Daten für die Ewigkeit Verwaltung eines 100-jährigen Archivs

Autor / Redakteur: Eric Bassier* / Dr. Jürgen Ehneß

In vielen Branchen entstehen tagtäglich gigantische Mengen an digitalen Inhalten, die aufbewahrt und geschützt werden müssen. Zwei Beispiele hierfür sind die Medienbranche und das Gesundheitswesen. Hier werden die Datenmengen künftig exponentiell steigen.

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Abschied von analogen Ordnern: Die Digitalisierung über sämtliche Branchen hinweg erfordert Archivierungsstrategien.
Abschied von analogen Ordnern: Die Digitalisierung über sämtliche Branchen hinweg erfordert Archivierungsstrategien.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Gerade in diesen zwei genannten Branchen geht es nicht einfach nur um „Daten“, sondern um sensible Patientenakten, Forschungsunterlagen, Kunstwerke, kulturelle Artefakte sowie gemeinsame menschliche Erinnerungen. Diese digitalen Inhalte haben häufig einen großen emotionalen, wissenschaftlichen oder auch wirtschaftlichen Wert und müssen oftmals über Jahre, Jahrzehnte und sogar länger gespeichert werden.

Im Gesundheitswesen ist es beispielsweise möglich, dass aufgrund der steigenden Lebenserwartung Patientendaten bis zu 100 Jahre gespeichert und über den Tod eines Patienten aufbewahrt werden müssen. Das gilt sowohl für Krankenhäuser als auch Arztpraxen. So verlangt die Krankenhausverordnung KHSVO eine Mindestarchivierung von 30 Jahren nach Entlassung beziehungsweise 20 Jahren, wenn der Patient im Krankenhaus verstorben ist. Gleichzeitig müssen nach § 10 Abs. 3 der „(Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte“ MBO-Ä-Patientenakten nach Abschluss der Behandlung für mindestens zehn Jahre aufbewahrt werden.

Die Verwaltung, Speicherung und der umfassende Schutz dieser Daten stellen IT-Fachleute in datenintensiven Branchen vor immer neue Herausforderungen.

Anforderungen eines „ewigen“ Archivs

Das Ziel eines jeden Archivs ist es, Inhalte – egal, ob digital oder physisch – langfristig zu speichern und aufzubewahren. Sie müssen jederzeit abrufbar sein, doch um dies zu gewährleisten, müssen Archive einige grundlegende Anforderungen erfüllen:

  • Skalierbarkeit: Archive müssen in der Lage sein, Petabytes, wenn nötig sogar Exabytes an Daten kosteneffektiv zu verwalten.
  • Sicherheit: Archivinhalte müssen nicht nur gespeichert, sondern auch geschützt werden. Der Schutz von Datensätzen dieser Größenordnung erfordert die Berücksichtigung einer Reihe von Aspekten und Best Practices. Dazu gehören die Kosten für die Datenreplikation sowie für das Speichermedium selbst. Es ist dringend notwendig, sich sowohl gegen Ransomware und Cyberattacken als auch lokale Bedrohungen sowie Naturkatastrophen zu schützen.
  • Zugänglichkeit: Besonders Medienunternehmen müssen häufiger mal auf Archivmaterial zurückgreifen, wobei das Wann und das Wie schwierig vorherzusagen sind. Aus diesem Grund müssen die Daten auch noch Jahre oder Jahrzehnte später leicht durchsuchbar und abrufbar sein.
  • Datenmigration: Ein Langzeitarchiv muss darauf ausgelegt sein, dass Daten zwischen verschiedenen Speichertechnologien und -generationen migrieren können, ohne die Nutzer in ihrem Zugriff auf das Archiv zu behindern.

Langzeitspeicher: Diese Optionen gibt es

Bei der Suche nach der perfekten Langzeitspeicherlösung gibt es viele Optionen. Wichtig ist dabei die Überlegung, in welchem Format die Daten abgelegt werden: Sollen sie als Datei oder Objekt gespeichert werden?

Die langfristige Speicherung von Inhalten im Objektformat bietet eindeutige Vorteile. Zum einen können Objektspeicher auf Milliarden von Objekten skalieren, zum anderen erlauben sie eine schnelles Durchsuchen des Archivs, selbst in großem Maßstab. Objektspeicher sind zudem „Cloud-freundlich“; damit können Nutzer Cloud-Dienste mit den in ihren Archiven gespeicherten Daten ausführen.

Die Eignung der Einbindung von Tape als Speichertechnologie sollte ebenfalls bedacht werden. Während NVMe-Flash, Festplatten, optische und Cloud-Technologien jeweils ihre Vorzüge haben, bietet Digital Tape die zuverlässigste und kosteneffizienteste Speicheroption. Aus diesem Grund bleibt die Tape-Technologie auch weiterhin eine der am häufigsten eingesetzten Langzeitspeichertechnologien.

Ist Public-Cloud-Storage eine Option?

Viele Unternehmen, besonders aus der Medienbranche, erwägen und nutzen die Public Cloud für Backups, Archivierung und Cold Storage. Doch während die meisten Cloud-Anbieter einen sehr kostengünstigen Service zur Speicherung großer Datenmengen anbieten, können sich die Kosten für eine aktive Nutzung der Daten schnell summieren. Diese Gebühren sind schwer vorherzusagen und zu budgetieren. Jemand sagte einmal: „Die Daten im Archiv sind erst dann wertvoll, wenn sie es sind.“

Vielen Unternehmen wird zunehmend bewusst, dass Cloud-Anbieter eine weitere Form von Silos bereitstellen. Unternehmen wollen die besten Dienste, die der Markt zu bieten hat, und dabei nicht an einen einzelnen Anbieter gebunden sein. Doch ein Anbieterwechsel kann schwierig und teuer werden, und Unternehmen geben ein gewisses Maß an Kontrolle ab, wenn sie ihre Daten in der Cloud speichern.

Eine weitere Sorge ist, dass selbst namhafte Public-Cloud-Anbieter nicht immun gegen Ransomware-Attacken sind. Als Nutzer kann man sich nie sicher sein, ob Sicherheitsmaßnahmen, die der Anbieter zum Schutz vor Ransomware-Attacken ergriffen hat, wirklich ausreichen.

Die Zukunft der Cloud wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl in der Hybrid- als auch in der Multi-Cloud liegen. Der beste Ansatz ist, dass Unternehmen, die eine langfristige Archivierung ihrer Daten benötigen, diese Archive selbst planen und verwalten. Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoller, sondern gibt den Unternehmen auch die Freiheit und Flexibilität, ihre Inhalte zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern zu verschieben.

Das Archiv katalogisieren

Eine der Anforderungen an Langzeitarchive ist es, Inhalte einfach durchsuchen und abrufen zu können. Manchmal müssen Unternehmen auf Jahre oder sogar Jahrzehnte alte Inhalte wie Videomaterial zugreifen, und das am besten ohne größeren Aufwand und Kosten für den Nutzer.

Eric Bassier, Senior Director Product Marketing, Quantum.
Eric Bassier, Senior Director Product Marketing, Quantum.
(Bild: Quantum)

Es reicht also nicht aus, die Inhalte nur zu „speichern“ und zu „schützen“. Ein Langzeitarchiv mit einer guten Architektur muss auch verschlagwortet oder katalogisiert werden, damit es einfach durchsucht und Inhalt abgerufen werden kann. Die Verwaltung dieser Kataloge und der Metadaten, das Hinzufügen von Metadaten-Tags sowie letztlich die „Sichtbarkeit“ aller archivierten Inhalte bietet eine Reihe von Vorteilen.

*Der Autor: Eric Bassier, Senior Director Product Marketing, Quantum

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