Arbeit 2.0 Vom Homeoffice zur Remote-Arbeit

Autor / Redakteur: Ralf Gegg / Sarah Böttcher

Flexibles, ortsunabhängiges Arbeiten bietet viele Vorteile für Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Gleichzeitig birgt sie neue Herausforderungen – sowohl hinsichtlich der technischen Ausstattung, IT-Security als auch der Unternehmenskultur.

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Eine neue Denkweise ist für die Entwicklung hin zu ortsunabhängiger Remote-Arbeit mittlerweile genauso wichtig, wie die IT-Ausstattung und mobile Anwendungen.
Eine neue Denkweise ist für die Entwicklung hin zu ortsunabhängiger Remote-Arbeit mittlerweile genauso wichtig, wie die IT-Ausstattung und mobile Anwendungen.
(Bild: hakinmhan - stock.adobe.com)

Die Arbeitswelt in Deutschland hat sich in den letzten 18 Monaten stark verändert. Wohin man auch blickt, trifft man auf die unterschiedlichsten Konzepte: Von einer permanenten Umstellung auf hybrides Arbeiten, wie bei der Deutschen Telekom oder BMW, bis hin zu einer Reihe an Firmen, die ihre Belegschaft nach Ende der vorübergehenden gesetzlichen Homeoffice-Pflicht sofort wieder ins Büro zurückgerufen haben – das Konzept des „Arbeitens“ hat eine längst überfällige Transformation durchlaufen und zeigt sich heute vielfältiger denn je.

Doch noch vor anderthalb Jahren war eine „Working from Anywhere“-Regelung mehr Traum als Realität für viele Angestellte. Bis 2020 war es die Vorgabe der meisten Unternehmen zur Arbeitszeit im Büro anwesend zu sein. Doch die Pandemie hat diese Grundannahme über den Haufen geworfen: die erzwungene Veränderung der Arbeitsumgebung bewährte sich für viele Arbeitnehmer – und auch -geber. So möchten auch nach Abschaffung der Homeoffice-Pflicht laut der kürzlich durchgeführten Homeoffice-Studie der DAK-Gesundheit 90 Prozent der Angestellten gerne weiterhin regelmäßig von zuhause aus arbeiten und von mehr Flexibilität und weniger Pendeln profitieren. Nun steht der nächste Schritt für viele Unternehmen an, ein hybrider Ansatz in Richtung „Anywhere Workspace“. Während beispielsweise die Softwareunternehmen SAP und VMware einen zu 100 Prozent flexiblen und vertrauensbasierten Arbeitsplatz als Norm und nicht als Ausnahme sehen und somit Beschäftigte künftig frei entscheiden lassen, wann sie von zuhause, unterwegs oder im Büro arbeiten, möchten Unternehmen wie die Allianz oder Henkel gewisse Regelungen für die Remote-Arbeit festlegen.

Doch welche Herausforderungen ergeben sich für die IT bei der Umsetzung eines hybriden Modells, bestehend aus Büro- und Homeoffice-Arbeitsplatz? Investiert wurde bisher vorrangig in Arbeitstechnologien in den Büroräumlichkeiten, doch in einem dezentralen „Anywhere Workspace“-Arbeitsmodell muss das Motto „Digital First“ gelten. Um einen funktionierenden Übergang für die IT und die Mitarbeiter zu gewährleisten, müssen folgende Herausforderungen bewältigt werden.

Herausforderung 1: eine reibungslose Mitarbeitererfahrung

Als im Frühjahr 2020 ein Großteil der Angestellten von heute auf morgen ins Homeoffice wechselte, ging es zunächst vor allem um eines: Zugang zu allen wichtigen Daten, Dokumenten und Anwendungen. Über Nacht waren IT-Teams mit der Aufgabe konfrontiert, die Beschäftigten mit digitalen Tools auszustatten, Prozesse aufzusetzen sowie Lösungen einzurichten, die einen sicheren Zugriff auf alle benötigten Unternehmensanwendungen und Daten erlaubten. Ziel war es, den gewohnten Arbeitsalltag weitgehend störungsfrei von zuhause zu gewährleisten. Doch auch nach mehr als einem Jahr im Homeoffice haben Angestellte noch immer mit inkonsistenten und schlecht vernetzten mobilen Applikationen zu kämpfen. Der Grund dafür: isolierte und ortsgebundene digitale Tools.

Die IT muss künftig sicherstellen, dass alle Arbeitskräfte zuverlässig auf Anwendungen sowie Daten zugreifen können – welches Mobil- oder Desktopgerät dabei genutzt wird, darf keine Rolle spielen. Wichtig ist, dass Prozesse auch digital reibungslos funktionieren und die Produktivität nicht beeinträchtigt wird. Dies steigert Wohlbefinden und Motivation, denn nichts frustriert mehr als unnötige Unterbrechungen oder zusätzliche Arbeitsschritte. Für Unternehmen auch ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf Recruiting und Mitarbeiterbindung, da gerade die junge Generation auf die Vorteile flexibler Arbeitsplatzmodelle in Zukunft ungern verzichten möchte. Aus diesem Grund empfiehlt sich für Unternehmen die Investition in eine hybride Architektur, die eine effizientere und durchgängige Mitarbeitererfahrung bietet.

Herausforderung 2: von fragmentierter IT-Sicherheit zu Zero Trust

Durch die Pandemie und die daraus resultierende Remote-Arbeit arbeiten die meisten Mitarbeiter nicht mehr innerhalb des sicheren Unternehmensnetzwerkes. Mobile Geräte wie Laptops inklusive der Anwendungen und Daten haben somit das sichere Unternehmensnetzwerk verlassen und befinden sich in IT-Umgebungen, die den hohen Sicherheitsanforderungen der Unternehmen oftmals nicht gerecht werden. Damit hat sich auch die Angriffsfläche für Sicherheitsbedrohungen vergrößert. Hier besteht die Gefahr, dass Angreifer über die Endgeräte ins Unternehmensnetzwerk eindringen und dort weitreichende Schäden anrichten. Die Abkehr von der traditionellen Firewall zugunsten modularer Sicherheitslösungen macht IT-Systeme und Geräte stärker angreifbar. Nicht überraschend ist vor dem Hintergrund die Tatsache, dass seit dem Wechsel ins Homeoffice im Jahr 2020 Cyberangriffe um 80 Prozent angestiegen sind. Sicherheitsmaßnahmen müssen für ein hybrides Arbeitsplatzmodell an die verschiedenen Standorte, Anwender, Anwendungen und Endpunkte angepasst werden und vor Ort funktionieren. Das Netzwerk wiederum ist durch Mobile, Cloud, IoT und Edge Computing unübersichtlich und komplex geworden und damit reich an neuen Angriffspunkten.

Ein auf dem Zero-Trust-Ansatz beruhendes Sicherheitskonzept kann Cyberangriffe verhindern und Komplexität reduzieren. Das Konzept „never trust, always verify“ bedeutet, dass sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmensnetzwerks prinzipiell keinem vertraut wird – keiner Anwendung, keinem Workload, keinem User, denn jeder kann ein vermeintlicher Angreifer sein. Dadurch können traditionelle Netzwerkperimeter mit großer Angriffsfläche beseitigt werden. Dies funktioniert allerdings nur, wenn der Faktor IT-Sicherheit bereits in die IT-Infrastruktur eingebaut wird. Denn es geht nicht darum, Sicherheitsverletzungen um jeden Preis zu verhindern, sondern IT-Security in alles zu integrieren – in Anwendungen, das Netzwerk und alles, was Daten überträgt.

Herausforderung 3: von betrieblicher Komplexität zu Simplizität

Um trotz der plötzlichen Umstellung auf Remote-Arbeit eine gute Zusammenarbeit, Produktivität und Zugriff auf alle Plattformen zu gewährleisten, mussten Unternehmen in neue Tools und Anwendungen investieren. Dazu zählen unter anderem Team-Chat-Apps, Collaboration- und Videokonferenztools, deren rasche Integration in kurzer Zeit Komplikationen mit sich brachte. Nun stehen IT-Teams 18 Monate später vor einem unübersichtlichen und komplexen Mix aus diversen Tools. Um die neu entstandene Komplexität zu reduzieren, müssen zunächst die meistgenutzten Tools identifiziert sowie priorisiert werden, welche Tools für die Zukunft des „Anywhere Workspace“ relevant und notwendig sind.

Als zukunftsfähig gelten skalierbare Lösungen, die auch dann weiter genutzt werden können, wenn das Unternehmen wächst oder neue Geschäftsbereiche erschließt. Bestehende Anwendungen für virtuelle Desktop-Infrastrukturen (VDI), digitale Arbeitsplätze und IT-Sicherheit haben die Arbeit im Homeoffice in der ersten Phase der Pandemie ermöglicht, doch sind sie skalierbar, um langfristige Remote-Arbeit mit optimaler Employee Experience zu liefern? Nicht-skalierbare Lösungen können dazu führen, dass Remote-Beschäftigte weniger produktiv sind, da eine stabile VPN-Verbindung und schneller Zugriff auf Anwendungen nicht immer garantiert werden können.

Ein weiterer zentraler Faktor ist Automatisierung, wie das automatische Erkennen und Patchen von Sicherheitslücken. So können Endpunkte abgesichert werden, bevor sie zu einem Einfallstor für Hacker und einem unternehmensweiten Risiko werden. Automatisierung erleichtert dem IT-Team die Arbeit und verschafft Freiraum, der notwendig ist, um die Remote-Arbeit mit einer modernen, skalierbaren Arbeitsplatzplattform auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Fazit: Das New Normal wird bleiben

Eine neue Denkweise ist für die Entwicklung hin zu „Anywhere Workspace“ bzw. ortsunabhängiger Remote-Arbeit mittlerweile genauso wichtig, wie die IT-Ausstattung und mobile Anwendungen. Die Covid-19-Krise hat Veränderungen in einem Tempo erzwungen, das viele nicht für möglich gehalten hatten. Um den Erfolg der IT-Investitionen in Remote-Arbeitsplätze langfristig zu garantieren, sollten Arbeitsleistung und -ergebnisse losgelöst vom Arbeitsort betrachtet werden.

Nach der Bewältigung der Herausforderungen des letzten Jahres wurde schnell klar, dass die als vorübergehend angedachten Lösungen für Homeoffice-Arbeitsplätze oder Collaboration Tools sich als eine sinnvolle Investitionsstrategie für CIOs entpuppten. Und auch die Mitarbeiter haben sich mit der Idee des flexiblen Arbeitens angefreundet und wollen die zahlreichen damit verbundenen Vorteile nicht mehr missen. Jedes Unternehmen, das sich im Markt behaupten will und um Marktanteile, Talente und Anerkennung konkurriert, sollte dringend in eine zukunftsfähige Plattform für ortsunabhängiges Arbeiten investieren. Denn diese neue Form des Arbeitens wird uns dauerhaft erhalten bleiben.

Ralf Gegg
Ralf Gegg ist Senior Director End User Computing (EUC) CEMEA bei VMware und ist zuständig für die Ausweitung des EUC-Geschäfts in Zentral- und Osteuropa sowie Russland/CIS. Davor war er Partner Director CEMEA bei VMware und damit verantwortlich für das Partnergeschäft.

Bildquelle: VMware

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