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New Work Wann agile Organisation Sinn macht – und wann nicht

| Redakteur: Katharina Juschkat

Flache Hierarchien sind nur was für Start-ups? Von wegen. Längst setzen große Automobilbauer auf agile Organisation. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer IPA kommt zum Ergebnis: Vor allem Mittelständler könnten von mehr Agilität profitieren.

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In vielen Bereichen kann agile Organisation ein Vorteil sein. Auf welche das zutrifft und wo nicht, zeigt die Studie des Fraunhofer IPA.
In vielen Bereichen kann agile Organisation ein Vorteil sein. Auf welche das zutrifft und wo nicht, zeigt die Studie des Fraunhofer IPA.
(Bild: ©saksit - stock.adobe.com)

Agiles Arbeiten liegt im Trend - nicht nur Start-ups setzen auf die neue Arbeitsmethode, auch große Unternehmen wie Audi oder BMW scheuen nicht mehr davor zurück. Aber macht agiles Arbeiten unter allen Umständen Sinn? Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung sind dieser Frage in einer Studie nachgegangen.

Definition: Was ist Agile Organisation?

Bei der agilen Organisation treffen Teams aus gleichberechtigten Mitarbeitern Entscheidungen und setzen diese eigenverantwortlich um. Agile Organisation beschreibt „die Fähigkeit von Teams und Organisationen, in einem unsicheren, sich verändernden und dynamischen Umfeld flexibel, anpassungsfähig und schnell zu agieren.“ (Hofert 2016 S. 5)

Vorteile der agilen Arbeit

Agiles Arbeiten hat laut der Studie klare Vorteile gegenüber hierarchischen Strukturen:

  • Entscheidungen werden schneller getroffen
  • Anpassung an veränderte Kundenstrukturen und -bedürfnisse gelingt schneller
  • Innovationskraft ist größer
  • Neue Produkte kommen schneller auf den Markt
  • Mitarbeiter sind zufriedener

Dennoch kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass agile Organisation nicht immer die richtige Lösung ist – es kommt ganz auf die Situation an.

Joachim Heidelbach, einer der Autoren der Studie, erklärt dazu: „Die Entscheidung für oder gegen die agile Organisation sollte von der Wettbewerbssituation am Markt und den Zielvorgaben abhängig gemacht werden.“ Ist ein Unternehmen stark von sich wandelnden Geschäftsmodellen betroffen, bietet sich die agile Organisation an: Das trifft beispielsweise auf die Automobilindustrie zu, die es immer schwerer haben wird, Autos mit Verbrennungsmotor zu verkaufen.

Warum Mittelständler agil sein sollten

Audi hat deshalb eine agil organisierte Abteilung aufgebaut, deren Aufgabe es ist, neue, digitale Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. „Es ist nicht unbedingt ratsam, jedem Unternehmensbereich agile Strukturen zu verpassen“, sagt Heidelbach, „je nach Zielsetzung eignet sich der eine oder andere Unternehmensbereich besser.“

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen, weisen kein so differenziertes Produktportfolio auf wie ein Konzern. Hier empfiehlt die Studie, dass in einzelnen Abteilungen über die Einführung einer agilen Organisation nachgedacht wird. Denn Mittelständler sind schneller davon betroffen, wenn sich die Kundenstruktur verändert und sich die Produkte nicht mehr so gut verkaufen.

Wo hierarchische Strukturen besser funktionieren

Überall, wo es auf möglichst effiziente und stabile Prozesse ankommt, bietet sich die hierarchische Organisation an: im Einkauf, in der Buchhaltung oder in der Produktion. Wo allerdings Kreativität und neue Ideen gefragt sind, ist die agile Organisation vorteilhaft: in der Forschung und Entwicklung zum Beispiel oder im Marketing.

Wie man agile Organisation umsetzt

Aber wie stellt man um auf agile Organisation? Auch mit dieser Frage haben sich die Forscher in ihrer Studie beschäftigt. Das Ergebnis: Auf die innere Einstellung, das Mindset, kommt es an.

Führungskräfte wie auch Mitarbeiter müssen für die Agilität offen sein. Für Führungskräfte bedeutet das, teilweise ihre Entscheidungsbefugnis zu verlieren. Für Mitarbeiter wiederum, dass sie selbst mehr Verantwortung übernehmen.

Die Unternehmensführung ist also gut beraten, die Mitarbeiter von Beginn an einzubinden, sie frei diskutieren und mitbestimmen zu lassen. Und natürlich muss klar kommuniziert werden, welche Ziele mit der Umstellung verfolgt werden. Wer unsicher ist, kann zunächst einzelne Unternehmensbereiche (oder Teile davon) agil aufstellen, Erfahrungen damit sammeln und erst danach ganze Abteilungen umorganisieren.

Die Umstellung braucht Zeit

Einige Monate oder sogar ein ganzes Jahr sollte man sich für diesen Prozess Zeit lassen. Es kann auch passieren, dass Mitarbeiter von der Umstellung überfordert sind: Wer in festen Strukturen denkt, keine Entscheidungskompetenz abgeben oder erhalten möchte, wird in dieser Zeit unter Umständen das Unternehmen verlassen.

Aber die Mitarbeiter, die die Umstellung mittragen, werden fester an das Unternehmen gebunden, resümiert die Studie. Sie werden ihre neuen Freiheiten genießen und zufriedener sein als vor der Umstellung. Das gute Betriebsklima macht sich auch in anderer Hinsicht bezahlt: Agil organisierte Unternehmen sind innovationsfreudiger und bringen neue Produkte schneller auf den Markt als die hierarchisch strukturierte Konkurrenz.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Konstruktionspraxis.

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