Laut einer Studie der Information Services Group (ISG) ist in Deutschland die Umstellung auf softwaregestützte Netzwerke in vollem Gang. Dies führe dazu, dass der deutsche Markt für Software-defined Networking (SDN) derzeit schneller wächst als der Weltmarkt.
Im „Leader“-Quadranten des Marktsegments „SDN Transformation Services“ konnten sich sechs Anbieter positionieren.
(Bild: ISG)
Wie der „ISG Provider Lens Network – Software Defined Solutions and Services Partners Report Germany 2020“ berichtet, werden hierzulande hardwarebasierte Controller- und Switching-Methoden auf breiter Front durch softwarebasierte ersetzt. Diese Umstellung, so die Studie, werde von der mittlerweile hohen Verfügbarkeit von 4G-Mobilfunknetzwerken zusätzlich befeuert.
„GSMA, die internationale Vereinigung der Mobilfunkanbieter, beziffert den Anteil Deutschlands am globalen SDN-Markt aktuell mit neun Prozent“, sagt Heiko Henkes, Global Director und Principal Analyst bei ISG. „Dieser Anteil wächst derzeit jedes Jahr mit einer Rate von 24 bis 25 Prozentpunkten. Andere Analysten gehen sogar von einem Jahreswachstum von 24 bis 43 Prozentpunkten aus.“ Die in Deutschland derzeit stark wachsenden Investitionen in Cloud- und Digitalisierungstechnologien befeuerten den SDN-Markt zusätzlich. „Die im Vergleich mit anderen großen Industrienationen anfangs eher verhaltene Umstellung auf SDN schreitet nun umso schneller voran“, so Henkes weiter.
Cloud-Migration mithilfe von SDN
Vor allem bei Migrationen in die (Multi-)Cloud setzten Unternehmen parallel auch auf SDN, da die Technologie die Komplexität und das Risiko solcher Migrationen senke. SDN verbessert der Studie zufolge auch die Flexibilität und Agilität, wenn es darum geht, Anwendungen oder Netzwerkressourcen hinzuzufügen oder neu zu konfigurieren. „Vor allem sehen Unternehmen den offensichtlichen Nutzen von SDN in der Praxis“, ergänzt ISG-Analyst Henkes. „Wer SDN zur Verfügung hat, kann auf Kundenanfragen flexibler reagieren, neue Services schneller zur Verfügung stellen, während zugleich die Netzwerkkosten sinken und die Netzwerke effizienter ausgelastet sind.“
Zugleich eliminiere SDN auch Bandbreitenengpässe als Folge der erhöhten Bedeutung von WAN-Verbindungen im Vergleich zum klassischen LAN. Digitale Anwendungen würden ein hohes Maß an Dynamik und Automatisierung in den drei Kernkomponenten Computing, Netzwerk und Datenspeicherung erfordern. Noch wichtiger ist es ISG zufolge, dass diese Dynamik über Schnittstellen programmierbar ist. „Cloud-Native-Anwendungen werden immer häufiger genutzt und entwickelt. Auch das rückt SDN immer mehr in den Mittelpunkt“, so Heiko Henkes.
Monolithische Lösungen sind passé
Mit dem Umstieg auf SDN verringern Unternehmen auch ihre Abhängigkeit von einzelnen, großen Netzwerkanbietern, so die Studie. Die Zeit der monolithischen Lösungen, bei denen alle Produkte und Dienstleistungen aus einer Hand kommen, sei vorbei. Vielmehr hätten die traditionellen Großanbieter Partnerökosysteme geschaffen. Diese beinhalteten unterschiedlichste Lösungen für ein breites Spektrum an Branchen- und Unternehmensanforderungen, die sich flexibel zusammenstellen und skalieren lassen.
Auch im Teilmarkt der SDN-Transformations-Services hat sich ISG zufolge das Anbieterspektrum entsprechend erweitert: Nicht mehr nur die großen Netzwerkprovider, sondern zunehmend auch klassische IT-Beratungsunternehmen, die auf ein ganzes Ökosystem aus Partnern zurückgreifen, spielten hier eine Rolle und würden zunehmend Aufgaben wie das Projektmanagement übernehmen, bei der Implementierung unterstützen oder sich als Vermittler zu Implementierungsanbietern oder -konsortien engagieren. „Das war noch vor drei Jahren oft anders. Damals war es das Ziel der Dienstleister, vor allem möglichst viel aus der eigenen Produktpalette zu verkaufen“, berichtet Heiko Henkes. Der ISG-Anbietervergleich verzeichnet zugleich, dass die Berater für die SDN-Transformation zunehmend auch Branchenspezialisten sind.
Der „ISG Provider Lens Network – Software Defined Solutions and Services Partners Report Germany 2020“ bewertet die Fähigkeiten von 49 Anbietern in sechs Marktsegmenten. Neben „SDN Transformation Services (Consulting & Implementation)“ sind dies „Managed WAN Services“, „Managed SD-WAN Services“, „SD-WAN Equipment & Service Supplies (DIY)“, „Network Technologies Suppliers (Core to Mobile)“ sowie „Mobile Network (4G/5G) & Additional (Non-Core) Services“.
Managed WAN Services
Aufgrund der wachsenden Bedeutung und Verbreitung von SDN-basierten WAN-Lösungen (SD-WAN) seien Managed WAN-Services unter starken Druck geraten, da sie oftmals auf dem traditionellen MPLS-Verfahren (MPLS, Multiprotocol Label Switching) basieren. Allerdings sei MPLS weiterhin die in Deutschland am stärksten vertretene WAN-Technologie in Unternehmen mit verteilten Standorten. Daher werde sie immer noch ständig weiterentwickelt. ISG erwartet nicht, dass die Mehrheit der MPLS-Netzwerke kurzfristig durch SDN-Netzwerke ersetzt wird. Stattdessen werden diese Netzwerke in den kommenden Jahren durch Upgrade, Migration und Ersatz zunehmend durch SD-WAN ergänzt, so ISG. Dieser Vorgang könne mehrere Jahre dauern.
Stand: 08.12.2025
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Managed SD-WAN Services
Die Mehrheit der SD-WAN-Implementierungen erfolgen laut ISG-Studie derzeit nicht mit dem Ziel, diese in Managed SD-WAN-Services zu überführen. Nichtsdestotrotz sei der Teilmarkt der Managed SD-WAN-Services ein wachsendes Segment. Auch seien hybride MPLS-/SD-WAN-Netzwerke in Form von Managed Services oder As-a-Service ein starker Trend.
SD-WAN Equipment & Service Supplies (DIY)
SD-WAN verbinde die Vorteile der SDN-Technologie mit denen der traditionellen, hardwarebasierten Netzwerke. Deshalb haben viele Anbieter laut ISG-Studie SD-WAN-Lösungen entwickelt, die Unternehmen auch in Eigenregie implementieren und betreiben können. Der Anbietervergleich habe in den vergangenen beiden Jahren ein starkes Wachstum dieses Teilmarkts verzeichnet. ISG geht davon aus, dass dieses Wachstum weiter anhält, sich aber langfristig abschwächen wird. Der Grund sei der Wechsel vieler Unternehmen vom Eigenbetrieb hin zu Managed SD-WAN-Services, mit denen sich die betrieblichen Gesamtkosten weiter senken lassen.
Network Technologies Suppliers (Core to Mobile)
Aufseiten der Netzwerkanbieter haben laut ISG-Studie vor allem jene Provider einen Vorteil, die auf ein weitreichendes Partnerökosystem zurückgreifen können, da sich die Kunden nicht mehr von einem Anbieter abhängig machen wollten. Dementsprechend verfügten die führenden Serviceanbieter in diesem Marktsegment über weitgehende Managementfähigkeiten, die notwendig seien, um entsprechend komplexe Kundenprojekte orchestrieren zu können. Die Lieferung der Geräte, die dazugehörigen Services sowie die notwendigen Schulungen würden die meisten Unternehmen jedoch aus einer Hand bevorzugen.
Mobile Network (4G/5G) & Additional (Non-Core) Services
Der Markt für mobile Produkte und Services wachse weiter stark. Auch für Unternehmen seien mobile Lösungen als Teil ihrer gesamten Netzwerk- und Kommunikationsstrategie zunehmend wichtig, da die Netzwerkabdeckung immer besser werde. Zudem würden die Zahl mobiler Geräte, gerade auch im Internet of Thing (IoT), stark zunehmen und die gebotenen Übertragungsgeschwindigkeiten steigen. 5G als Standard der neuen Generation hat laut ISG-Studie jedoch noch keine große praktische Relevanz. Die meisten Unternehmen würden demnach 5G bisher nur in ihrer langfristigen strategischen Planung berücksichtigen.
Der ISG-Anbietervergleich führe IBM und Vodafone in allen sechs sowie die Deutsche Telekom in fünf Marktsegmenten als „Leader“ auf. Orange Business Services werde in vier sowie BT, Computacenter und NTT in jeweils drei Segmenten als „Leader“ genannt. Colt, GTT, Juniper Networks, Riedel Networks und Verizon seien „Leader“ in zwei Marktsegmenten sowie AT&T, Axians, Cisco, Damovo und Extreme Networks in jeweils einem.