Fördergelder für Gaia-X Sovereign Cloud Stack wird weiter finanziert

Autor: Melanie Staudacher

Damit Cloud-Betreiber Infrastructure- und Container-as-a-Service unabhängig von anderen Anbietern liefern können, gibt es den Sovereign Cloud Stack als Open Source Code. Ab sofort übernimmt das BMWi die Förderung der Weiterentwicklung des Stacks.

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Mit Fördermitteln des Bundeswirtschaftsministeriums werden Projekte für Gaia-X finanziert.
Mit Fördermitteln des Bundeswirtschaftsministeriums werden Projekte für Gaia-X finanziert.
(Bild: Alexander Limbach - stock.adobe.com)

Unternehmen, Bürger und Staat speichern und verarbeiten teils sehr sensible Daten in Clouds, deren Funktionsweise sie nicht überprüfen oder an ihre Bedürfnisse anpassen können. Daraus können sich Kontrollverluste und starke technologische Abhängigkeiten von einzelnen, großen Anbietern ergeben.

Mit dem Sovereign Cloud Stack (SCS) entwickelt die Open Source Business (OSB) Alliance einen technischen Unterbau für Gaia-X, der eine vollständige digitale Souveränität ermöglichen soll. Nachdem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 122 Millionen Euro für Gaia-X-Projekte bereitstellt, erhält auch die OSB Alliance Fördermittel.

Was ist der Sovereign Cloud Stack?

Um die digitale Souveränität umfassend zu gewährleisten, ist Gaia-X in drei Ebenen unterteilt: Auf dem obersten Layer geht es um den sicheren, transparenten Austausch der Daten und das Management von Identitäten. Die Föderierungsebene soll es ermöglichen, dass Services diverser Anbieter plattformübergreifend genutzt werden können. Den untersten Layer bildet die Software-Infrastruktur. Auf dieser Ebene, dem Sovereign Cloud Stack (SCS), werden verschiedene Open-Source-Projekte assembliert. Für den SCS, den die Open Source Business (OSB) Alliance kontrolliert, wird ausschließlich offener Code verwendet, um die Datenströme und die Funktionsweise der betriebenen Infrastruktur transparent zu machen.

Der konsequente Einsatz von Open Source soll Anwendern außerdem maximale Freiheit und Unabhängigkeit von proprietären Cloud-Technologien garantieren. Anwendungen unterschiedlicher Plattformen können reibungslos zusammenarbeiten, ein Vendor Lock-in wird vermieden und eine einfache Portierung der Daten ermöglicht.

Das SCS-Projekt wurde im November 2019 initiiert. Beteiligt waren Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSB Alliance und Geschäftsführer beim Open-Source-Entwickler Univention, Kurt Garloff, Projektleiter des SCS, Rafael Laguna de la Vera, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen, kurz SprinD, und Oliver Mauss, ehemaliger CEO beim Cloud Provider PlusServer.

Bisher hatte die Bundesagentur für Sprunginnovationen das Projekt finanziert. Mit den neuen Fördergeldern des BMWi, soll die vollständige digitale Souveränität endlich ermöglicht werden.

Statements zum Sovereign Cloud Stack

Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSB Alliance und Geschäftsführer bei Univention
„Im Mittelpunkt der ersten Welle der Digitalisierung standen zentralistische Plattformen mit gravierend negativen Konsequenzen für Datensicherheit, Innovationsfähigkeit und Unabhängigkeit ihrer Anwender. Das Sovereign Cloud Stack Projekt leistet einen entscheidenden Beitrag als Grundlage für die nun folgende zweite Welle der Digitalisierung mit offenen, föderierbaren und ohne Genehmigung einsetzbaren Technologien. Anwenderorganisationen können damit frei zwischen Anbietern wechseln oder auch entscheiden, Teile ihrer IT unter eigener Kontrolle zu produzieren. So entsteht eine offene Plattform für innovative Anwendungen und Dienste, die Wettbewerb ermöglicht, Innovationen fördert und Probleme wie den Cloud Act nicht hat.“

Bildquelle: OSB Alliance


Kurt Garloff, Projektleiter des SCS
„Wir haben alle Bausteine für einen leistungsfähigen Cloud und Container Stack als Open Source Software in vernünftiger Qualität vorliegen. Diese konsistent zusammenzubauen und die Qualität und Sicherheit des Ergebnisses mit kontinuierlichen Testprozessen abzusichern, ist aber eine Menge Arbeit, die viel Spezialwissen benötigt. Und danach kommt noch die größere Hälfte der Arbeit: Die Plattformen müssen im Betrieb durch Automatisierung und ausgereifte Prozesse abgesichert werden. Integration, kontinuierliches Testen, Betriebsauto¬mati¬sierung und Ent¬wicklung der Betriebsprozesse erfolgt heute in vielen Unternehmen und bei Cloud¬betreibern unabhängig voneinander. Mit SCS vernetzen wir diese Anstrengungen, so dass viel weniger Arbeit mehrfach durchgeführt wird. Neben der Zusammenarbeit bei der Entwicklung als Open Source etablieren wir so auch Zusammenarbeit im Betrieb. Im Ergebnis erreichen wir einen viel leistungsfähigeren Stack mit höherer Qualität und höherer Standardi¬sierung. Letzteres ist gerade für Nutzerinnen und Nutzer wichtig, die Anwendungen auf mehreren Clouds betreiben oder auf eine Mischung selbst betriebener SCS Clouds und öffentlicher SCS Angebote setzen.“

Bildquelle: OSB Alliance


Rafael Laguna de la Vera, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen
„Der Sovereign Cloud Stack ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie staatliches Eingreifen einen nicht mehr funktionierenden Markt reparieren kann. Denn obwohl die dominanten Cloud-Anbieter aus den USA allesamt sehr viel Open Source in ihren proprietären Cloud Stacks verwenden, gibt es heute keinen fairen Wettbewerb, weil ein Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern aufwendig und teuer ist. SCS entfernt den ´Lock-in-Effekt´ und sorgt dafür, dass auch kleinere Anbieter mit innovativen Lösungen eine Chance haben.“

Bildquelle: Bundesagentur für Sprunginnovationen


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Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH