Interview mit den Bechtle-Managern Guschlbauer und König

„Wer mit Bechtle in die Cloud geht, verliert nicht die Bodenhaftung“

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ITB: Wie beurteilen Sie die langfristigen Aussichten für das Systemhaus­geschäft im Allgemeinen und für ­Bechtle im Besonderen?

Guschlbauer: Das Geschäft wird sich weiter verändern. Wir durchlaufen gerade einen Paradigmenwechsel. In solchen Zeiten investieren Unternehmen üblicherweise viel Geld in ihre IT. Daher erwarte ich eine positive Entwicklung für das Systemhausgeschäft im Allgemeinen. Wir als Bechtle sind dabei in der Lage, weiterhin schneller als der Markt zu wachsen. Unsere „Vision 2020“ lautet, dass wir in acht Jahren einen Umsatz von fünf Milliarden Euro erreichen wollen. Das sollte kein Problem sein. Langfristig wird das Infrastrukturgeschäft weiter im Mittelpunkt bleiben. Aber das Rollenverständis als Systemhaus wird sich wandeln.

ITB: Inwiefern machen sich die Veränderungen konkret bei Ihren Kunden bemerkbar und wie stellt sich Bechtle mit dem Dienstleistungsportfolio ­darauf ein?

Guschlbauer: Seit etwas mehr als einem Jahr beobachten wir, dass Unternehmen sich ernsthaft mit den Möglichkeiten der Cloud auseinandersetzen. Dabei herrscht viel Unsicherheit: „Eigentlich sollte ich, aber womit kann ich starten?“, fragen uns IT-Verantwortliche. Bei allem was sie tun, stellen Kunden fest, dass es, wenn sie an einer Stelle etwas ändern, Nebeneffekte in anderen Bereichen hat. Wenn sie virtuelle Desktops bereitstellen, müssen sie zugleich das Storage-System ausbauen. Oder wenn sie Services aus der Public Cloud beziehen, ist das Netzwerk anzupassen. Projekte müssen heute ganzheitlicher kon­zipiert werden. Deshalb haben wir 15 Business-Architekten ausgebildet, die die Transformation bei den Kunden gestalten. Sie nehmen die Anfor­derungen der Unternehmen auf, erstellen gemeinsam mit ihnen einen Bebauungsplan, wie ihre IT in vier, fünf Jahren aussehen kann, und planen die ersten Schritte.

König: Darüber hinaus beraten wir unsere Kunden bei ihrer Sourcing-Strategie: Welche IT-Services betreiben sie selbst, welche geben sie einem MSP und welche beziehen sie möglicherweise aus einer ­Public Cloud? Nach unserer Einschätzung wird es zwischen Managed Services und der ­Public Cloud künftig verschiedene Zwischenformen geben. Eines uns ist dabei wichtig: Wer mit Bechtle in die Cloud geht, verliert nicht die Bodenhaftung. Viele Kunden werden Cloud Computing dazu nutzen, Lastspitzen abzufangen oder ihre Daten zu sichern, ohne gleich sämtliche Applikationen in die Cloud zu verlagern.

ITB: Sie sprechen von einem neuen Rollenverständnis der Systemhäuser. Wie sieht das aus?

Guschlbauer: In gewissem Sinn kommen wir wieder zu dem zurück, was der Begriff Systemhaus ursprünglich bedeutet hat. Dabei geht es um die Integrationsleistung: Ein Kunde will beispielsweise Salesforce nutzen und bestimmte Workloads zu Amazon verlagern, er hat noch eine eigene IT-Abteilung und außerdem einen Sourcing-Partner. All das muss zusammengeführt werden. Ähnlich war die Situation, als zum Ende der Mainframe-Ära ein unüberschaubares Angebot an PCs, Servern und anderen Produkten entstand. Damals kamen die ersten Systemhäuser auf, die für ihre Kunden das Beste aus der ­Masse heraussuchten und zu einer Lösung zusammenfügten. Das Gleiche tun wir jetzt im Cloud-Zeitalter, nur auf einer anderen Ebene.

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