Das Zeitalter der Multicloud Welche Cloud macht das Rennen im deutschen Mittelstand?

Autor: Sarah Böttcher

Die Coronakrise hat die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen auf die Probe gestellt. Bei einigen wirkt sie als Turbo für den geschäftlichen Erfolg, bei anderen als Brandbeschleuniger auf dem Weg in die drohende Insolvenz. Die passende Cloud-Strategie wird mehr denn je zum existenziellen Faktor.

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Das Rennen in die Cloud hat begonnen.
Das Rennen in die Cloud hat begonnen.
(Bild: areebarbar - stock.adobe.com)

Flexible und moderne Arbeitsweisen, die Erhaltung der Geschäftsfähigkeit und Kosteneinsparungen haben bedingt durch die Covid-19-Pandemie für Unternehmen an Bedeutung gewonnen. Eine flexible IT-Infrastruktur ist laut Frank Schmeiler, IT-Analyst bei Techconsult, entscheidend für die Geschäfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen: „Mit traditioneller IT und monolithischen Architekturen ist dieses Rennen nicht zu gewinnen. Das Zeitalter der Hybrid- und Multicloud hat längst begonnen.“

In einer aktuellen Studie hat Techconsult die Cloud-Infrastrukturen im deutschen Mittelstand genauer unter die Lupe genommen. 67 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen in modernen IT-Infrastrukturen die notwendige Basis für ihre Wettbewerbsfähigkeit. So beschäftigt sich bereits, mit einem Anteil von 63 Prozent, die Mehrheit mit hyperkonvergenten und damit virtualisierten IT-Infrastrukturen (HCI). Eine HCI-Lösung ist entweder bereits Teil der IT-Infrastruktur, ist innerhalb der nächsten zwölf Monate geplant oder wird als Alternative in Erwägung gezogen. Auch wenn die generelle Einstellung gegenüber der Einführung hyperkonvergenter Infrastrukturen positiv ist, bleibt der aktuelle Verbreitungsgrad mit einem Einsatzgrad von zehn Prozent relativ gering.

Hilferufe

Doch was sind die Gründe für diesen geringen Verbreitungsgrad? 31 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen haben Sicherheitsbedenken, 29 Prozent geben fehlendes Knowhow im Unternehmen und 23 Prozent die Komplexität der Implementierung sowie zu hohe Betriebskosten als Grund gegen eine HCI-Lösung an.

Ähnliche Fallstricke spielen auch bei der Migration in die Cloud eine Rolle. Den Studienergebnissen zufolge sehen sich viele der befragten Unternehmen bei der Transformation in die Cloud noch nicht gut genug aufgestellt. Mehr als ein Drittel klagt über mangelnde Ressourcen und Knowhow (31 %) und kann der Studie zufolge ohne externe Hilfe das Management hybrider IT-Infrastrukturen nicht bewältigen.

Darüber hinaus gibt knapp ein Drittel der Befragten (32 %) Datensicherheit und Datenschutz als eine weitere Herausforderung bei der Umsetzung der eigenen Cloud-Strategie an. Zudem habe sich bei der Umsetzung vielfach Ernüchterung und Enttäuschung breitgemacht. Vor allem die Provider-Abhängigkeit (43 %) steht dabei in der Kritik.

Unternehmen befinden sich hier in einer Zwickmühle: Denn die Diskrepanz zwischen der Notwendigkeit, das Geschäftsmodell in die Cloud zu migrieren, und mangelnden Ressourcen beziehungsweise fehlendem Knowhow wird von Tag zu Tag größer. Der Bedarf an Information, Aufklärung und Hilfestellung ist laut Andreas Weiss, Direktor EuroCloud Deutschland, vor allem im Mittelstand groß.

Welche Cloud macht das Rennen?

Der Einsatz einer geeigneten Cloud-Architektur erfordert eine klare Strategie und hängt nicht zuletzt von der vorhandenen IT-Infrastruktur ab. Dabei werden je nach Anforderung unterschiedliche Cloud-Strategien verfolgt. So präferiert derzeit fast die Hälfte der befragten Unternehmen (46 %) eine reine Private-Cloud-Lösung. Knapp jedes fünfte Unternehmen (18 %) nutzt ausschließlich Public Cloud Services, während 36 Prozent auf eine Hybrid- oder Multicloud-Infrastruktur bauen.

Dabei lassen sich je nach Unternehmensgröße unterschiedliche Einsatzgrade erkennen. Mit einem Einsatzgrad von 55 Prozent setzen mittelständische Unternehmen mit 500 bis 999 Mitarbeiter aktuell am häufigsten auf die Private Cloud, während in Großunternehmen das hybride Modell mit 43 Prozent mit dem Private-Cloud-Anteil gleichgezogen hat. Reine Public-Cloud-Angebote werden dagegen überdurchschnittlich häufig von kleineren Unternehmen mit 50 bis 99 Mitarbeitern genutzt.

Den Studienergebnissen zufolge geht der Trend klar in Richtung Hybrid- und Multicloud-Strukturen. Während die reine Private-Cloud-Nutzung auf 39 Prozent sinkt, wollen 40 Prozent die Flexibilität und Agilität ihrer IT-Infrastruktur durch den Einsatz gemischter Cloud-Modelle erhöhen. Im Unternehmensvergleich sind es die kleineren mittelständischen Unternehmen (100 bis 499 Mitarbeiter) sowie jedes zweite Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, die dieses Modell zukünftig präferieren. In diesem Segment steigt auch der Anteil reiner Public-Cloud-Nutzungen auf 17 Prozent. Diese gewinnt vor allem bei den kleinen Unternehmen an Bedeutung, wo sie auf einen Einsatzgrad von knapp 30 Prozent ansteigen wird, so die Studienergebnisse.

Über die Studie

Die Studie „Gut gerüstet? Hybride Cloud-Infrastrukturen im deutschen Mittelstand“ wurde von Techconsult im Auftrag von Gridscale konzipiert und durchgeführt. Im November 2020 wurden hierzu 150 Anwenderunternehmen aus verschiedensten Branchen ab 50 Mitarbeitern zu der Entwicklung und dem Einsatz hybrider IT-Infrastrukturen befragt.
Die Studie ist in Partnerschaft mit dem Branchenverband EuroCloud Deutschland entstanden und auf der Gridscale-Website frei erhältlich.

Hier geht es zur Studie!

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Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin bei IT-BUSINESS, Vogel IT-Medien