Alteryx-Studie Viele Mitarbeiter überschätzen die eigene Datenkompetenz

Redakteur: Stefan Guggenberger

Eine aktuelle Studie von Alteryx legt nahe, dass viele Fachkräfte ihr Knowhow im Umgang mit Daten als überdurchschnittlich gut einschätzen, in der Praxis aber kaum Mehrwert daraus generieren können. Ferner vermissen die meisten Befragten das richtige Datentraining am Arbeitsplatz.

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Sind deutsche Fachkräfte zu schlecht ausgebildet, um mehrwertige Datenanalysen durchzuführen? Nach eigener Aussage können nur 25 Prozent der ‚Daten-Bearbeiter‘ prädiktive Analysen erstellen.
Sind deutsche Fachkräfte zu schlecht ausgebildet, um mehrwertige Datenanalysen durchzuführen? Nach eigener Aussage können nur 25 Prozent der ‚Daten-Bearbeiter‘ prädiktive Analysen erstellen.
(Bild: gemeinfrei // Pexels)

Eine aktuelle Umfrage des Analytics-Automation-Anbieters Alteryx legt nahe, dass viele Fachkräfte ihr Daten-Know-how falsch einschätzen. So geben 69 Prozent der Befragten an, über eine überdurchschnittliche Datenkompetenz zu verfügen. Gleichzeitig trauen sich aber nur 27 Prozent zu, aus Daten Ableitungen zu treffen, die einen Mehrwert für ihren Arbeitgeber schaffen. Grund dafür könnte sein, dass rund 80 Prozent angeben, nicht das richtige Datentraining am Arbeitsplatz zu erhalten. Zudem schätzen etwa 70 Prozent der Befragten die Zeit für Datenanalysen als nicht ausreichend ein.

„Für die digitale Transformation ist es wichtig, dass eine möglichst breite Mitarbeiterbasis über die richtigen Kompetenzen zum Umgang mit Daten verfügt. Nur wenn Angestellte in allen Abteilungen Daten analysieren und interpretieren können, entsteht Resilienz und die unternehmensweite Fähigkeit, bei Bedarf schnell umzusteuern. Im Moment scheint es so, als würde die Datenkompetenz der Deutschen noch nicht die Fertigkeiten umfassen, die nötig sind, um die Transformation zu bewältigen“, kommentiert Alan Jacobson, Chief Data and Analytics Officer bei Alteryx.

Zur Studie:

Alteryx beauftragte das Marktforschungsunternehmen YouGov, mehr als 3.000+ ‚Angestellte aller Geschäftsbereiche, die täglich in irgendeiner Form mit Daten arbeiten‘ (dazu gehören auch einfache Arbeiten mit Excel) in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Großbritannien, Frankreich und Deutschland zum Thema Datenkompetenz zu befragen. Die Umfrage lief im Mai und Juni 2021 und erfasste Antworten von 1.038 Datenarbeitern in Großbritannien, 1.011 in Frankreich und 1.007 in Deutschland. Unter den befragten Deutschen waren 135 Mitarbeiter aus der Produktions- und Fertigungsbranche.

Wo die Datenkompetenz in der deutschen Industrie liegt

Im Rahmen der Studie konnten die Mitarbeiter ihr theoretisches Know-how und ihre konkreten Fertigkeiten selbst einschätzen. Dabei zeigt sich, dass gerade die analytischen Fertigkeiten der Fachkräfte noch hinter dem theoretischen Wissen liegen:

  • Grundlagen, Bereinigen und Teilen: In Bereichen der grundlegenden Handhabung von Daten schätzt sich weniger als die Hälfte als sehr gut ein: 41 Prozent der Angestellten sind sich beispielsweise ihrer Fähigkeit sehr sicher, vertrauenswürdige Daten identifizieren zu können. Weitere 37 Prozent sind laut Umfrage sehr gut im Bereinigen von Daten und ebenso viele der Befragten halten sich für sehr kompetent beim sicheren Teilen von Daten.
  • Analyse und Handlungsempfehlungen: Nur 30 Prozent der Befragten geben an, deskriptive Analysen aus Daten generieren zu können. Vorhersagen für die Zukunft (prädiktive Analyse) können laut eigener Angaben 25 Prozent und Handlungsempfehlungen für ähnliche Situationen (präskriptive Analyse) 22 Prozent mit ausreichender Sicherheit ableiten.

Wie die Datenkompetenz verbessert werden könnte

Die Mitarbeiter wurden auch zu ihrer Ausbildung im Umgang mit Daten befragt. Dabei zeigt sich, dass viele Fachkräfte sich ein besseres Training für sich und die gesamte Belegschaft wünschen würden, um einen Mehrwert für ihre Organisation zu generieren:

  • Besseres Training gewünscht: Nur 20 Prozent der Industrie-Facharbeiter gab an, am Arbeitsplatz die richtige Art von Datentraining zu erhalten. Dabei waren 38 Prozent der Meinung, dass Initiativen zur Förderung der Datenkompetenz die gesamte Belegschaft stärken würden. Zudem würden solche Trainings sie in die Lage versetzen, unabhängiger zu arbeiten (36 %).
  • Die richtigen Tools für die Arbeit bereitstellen: Mit nur 30 Prozent verfügt weniger als ein Drittel der Befragten aus der Industrie über die perfekten Tools zur Datenanalyse. Fast die Hälfte (47 %) beschreibt einen Mangel an spezieller Datenanalysesoftware und weitere 41 Prozent berichten, dass sie keinen Zugang zu einfach zu bedienenden, codefreien Anwendungen hätten.

Ist Datenkompetenz förderlich für die Karriere?

Im Rahmen der Studie gaben nur 25 Prozent an, dass Datenkompetenz sich in irgendeiner Art und Weise förderlich auf ihr berufliches Weiterkommen auswirken wird. Bei den Datenexperten, die über hohe theoretische und praktische Kompetenz verfügen, sind sich allerdings 74 Prozent sicher, dass Daten-Know-how ein Treiber für ihre Karriere ist. „In Bezug auf die Datenkompetenz sind wir in Deutschland noch nicht so weit, wie wir vielleicht gehofft haben“, sagt Roger Illing, Vice President Central & Eastern Europe bei Alteryx und fügt hinzu: „Jedes Unternehmen verfügt über eine Fülle von Daten, die es nutzen könnte, um sich vom Wettbewerb abzusetzen. Der Mangel an analytischen Fähigkeiten führt jedoch dazu, dass dieses Potenzial in der Realität oft ungenutzt bleibt. Mit Weiterbildungs- und Datenkompetenz-Initiativen sollten Unternehmen diese Qualifikationslücken schnell und effektiv schließen.“

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnerportal INDUSTRY OF THINGS.

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