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Recruiting mit Sinn

Unternehmen müssen sich wandeln, um gute Mitarbeiter zu finden

| Autor / Redakteur: Stefan Dudas / Annika Lutz

Nicht nur Bewerber müssen Unternehmen von sich überzeugen – auch Unternehmen müssen potenziellen Mitarbeitern überzeugende Argumente liefern.
Nicht nur Bewerber müssen Unternehmen von sich überzeugen – auch Unternehmen müssen potenziellen Mitarbeitern überzeugende Argumente liefern. (Bild: Stefan Dudas)

Der Arbeitgebermarkt ist zum Bewerbermarkt geworden. Die junge Generation fragt heute vermehrt nach dem Sinn. Ändern Unternehmen ihre Denkhaltung nicht, spüren Bewerber das „alte Mindset“ bereits am Empfang und treffen die eigene Wahl entsprechend. Dieser Beitrag verrät Ihnen, wie Sie Bewerber für sich gewinnen können.

Die Standardfrage „Warum sollten wir gerade Sie einstellen?“ wird in Bewerbungsgesprächen immer noch gerne gestellt. Immer mehr wird die gleiche Frage inzwischen aber vom Bewerber gestellt: „Warum sollte ich meine wertvolle Lebenszeit gerade in Ihrem Unternehmen verbringen?“ Jetzt mal ehrlich: Fällt Ihnen als HR-Verantwortlicher, Führungskraft oder Unternehmer die richtig „coole“ und sinnvolle Antwort jenseits der abgedroschenen Floskeln – tolles Team, anspruchsvolle Arbeit, gute Bezahlung, kostenloser Kaffee, eigenes Fitnesscenter, Schlafnischen und natürlich Möglichkeit für Homeoffice – ein?

Beziehungs-Recruiting …

Ein Mann und eine Frau lernen sich übers Internet kennen. Ihre gemeinsamen 96 von 100 möglichen Matching-Points sind vielversprechend. Die Frau hat in den letzten drei Wochen über 100 Anfragen erhalten. Sie hat die Bewerber analysiert und die erfolgversprechendsten drei Kandidaten trifft sie persönlich. „Wo siehst du dich in 10 Jahren?“ ist seine Eröffnungsfrage. Sie kontert, indem sie ihn nach seinen Schwächen fragt. Knapp eine Stunde später ist der zweite und dritte Eindruck gemacht. Der Mann erhält noch die aufwändig erstellte Imagebroschüre der Frau mit auf den Weg. Sie melde sich bei ihm.

… für Unternehmen

Um im Beziehungs-Recruiting einen anderen Menschen zu überzeugen, braucht es Offenheit und Authentizität. So vermittelt man, was für einen persönlich wichtig ist, was man mag und was gar nicht geht. Würde man dem möglichen Partner eine persönliche Imagebroschüre mitgeben. Niemals! Der Text wäre höchstwahrscheinlich eh nur Wunschdenken und die Bilder optimierteste Selbstdarstellung. Sich auf Augenhöhe zu begegnen, ist hier keine leere Worthülse, sondern Bedingung.

Bin ich zu all dem nicht bereit, gibt es maximal einen One-Night-Stand.

Fachkräftemangel zwingt zum Umdenken

Auf das Unternehmen übertragen, kosten diese One-Night-Stands viel Geld. Findet man nach wenigen Wochen heraus, dass im Bewerbungsgespräch jemand geschummelt hat, hilft es auch nichts, wenn der Kaffee im Unternehmen kostenlos ist … Viele Branchen klagen darüber, dass es immer schwieriger wird, gute Mitarbeiter zu finden und diese langfristig im Unternehmen zu halten. Der „War for Talents“ ist schon lange ausgerufen. Und auch in diesem „Krieg“ geht es um Menschen.

Big Data nicht immer die Lösung

Der Recruiting-Prozess ist ein Zeitfresser. Glücklicherweise gibt es heute Computersysteme, die eine Vorauswahl selbständig erledigen. Allerdings sollten wir auch hier die technische Entwicklung durchaus einmal hinterfragen. Denn nur weil etwas geht, macht es noch lange nicht immer Sinn! Wir sprechen davon, dass man „auf Augenhöhe“ kommuniziere und Werte wichtig seien. Und auf der anderen Seite lassen wir Big-Data entscheiden, wer als potentieller Mitarbeiter in Frage kommt. Erhält der Bewerber eine Absage, lautet die Begründung heute bereits oft: „Die Algorithmen unseres Computersystems haben sich leider gegen Sie entschieden. Es gibt schon heute einige Unternehmen, bei denen die Bewerberinnen und Bewerber nur noch den Link zu einem virtuellen Bewerbungsgespräch erhalten. Im Prozess werden automatisiert Fragen gestellt und man hat dann ein bis zwei Minuten Zeit zu antworten. Alles wird per Audio und Video aufgenommen. Man spricht also zu seinem Computer. Ist das Interview abgeschlossen, erhält die HR-Abteilung die Aufzeichnung und kann diese dann effizient auswerten…

Individuelle Antworten statt starrer Prozesse

Die Ratlosigkeit in vielen Unternehmen ist groß: „Wir haben kostenlosen Kaffee, ein extrem vergünstigtes und hochwertigstes Essen in unserer Kantine und ein eigenes Fitnesscenter nur für die Angestellten, sogar mit einem eigenen Fitnesstrainer. Und wissen Sie was? Jetzt beschweren sich die Mitarbeiter über die Qualitäten des Fitnesstrainers“, so die Aussage eines CEO. Er kam mit der Frage auf mich zu, wie man Mitarbeiter auf „seine Seite“ bringen kann. Meine Antwort: Nicht mit Goodies! Klar gehören eine gute und faire Bezahlung sowie weitere Annehmlichkeiten heute dazu. Aber dies ist längst nicht mehr der einzige Grund, um bei einem Unternehmen zu arbeiten. Als ich diesen CEO nach dem Grund gefragt habe, warum er jeden Tag ins Unternehmen komme, konnte er mir dies nicht in wenigen Sätzen erklären. Und genau das ist der Punkt. Man kann das gewünschte und geforderte „Mitarbeiter auf seine Seite bringen“ schlecht in starre Prozesse packen, weil die Lösung so individuell ist wie jedes Unternehmen.

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Unternehmen brauchen eine Positionierung und „Persönlichkeit“

Gelebte Wertschätzung, echte Kommunikation, Empathie und Energie. Klingt vielleicht langweilig und wenig Business-like, spielt aber keine Rolle. Denn die Anzeichen, was in Zukunft wichtig ist, sind ziemlich klar: Der Sinn im Tun. Getunte Imagebroschüren und überdrehtes Business-Getue spielen da keine Rolle mehr. Definitiv nicht. Bewerber möchten heute mehr denn je verstehen, wie das Unternehmen „tickt“. Sie möchten erkennen, dass die Mitarbeiter ihren Job mögen und sie vielleicht sogar einen Sinn darin sehen, genau hier und in dieser Position zu arbeiten. Ein Unternehmen braucht „Persönlichkeit“. Und diese Persönlichkeit entwickelt sich ständig weiter. Sie lebt die Werte, die für sie wichtig sind. Sie wird Standpunkte einnehmen, sich zu wichtigen Themen darstellen und offene Fragen beantworten. Nicht mit möglichst weichgespülten und schwammigen Worten, sondern mit einer klaren, unmissverständlichen Positionierung. Damit wird man in einigen Situationen anecken, allerdings auch greif- und begreifbarer. Wenn die Mission eines Unternehmens für jeden Menschen, der darin arbeitet, greifbar und erlebbar ist, muss man sich selten noch den Kopf zerbrechen über die Themen Motivation und Recruiting.

Dieser Artikel erschien zunächst auf unserem Schwesterportal Marconomy.

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