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Definition Was ist Adobe FreeHand?

Autor / Redakteur: Laimingas / Dr. Andreas Bergler

Adobe FreeHand – früher Macromedia FreeHand – war ein vektorbasiertes Grafikprogramm, das im professionellen Bereich lange als wichtigster Konkurrent für Illustrator auftrat. Nach der Übernahme durch Adobe wurde es schrittweise vom Markt genommen.

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(Bild: © adiruch na chiangmai - Fotolia.com)

FreeHand hatte eine wechselhafte Geschichte. Entwickelt wurde das Programm im Jahr 1988 von der Firma Altsys, die die Lizenzierung und den Vertrieb wiederum der Aldus Corporation überließ. Hier erschienen bis 1994 die Versionen FH1 bis FH4. Nach der Fusion von Aldus und Adobe gingen sämtliche Rechte an der Software zurück an den Urheber Altsys.

Kurze Zeit später erfolgte der Verkauf an das Unternehmen Macromedia, das die Software weiterentwickelte und bis 2005 die Versionen FH5 bis FH11 (FreeHand MX) auf den Markt brachte. Macromedia war neben FreeHand unter anderem auch für die Entwicklung von Flash, Fireworks und Dreamweaver bekannt.

Zwischen 2002 und 2005 kam es zu mehreren gegenseitigen Klagen zwischen Adobe und Macromedia auf Grund von angeblichen Verletzungen diverser Softwarepatente. Diese Streitigkeiten wurden aber außergerichtlich beigelegt. Kurz danach übernahm Adobe den Konkurrenten nach einem gemeinsamen Beschluss beider Vorstände für rund 3,4 Milliarden Dollar. Ende 2005 war die Akquisition abgeschlossen, die Grafiksoftware lief nun unter dem Label Adobe FreeHand.

Es war aber bald klar, dass Adobe kein großes Interesse an einer Weiterentwicklung hatte, sondern sein hauseigenes Programm Illustrator weiter nach vorne bringen wollte. Einige Funktionen - etwa das Perspektivenwerkzeug - wurden von FreeHand übernommen und in Illustrator integriert.

Als Adobe schließlich im Frühjahr 2007 Updates für fast das gesamte Portfolio vorstellte, war FreeHand nicht mehr dabei. Die Software sollte nach Angaben des Unternehmens zwar noch unterstützt, aber nicht mehr fortgeschrieben werden. Im Gegenzug bot Adobe registrierten FreeHand-Nutzern günstige Preise für ein Upgrade auf Illustrator CS3 an, um ihnen den Umstieg schmackhaft zu machen. Zudem war es bis zur Version CS5.1 relativ einfach, Adobe-FreeHand-Dateien in das Illustrator-Format zu konvertieren. Nachdem auch diese Möglichkeit mit der Creative Suite 6 (CS6) entfiel, war das Ende von FreeHand praktisch besiegelt.

Rezeption von Adobe FreeHand

FreeHand war unter professionellen Grafikern, Designern, Künstlern und Reinzeichnern sehr geschätzt und wurde von dieser Zielgruppe der Alternative Adobe Illustrator häufig vorgezogen. Dementsprechend groß war die Enttäuschung, dass Adobe die Entwicklung nicht weiterverfolgte.

In 2009 riefen drei amerikanische Illustratoren die Initiative "Free FreeHand" ins Leben. Die Organisation wollte mittels Spenden aus der User-Gemeinde den Programmcode von Adobe kaufen, aber ohne Erfolg. Adobe ging auf dieses Angebot nicht ein. Auch eine 2010 eingereichte Klage gegen Adobe wegen seiner Monopolstellung und Missbrauch der Marktposition blieb erfolglos.

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