schritt weg von einer Dauerlizenz zu einem Abo ändert die Wertschöpfung deutlich, für Microsoft und vor allem für die Partner. Ich habe mit vielen gesprochen, und die meisten fühlen sich schon vor den Kopf gestoßen, wenngleich sie wissen, eigentlich schon lange wissen, dass die zunehmende Digitalisierung ihr Business-Modell hinterfragt. Ziel ist ja, Wert zu schaffen und zu schöpfen. Doch wo genau jetzt dann schöpfen? Incentives und die aufgesetzten Partner-Programme seitens Microsoft sind zwar da, bewegen aber auch nur die Partner wirklich, die sich schon lange mit der Transformation und ihren Auswirkungen beschäftigen. Denn um Wertschöpfungspotenziale zu erkennen, muss die Perspektive von verschiedenen Seiten kommen. Und da tun sich viele schwer.

ITB: Soll das heißen, mit dem Wandel vom Händler zum Berater sind größere Margen erzielbar?

Martin Marx, Geschäftsführer bei Elbgefährten - Gesellschaft für Trendadaption und Consulting
Martin Marx, Geschäftsführer bei Elbgefährten - Gesellschaft für Trendadaption und Consulting
(Bild: Elbgefährten)

Marx: Ich glaube fest, dass ganz andere Margen drin sein können, zumal die Beratung groß ist und bleibt. Weil ein Kunde nur in die Cloud gehen kann, wenn er die Hausaufgaben – am besten zusammen mit dem Partner – gemacht hat. Klar, die meisten Microsoft-Partner drehen sich erst, wenn sich auch der Markt maßgeblich dreht. Doch die Cleveren haben schon Cloud-Taskforces etabliert, weil sie wissen, dass es sich lohnt. Denn eines Tages nutzen Kunden Power-BI beispielsweise so wie die Bild-Einfügen-Funktion. Microsoft bietet zwar schon vieles an, kann aber noch in Sachen Kommunikation und Partner-Readyness optimieren. Wir müssen nur schlau damit umgehen. Ich spreche in diesem Zusammenhang daher auch gern von der so genannten Funktionenverschiebung und glaube, dass sich der kontinuierliche und verantwortungsvolle Blick auf die eigenen Wertschöpfungsketten und die der Kunden als Trend durchsetzen muss. Wettbewerbsorientiert eben.

ITB: Wird es in 15 Jahren aus Ihrer Sicht noch OnPremise-Office geben oder nur Office365?

Marx: Ich glaube nicht daran, dass es dann noch ein reines On-Premise-Office geben wird. Zwar kommt ja jetzt das Office 2016 auch für Mac, aber mit Office 365 und seiner Positionierung ist Microsoft ja sehr konsequent. Es wurde im Lauf der Zeit zwar an den Plänen und ihrer Zusammenstellung der Dienste sowie deren Preise immer mal wieder geschraubt, aber der Fokus ist deutlich: Keine Versionierung mehr, kein Standard mehr, alle Plattformen. Daher bin ich überzeugt, dass Office 365 eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Komponente sein wird, die als „evergreen product“ auf den Markt gebracht wird. Der Name Office 365 verspricht dies ja regelrecht. Leider ist es bisher nicht geschafft worden, Office 365 und seinen „variablen“ Cloud-Anteil verständlich genug über Partner an die Kunden zu bringen. Der Deutsche ist halt schreckhaft, wenn es um Daten und Cloud geht. Und dies macht sich an den Umsätzen deutlich bemerkbar.

ITB: Sie sind Berater für Trendadaption. Welche Applikationen werden das Arbeiten im Büro und im Außendienst besonders stark beeinflussen?

Marx: Das hängt von vielen Faktoren ab, vor allem von der Wahrnehmung. Und die kann niemand vorhersagen. Das ist die Herausforderung, der sich alle Anbieter stellen müssen. Denn wenn es gute Applikationen sind, beeinflussen sie definitiv das Arbeiten sogar ganzer Branchen und erzeugen ein Win-Win. Aber wie viele gute kennen wir so spontan? Gut sind unter anderem die, die uns kreativer machen. Doch leider haben viele Mitarbeiter in Unternehmen nicht so den Wunsch, kreativ zu sein. Daher verwundert mich die Nachricht nicht, dass 18 Millionen Arbeitsplätze allein in Deutschland in Gefahr sind, weil es „bessere Applikationen“ geben wird, die am besten noch von Algorithmen gesteuert werden. Daher werden uns Applikationen künftig sogar mehr beeinflussen als heute. Doch sie müssen uns verstehen, nicht umgekehrt. Viele Applikationen sind einfach immer noch zu umständlich und werden nach dem Gedanken „Mehr ist mehr“ angeboten. Beispielsweise ist Yammer ein aussichtsreiches Produkt, wird aber dennoch zu wenig genutzt. Also integriert Microsoft in Office 365 so genannte Groups, die Yammer-Funktionen mit Outlook und OneDrive kombinieren. Die Frage nach dem Wie und dem Was wurde also gleichermaßen beantwortet. Mal schauen, ob das ankommt.

ITB: Können Sie das anhand von Office 365 mit konkreten Beispielen in die Praxis übertragen?

Marx: Kunden sagen mir, dass Office 365 ein Augenöffner für sie war. Darüber kann man jetzt schmunzeln oder nicht, aber was meinen sie damit genau? Office ist Teil der alten Welt, in der wir zum Computer und / oder ins Internet gingen. Wir haben etwas geschrieben, ausgedruckt und vielleicht gescannt. Im Zuge der Digitalisierung reden wir jetzt von dem neuen Arbeiten. Und neu ist, dass die Prozesse anders laufen. Im Kopf, in der Hand (Stift, Touch), im Projekt, in der Organisation. In der Produktion, im Vertrieb, im Management. Natürlich müssen Unternehmen einiges, vieles oder alles rausschmeißen, Makros umprogrammieren, User vergraulen. Aber wenn sie erst einmal „angekommen“ sind, kann Kontinuität folgen. Ein unschätzbarer Wert für Unternehmen. Doch dann müssen eben auch die Applikationen da sein. Die Sway App beispielsweise, mit der innerhalb der Office-Suite das Erstellen von Inhalten zu Präsentationszwecken im Web konkreter wird. Endlich antwortet Microsoft auf dieses Problem, was andere schon längst erkannt und mit super Angeboten im Markt haben. Ich verweise hier allein nur auf die Blogger-Szene und ihre Tools.

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