Cancom veräußert Software-Großhändler Softline übernimmt Maily Distribution

Redakteur: Regina Böckle

Zum 30. Juni wird Software-Distributor Maily von der Softline AG übernommen. Der Verkauf erfolgte offenbar nicht aus der Not heraus. Vielmehr ermöglicht Maily dieser Schritt, sich aus der latenten Konkurrenz-Situation zwischen den eigenen Systemhauskunden und der Muttergesellschaft Cancom zu befreien. Zudem soll sich der Distributor unter dem Softline-Dach künftig besser entfalten.

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Dr. Lars Schneider, Vorstand der Softline AG
Dr. Lars Schneider, Vorstand der Softline AG
( Archiv: Vogel Business Media )

Ab Ende Juni wird Software-Distributor Maily unter der Konzernflagge der Softline AG segeln. Darauf einigten sich die bisherige Maily-Mutter Cancom IT Systeme und die Beteiligungsgesellschaft Softline. Somit beherbergt Softline künftig zwei Software-Distributoren, denn neben der Maily Distribution gehört auch die von Offenburg aus operierende Tochter Trade Up Distribution zur Familie.

Der bisherige Maily-Geschäftsführer Markus Kürschner soll an Bord bleiben und gemeinsam mit dem Trade-Up-Geschäftsführer Guido Wöhrlin Braaz die Leitung der unternehmensübergreifenden Software-Distribution ausbauen.

Durch die Aquisition von Maily hofft die Softline-Gruppe, im kommenden Geschäftsjahr 2007/2008 ihren Umsatz verdoppeln zu können. Vorteile verspricht man sich außerdem bei Einkauf, Lagerhaltung und Vertrieb. Das Portfolio beider Unternehmen ergänzt sich. Laut eigenen Angaben bedienen Trade Up und Maily zusammengenommen die Hälfte des IT-Fachhandels hierzulande.

Softline weiter in Übernahmelaune

Softline kündigte für »die nahe Zukunft weitere Zukäufe innovativer IT-Hersteller und IT-Dienstleister« an. »Softline wird zu einer schlagkräftigen Gruppe ausgebaut, die sich entlang der gesamten Wertschöpfung der Softwareherstellung und -vermarktung stark positioniert«, erklärte Softline-Vorstand Dr. Lars Schneider. Die Maily-Übernahme stärke den Handelsverbund der Softline-Gruppe und schaffe daher eine wesentliche Voraussetzung die Umsetzung der neuen Strategie.

Softline selbst war zwischen 2000 und 2003 in unruhiges Fahrwasser geraten. Dem vom Aufsichtsrat 2001 zum Vorstand berufenen Schneider gelang es jedoch, in mühsamen Schritten die Gruppe im laufenden Betrieb umzubauen, sowohl auf Konzern-Ebene als auch bei den Landesgesellschaften.

»Unsere Aktionäre haben uns in schwierigen Zeiten begleitet und die Neuausrichtung beschlossen. Jetzt und in den nächsten Monaten werden wir darüber berichten, dass wir ihre Beschlüsse verwirklichen und wie wir sie verwirklichen. Davon werden die Aktionäre nachhaltig profitieren«, kommentiert der Vorstand die Maily-Übernahme.

Die 1981 gegründete Maily Distribution wurde 2001 von der Cancom IT Systeme AG im Zuge der Akquisition der VendIT AG mit übernommen. Der auf Software spezialisierte Distributor beliefert rund 5.500 Fachhandelskunden. Im Geschäftsjahr 2006 steuerte Maily rund 10 Millionen Euro zum Umsatz der Cancom-Gruppe bei. Cancom konzentriert sich mit der Trennung von Maily wieder auf das Kerngeschäft Systemintegration und IT-Beratung.

Laut eigenen Angaben hat Cancom für Maily den im Jahr 2001 bezahlten anteiligen Preis wieder erhalten. Da der Buchwert im Rahmen der im Jahr 2003 vorgenommenen Goodwill-Abschreibung zusätzlich reduziert wurde, entsteht im zweiten Quartal 2007 ein außerordentlicher Buchgewinn in Höhe von rund 500.000 Euro oder 5 Cent je Aktie. Der Vorstand rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Konzern-EBIT von mindestens 6,5 Millionen Euro.

Kombination aus Disti und Systemhaus kann auch gelingen

Mit einer ähnliche Konstellation wie Maily und Cancom hatte bis vor zwei Jahren auch Security-Distributor Allasso zu kämpfen, dessen ehemalige Muttergesellschaft Articon Integralis selbst als Systemhaus am Markt tätig war. Allasso wurde im Frühjahr 2006 von Magirus übernommen.

Die Kombination aus Systemhaus und Distribution kann allerdings auch gelingen, wie beispielsweise die Partners-in-Europe-Gruppe oder die Kosatec-Gruppe zeigen. In diesen Fällen gibt es aber eine klare Trennung zwischen den Endkunden, die das eigene Haus angehen und jenen Endkunden, die die Reseller-Partner adressieren.

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