Die Story der Public Cloud Group (PCG) Vom Systemhaus zur Multi-Cloud: Oliver Schallhorns PCG-Reise

Von Mihriban Dincel und Michael Hase 7 min Lesedauer

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Die Story der PCG ist eng mit der Cloud-Transformation des Oliver Schallhorn verknüpft. 2019 verließ der IT-Profi die Systemhauswelt, um einen Multi-Cloud-Dienstleister zu gründen. Als CEO prägte er maßgeblich den Aufbau der PCG. Ein Rückblick auf seine Reise.

Oliver Schallhorn hatte eine Karriere im klassischen IT-Channel hinter sich, bevor er den Multi-Cloud-Dienstleister PCG gründete.  (Bild:  Public Cloud Group)
Oliver Schallhorn hatte eine Karriere im klassischen IT-Channel hinter sich, bevor er den Multi-Cloud-Dienstleister PCG gründete.
(Bild: Public Cloud Group)

Die Cloud hat die Art und Weise, wie IT bereitgestellt und genutzt wird, von Grund auf verändert. Unternehmen können auf Infrastrukturen zugreifen, die ihnen völlig neue Möglichkeiten in puncto Flexibilität und Skalierbarkeit bieten. Applikationen lassen sich in einem Tempo, das zuvor undenkbar war, in Betrieb nehmen und um neue Funktionen erweitern. Zugleich sind neue Dienstleister entstanden, die ihren Kunden dabei helfen, Cloud-Technologien zur Transformation ihres Geschäfts einzusetzen. Sie wenden andere Tools und Verfahren an als klassische Systemhäuser und unterscheiden sich von ihnen durch eine Kultur, die durch Agilität und flache Hierarchien geprägt ist.

Zu diesen Cloud-Native-Dienstleistern gehört die Public Cloud Group (PCG) mit Hauptsitz in Ulm. Sie tritt seit Mai 2022 unter diesem programmatischen Namen auf. Entstanden ist das Konstrukt ein Jahr zuvor, als sich der AWS-Partner Innovations On aus Ulm, dessen Entwicklungstochter Di-On.Solutions und der Google-Cloud-Spezialist Cloudwürdig aus Magstadt bei Stuttgart zusammenschlossen – damals noch ohne übergeordnetes Branding. In den zweieinhalb Jahren seit Mitte 2021 hat sich ein Unternehmen entwickelt, das mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt und das über Kompetenz für die drei US-Hyperscaler verfügt. Dabei bietet es das gesamte Spektrum an Dienstleistungen an, wie Beratung, Architekturdesign, Migration, Cloud-native Software-Entwicklung, Security und Managed Services. Auch der Betrieb von SAP in der Cloud gehört zum Portfolio.

„Unser Anspruch ist es, den Kunden über seine gesamte Cloud Journey zu begleiten“, beschreibt Oliver Schallhorn, bis zum Jahreswechsel CEO der PCG, das Wertversprechen. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz unterscheidet sich das Unternehmen von anderen Cloud-Dienstleistern, die sich häufig auf einen Hyperscaler beschränken oder als Boutiquen auf einzelne Themenfelder fokussieren. Je mehr die Kunden ihre Cloud-Strategie auf mehrere Provider ausrichten, desto eher „werden sie sich für einen Dienstleister wie uns entscheiden“, ist der Manager überzeugt, „weil wir ihnen alles aus einer Hand liefern können.“ Zur Klientel gehören aktuell etwa 1.150 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Wechsel an der Unternehmensspitze

Bemerkenswert an der PCG ist auch, dass ihr strategischer Kopf eine 25-jährige Karriere im klassischen IT-Channel hinter sich hatte, ehe er sich als Cloud-Entrepreneur neu erfand. So führte Schallhorn die Geschäfte beim Distributor Magirus (heute TD Synnex), beim Systemhaus Fritz & Macziol (heute Axians) und verantwortete bei Cancom als Executive Vice President das Systemhausgeschäft. In der für ihn neuen Welt fand er sich schnell zurecht, arbeitete sich in die Cloud-spezifischen Themen ein und erweiterte sein bereits großes Netzwerk. Nicht zuletzt bildete der Systemhausveteran einen Führungsstil aus, der mit einer Organisation kompatibel ist, in der vor allem Cloud-Berater, Cloud-Architekten, DevOps-Ingenieure und Entwickler arbeiten. In Kombination mit seiner Erfahrung und seinem Unternehmergeist setzte er als CEO wichtige Impulse und trieb die Entwicklung der PCG voran.

Zum Jahreswechel übergab Oliver Schallhorn (l.) den CEO-Posten der PCG an Thorsten Raquet. (Bild:  Public Cloud Group)
Zum Jahreswechel übergab Oliver Schallhorn (l.) den CEO-Posten der PCG an Thorsten Raquet.
(Bild: Public Cloud Group)

In diesem Monat hat Schallhorn den Chefposten an seinen Management-Kollegen Thorsten Raquet, bislang Chief Operating Officer (COO), übergeben, wie die Gruppe vergangene Woche mitteilte. Offenbar sieht der Mitgründer die Aufbauphase als abgeschlossen an und weiß das Unternehmen für künftige Wachstumsschritte in guten Händen. „So grandios die Zeit auch gewesen ist seit dem 100-prozentigen und kompromisslosen Einstieg in die Cloud im Jahr 2019, so viele tolle Leute ich dabei kennenlernen durfte, so ist irgendwann der Zeitpunkt gekommen, die nächsten Manager ran zu lassen!“ Der 57-Jährige scheidet allerdings nicht aus dem Unternehmen aus. Als Chief Advisory Officer bleibt er zunächst in der Geschäftsführung und wird im Laufe der zweiten Jahreshälfte, so der Plan, ins Board der PCG wechseln.

Angepasste Strategie

Die Vorgeschichte der Gruppe geht auf das Jahr 2019 zurück. Damals sei ihm klar geworden, dass das Cloud-Geschäft nur funktioniert, wenn man es fokussiert betreibt, berichtet Schallhorn. In den Strukturen eines Systemhauses, das weiterhin klassisches IT-Geschäft betreibt, sei diese Fokussierung aber nicht möglich. Im März 2019 gab der Manager daher seine Position bei Cancom auf und bereitete ein ambitioniertes Projekt vor: den Aufbau eines Managed Cloud Providers. Im August des Jahres gründete er zusammen mit dem Hosting- und Cloud-Experten Dr. Nils Kaufmann, heute DACH-Geschäftsführer bei VSHosting, das Unternehmen Cloudbuddies. Bereits vier Monate später schloss sich das Startup mit dem AWS-Spezialisten Innovations On zusammen, der im Herbst 2018 von Tom Simon gegründet worden war.

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Alles lief scheinbar nach Plan. Doch 2020 kam Corona. Cloud Computing erlebte zwar erstmals einen Hype in Deutschland. Der Bedarf der Kunden richtete sich jedoch vor allem auf Workplace- und Collaboration-Lösungen. Die Infrastrukturkompetenz von Innovations On war weniger gefragt. Zudem drängten vermehrt Beteiligungsgesellschaften ins IT-Segment und kauften Systemhäuser, aber auch Cloud-Dienstleister und formten daraus neue Gruppen. „Ursprünglich waren wir davon ausgegangen, wir hätten fünf Jahre Zeit“, so Schallhorn weiter. „Als dann aber all die Investoren in den Markt stürmten, habe ich gedacht: Jetzt wird es eng.“ Vermutlich hätte sich das Unternehmen mit seiner AWS-Expertise als Boutique in einer Nische etablieren können. Aber das war nicht die Vision des Gründers, der von Anfang an etwas Großes schaffen wollte.

Die beste Idee der Welt ist nichts wert, wenn man sie nicht verwirklichen kann.

Oliver Schallhorn, Geschäftsführer PCG

Als er mit seinen Geschäftspartnern die Optionen auslotete, rief im Mai oder Juni 2020 – an den genauen Termin erinnert sich Schallhorn nicht mehr – die Nord Holding bei ihm an. Die Private-Equity-Gesellschaft aus Hannover suchte „jemanden, der ein Dienstleistungsportfolio, ausschließlich Cloud, basierend auf den drei Hyperscalern, aufbaut“, wie der IT-Profi weiter berichtet. „Das war genau unsere Story!“ Die nächsten Monate beschäftigten sich Schallhorn und der Investor damit, geeignete Übernahmekandidaten zu suchen. Da größere Dienstleister mit Cloud-Expertise kaum zu finden waren und die wenigen, die es gab, nicht verkaufen wollten, passte die Nord Holding ihre Strategie an. „Unser Geldgeber hatte den Mut, in kleine Einheiten zu investieren, die dann auszubauen und zu integrieren.“

Akquisitionen als Teil der Aufbauarbeit

Der Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft war aber eigentlich nicht das, was die Gründer wollten. Sie entschieden sich doch dafür, weil „wir es allein aus eigener Kraft vermutlich nicht geschafft hätten“, wie Schallhorn einräumt. „Die beste Idee der Welt ist nichts wert, wenn man sie nicht verwirklichen kann.“ In seinem Berufsleben habe er gelernt, sein Ego zu kontrollieren und das Wohl des Unternehmens über die eigenen Ambitionen zu stellen. „In bestimmten Momenten muss man bereit sein, sein Ego zurückzunehmen, damit die Organisation wachsen und sich die Menschen entwickeln können.“

Und die Organisation entwickelte sich: Nachdem sich Innovations On und Cloudwürdig im Sommer 2021 zusammengeschlossen hatten, kam im November des Jahres der Hamburger Microsoft-Partner Switcom hinzu. Im Mai 2002 wurde die Marke PCG gelauncht. Drei Monate später übernahm die Gruppe den Schweizer Dienstleister Miracle Mill, einen Spezialisten für Cloud-native Software-Entwicklung mit weiteren Niederlassungen in Nordmazedonien, Bulgarien, Griechenland und Schweden, und im November 2022 den SAP-Spezialisten LNW-Soft mit Sitz im bayrischen Erding. Das Geschäftsfeld Security baute die PCG eigenständig auf, ehe sie im September 2023 das kleine Security-Startup Whysec übernahm.

Bei den Akquisitionen ging es nicht primär darum, die Gruppe größer zu machen. Vielmehr identifizierten Schallhorn und sein Team die Unternehmen, die mit ihrer spezifischen Kompetenz und ihrer Kultur in das Gesamtkonzept passten. Die PCG sei kein klassischer Private-Equity-Case, sondern „eine von Grund auf neu gebaute Company. Wir haben in jeder Linie nur einmal zugekauft und die Einheiten dann mit Leuten bestückt. Zu 80 Prozent sind wir organisch gewachsen.“ Die Nord Holding habe diese Strategie verstanden und von Anfang an unterstützt. Wie jede Private-Equity-Gesellschaft habe sie zwar den Exit im Blick. Den Verantwortlichen in Hannover sei aber bewusst, dass sie „am Ende nur ein klar ausgerichtetes Unternehmen verkaufen können, aber nichts bunt Zusammengewürfeltes“.

In bestimmten Momenten muss man bereit sein, sein Ego zurückzunehmen, damit die Organisation wachsen und sich die Menschen entwickeln können.

Oliver Schallhorn, Geschäftsführer PCG

Ein wesentlicher Teil der Aufbauarbeit bestand daher darin, die Einheiten der PCG in eine kohärente Struktur einzubinden. Dazu gehörte es, das Leistungsangebot der verschiedenen Linien aufeinander abzustimmen und bei Bedarf zusätzliche personelle Ressourcen dafür bereitzustellen. So sollen Kunden, ob sie sich für AWS, Azure oder Google als Plattform entscheiden, auf ein vergleichbares Spektrum an Beratungs-, Entwicklungs- und Betriebsleistungen zugreifen können. Neben dem Portfolio-Alignment trieb die Gruppe auch die Integration auf der Ebene der Systeme und Prozesse sowie auf der juristischen Ebene voran. Im September 2023 schlossen sich alle Unternehmen der PCG zu einer rechtlichen Einheit zusammen. Die Marken Innovations On, Cloudwürdig, Switcom, Miracle Mill sowie LNW-Soft finden sich nur noch auf der Website unter den Linien AWS, Google, Microsoft und SAP mit dem Zusatz „driven by“.

Ziele und Pläne

Für die Zukunft plant die PCG weitere Expansionen in europäische Länder sowie den weiteren Ausbau des Geschäfts auf den Technologiefeldern Data & AI, Security und Managed Cloud Operations. Außerdem hat sich die Gruppe vorgenommen, ihre Relevanz bei bestehenden Kunden zu steigern. Dazu müsse sie lernen, noch besser auf die individuelle Cloud Journey der Unternehmen einzugehen, betont Schallhorn. „Wir müssen in der Lage sein, den Bedarf der Kunden genau zu verstehen und in jedem Projekt zu antizipieren, wohin sie die nächste Etappe ihrer Reise führen wird.“ Dort sei der Dienstleister noch nicht. Aber dort müsse er hin, und daher sein Appell an das gesamte Team: „Die Zukunft hat begonnen, gebt weiterhin Vollgas für unsere Kunden und den Erfolg der PCG!“

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