Schuldenabbau trotz Covid-Pandemie Umgang der Deutschen mit Schulden

Autor Sarah Gandorfer

Im Zuge der Pandemie haben mehr Deutsche Schulden abgebaut als angehäuft. Dabei war jeder Fünfte schon einmal überschuldet. Die psychische Belastung, die damit einhergeht, ist groß. Dennoch spricht jeder vierte Verschuldete nicht über seine Situation.

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Der Weg aus den Schulden ist möglich.
Der Weg aus den Schulden ist möglich.
(Bild: slasnyi - stock.adobe.com)

Über Geld spricht man nicht, ist eine bekannte Redewendung. Über Schulden noch weniger. Lowell, ein Anbieter für Forderungsmanagement, hat zusammen mit YouGov eine Umfrage unter 2.000 Deutschen zu ihrer Einstellung zu Schulden durchgeführt.

20 Prozent der Befragten geben an, dass sie bereits einmal überschuldet waren, sprich: ihren Schuldenbetrag nicht mehr mit laufenden Einnahmen oder aus bestehendem Vermögen abbauen konnten. Die Gründe sind regelmäßige Ausgaben für die Lebenshaltung gefolgt von unvorhergesehenen Kosten wie eine Reparatur an Haus und Auto. Zudem unterschätzen manche Menschen größere Anschaffungen und geraten dadurch in eine finanzielle Schieflage.

Trotz Covid Schuldenabbau

Die Corona-Zeit haben viele der Umfrageteilnehmer genutzt, um Schulden zu reduzieren. Jeder vierte berichtet von einer veränderten Schuldensituation. 16 Prozent der Befragten haben es geschafft, Schulden abzubauen. Acht Prozent gaben an, heute ein geringeres Minus auf ihrem Konto zu verzeichnen, als vor der Pandemie. Es gab aber auch finanzielle Verlierer in der Pandemie. Neun Prozent haben in der Zeit Schulden angehäuft – in erster Linie zur Deckung von Lebenshaltungskosten. Weiterhin wurde das Geld für Shopping ausgegeben oder in die Gestaltung der Wohnung investiert.

Anders das Bild, wenn man sich die jungen Leute zwischen 18 und 34 Jahren anschauen. Ihnen hat die Pandemie finanziell zugesetzt. Ihre Schuldenlast wurde in der Pandemie tendenziell größer.

„Die Umfragewerte sind ein Spiegelbild unserer internen Daten“, erläutert Holger Rampe, Commercial Director bei Lowell in DACH und damit zuständig für Data & Analytics. „Lebenshaltungskosten wie Miete, Strom, Heizung, Kleidung oder Lebensmittel als Ursache der Überschuldung spielen eine immer größere Rolle. Und diese sind nicht so ohne weiteres reduzierbar.“

Doch bis zu welchem Punkt sind Schulden noch tragbar und wann machen sich die Menschen ernsthaft Sorgen? Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: 36 Prozent der Befragten fühlen sich mit monatlichen Zahlungsverpflichtungen von nur 1–25 Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens wohl, fast ebenso viele bleiben mit 26–50 Prozent noch entspannt. Mit zunehmendem Alter sinkt diese „Schuldentoleranz“ deutlich.

Psychische Belastungen

Um die psychischen Belastungen, die mit Schulden einhergehen, zu mindern, ist Offenheit gegenüber dem sozialen Umfeld ein wesentlicher Faktor. Doch während sich viele Verschuldete ihrem Partner, Familienmitgliedern oder Freunden anvertrauen, gibt ein Viertel der Befragten an, mit niemandem über ihre Schulden zu sprechen. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen sowie Ältere haben Schwierigkeiten, sich zu öffnen. Dabei wäre gerade das der erste Schritt, um sich aus der eigenen Schuldensituation zu befreien.

Das Forderungsunternehmen empfiehlt, dass, sofern ein Inkassounternehmen eingesetzt wird, dieses den Schuldner mit einer zielgruppengerechten Ansprache dazu zu ermutigen soll, gemeinsam eine Lösung für ihre finanzielle Situation zu finden. „Sich zu öffnen und sich mit der Situation ehrlich auseinanderzusetzen, ist der erste Schritt zur Bewältigung“, beschreibt Holger Taubmann, Managing Director DACH bei Lowell, den Ansatz.

Zahlen des Statistischen Bundesamts

Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) haben 2020 nahezu genauso viele Frauen wie Männer die Dienste einer Schuldner- oder Insolvenzberatungsstelle in Anspruch genommen. Insgesamt ließen sich 588.000 Personen beraten, davon waren 46,4 Prozent Frauen und 53,6 Prozent Männer. Je nach Haushalts- sowie Familiensituation gibt es deutliche Unterschiede. So waren 13,8 Prozent der beratenen Personen alleinerziehende Frauen, ihr Anteil in der Gesamtbevölkerung betrug aber nur 5,2 Prozent. Alleinlebende Männer waren ebenfalls überproportional häufig von Überschuldung betroffen: Während auf sie 29,9 Prozent der von Schuldnerberatungsstellen betreuten Personen entfielen, betrug ihr Anteil in der Gesamtbevölkerung lediglich 19,5 Prozent. Die durchschnittliche Verschuldung liegt bei 29.230 Euro.

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