Cohesity kauft NetBackup und Alta von Veritas So geht es für Veritas-Kunden weiter

Von Michael Matzer 6 min Lesedauer

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Cohesity und Veritas haben eine Übereinkunft getroffen, wonach Cohesity das Datenschutzgeschäft (NetBackup und Alta) von Veritas kaufen wird, das dann aus Veritas herausgelöst wird. Cohesity-Partner sowie Analysten haben sich zu diesem Vorhaben, das bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, geäußert.

Der Software-Hersteller Cohesity übernimmt von Veritas die Lösungen NetBackup (Datensicherung) und Alta (Data Protection). Unser Artikel fasst zusammen, was das für die Kunden bedeutet.(Bild:  jahidsuniverse - stock.adobe.com)
Der Software-Hersteller Cohesity übernimmt von Veritas die Lösungen NetBackup (Datensicherung) und Alta (Data Protection). Unser Artikel fasst zusammen, was das für die Kunden bedeutet.
(Bild: jahidsuniverse - stock.adobe.com)

Sanjay Poonen, CEO von Cohesity, hat seinen Kunden und Partnern bezüglich der Übernahme von Veritas NetBackup und Alta versichert: „Wir sind unserer Mission, die Daten der Welt zu schützen, zutiefst verpflichtet. Dieser Deal wird die Geschwindigkeit und Innovation von Cohesity mit der globalen Präsenz und der installierten Basis von Veritas kombinieren.“ Das klingt zunächst richtig positiv, aber wenn es darum geht, zwei Architekturen, zwei Produktpaletten, zwei Kunden- und Partnerbestände zu vereinen, könnte es an der einen oder anderen Stelle haken.

Die Analysten sehen allgemein eine vielversprechende Entwicklung, die aus Cohesity einen bedeutenden Player im Markt für Datensicherheit machen wird. Steve McDowell, Chef Analyst bei NAND Research, schreibt auf Forbes.com: „Die Kombination der Fähigkeiten von Cohesity mit der Datenschutzkompetenz von Veritas ist ein disruptiver und transformativer Schritt auf den Märkten für Datenschutz und Cyber-Resilienz.“

Denn es gibt einen guten Grund für den Carve-Out: „Der Zusammenschluss ist eine klare Reaktion auf die eskalierenden Cyber-Bedrohungen insbesondere durch Ransomware und unterstreicht die Notwendigkeit fortschrittlicher, robuster Datenschutzlösungen. Durch die Kombination der Stärken von Cohesity im KI-gestützten Datenmanagement mit den Fähigkeiten von Veritas im Bereich Multi-Cloud-Datenstabilität ist das neue Unternehmen bereit, eines der robustesten Portfolios auf dem Markt anzubieten.“

Der Markt verändere sich dadurch: „Finanziell entsteht durch den Zusammenschluss ein Unternehmensriese mit einem Pro-forma-Jahresumsatz von 1,6 Milliarden US-Dollar und einem ARR (aus erneuerten Abonnements) von 1,3 Milliarden US-Dollar, was erhebliche Auswirkungen auf den Markt hat. Der kombinierte Kundenstamm, darunter ein beträchtlicher Teil der Fortune 100, bietet sofort eine erhebliche Marktpräsenz und einen erheblichen Einfluss. Diese Größe kommt dem fusionierten Unternehmen in Bezug auf die Marktreichweite zugute und versetzt es in die Lage, Innovationen voranzutreiben und neue Maßstäbe in der Datensicherheit und -verwaltung zu setzen.“ Damit ist also wohl der „transformative Schritt“ gemeint, den McDowell gemeint hat.

Bedeutung für Bestandskunden

Was bedeutet dieser Zusammenschluss, der in Wahrheit ein Kauf ist, für Kunden und Partner? McDowell äußert sich wie folgt: „Aus Kunden- und Partnersicht verspricht der Zusammenschluss ein erweitertes Lösungs- und Serviceangebot. Es wird [von NAND Research] erwartet, dass die Synergie zwischen Cohesity und Veritas zu umfassenderen, effizienteren und sichereren Datenverwaltungslösungen führen wird, die Kunden spürbare Vorteile bieten und Partnern neue Möglichkeiten eröffnen.

Jedes [der beiden] Unternehmen genießt in der gesamten Branche hohes Ansehen und dies sollte als Zusammenschluss von Unternehmen mit einer gemeinsamen Vision betrachtet werden. Je weiter die Fusion voranschreitet, desto deutlicher werden sich ihre Auswirkungen auf Kunden, Partner und den gesamten Markt zeigen. Dies ist ein starker Schritt für beide Unternehmen, der von ihren jeweiligen Kundenstämmen begrüßt werden sollte.“

John Furrier, Mitbegründer, CEO und Chefredakteur von SiliconANGLE, schreibt auf seiner Plattform: „Sanjay Poonen, ein Veteran bei der Leitung erfolgreicher Unternehmensakquisitionen, steht an der Spitze des neuen Unternehmens. Unter seiner Führung wird erwartet, dass die kombinierten Stärken der KI-gesteuerten Technologie von Cohesity und der umfangreichen IP- und Kundenbasis von Veritas das neue Unternehmen zu einem hervorragenden Akteur auf dem sich entwickelnden Markt für Datensicherheit und KI-Plattformen machen.“

Haken und Ösen

Kann also nichts mehr schiefgehen? Patrick Moorhead von Moorinsight sieht doch ein paar Haken und Ösen bei diesem großen Merger: Auch wenn bei 1, 6 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und 1,3 Milliarden US-Dollar ARR-Jahresumsatz der Profit eindrucksvolle 27 Prozent EBITDA (also „Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization“) beträgt, so fordert er doch eine reibungslose Integration der beiden IT-Architekturen auf technologischer Ebene – von der organisatorischen ganz zu schweigen: „Weil es nämlich, wenn man wachsen will, wirklich nur eine Architektur geben kann, denn sonst erzielt man keinen der Vorteile, die mit der Kombination der beiden Unternehmen angestrebt werden.“ Alle überlappenden Produkte werden wohlweislich in eine neue Firma namens DataCo ausgelagert (Storage-Insider berichtete). Moorhead erwartet, dass ein Börsengang (IPO) angekündigt wird, sobald der Zusammenschluss Ende 2024 erledigt ist.

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Doch er hat offenbar die Pressemeldung nicht genau genug gelesen. Denn diese besagt, dass die Scale-Out-Architektur von Cohesity mit ihren KI-Funktionen mit dem Workload-Support von Veritas kombiniert werde, also alles auf der Plattform von Cohesity zusammenlaufen könne. Poonen sagte demnach wörtlich: „Wir werden die nächste Ära von KI-gestützter Datensicherheit und -verwaltung anführen, indem wir das Beste aus beiden Produktportfolios zusammenbringen: einerseits die Scale-Out-Architektur von Cohesity, die für moderne Workloads ideal geeignet ist und starke GenAI-Fähigkeiten sowie Sicherheitsfunktionen aufweist – und andererseits Veritas’ breite Unterstützung von Workloads und seinen signifikanten globalen Fußabdruck.“

Kunden haben freie Wahl

Wichtig ist dabei: Die Kunden sollen die freie Wahl haben, und die Roadmaps inklusive versprochener Entwicklungen von beiden Firmen sollen bestehen bleiben. Das schaffe Planungssicherheit auf Seiten der Kunden, so ein Cohesity-Pressesprecher. Dass der CEO von Veritas, Greg Hughes, künftig der „strategische Berater“ von Sanjay Poonen sein soll, dürfte ebenfalls die Nerven beruhigen.

Hughes hat schließlich diesen „globalen Fußabdruck“ unter den Global-500-Unternehmen aufgebaut und Poonen seinerseits kein Interesse daran, diese Marktpräsenz zu gefährden, ganz im Gegenteil: Der ganze Deal dient dem Zweck, einen mächtigen, einflussreichen Player im Markt für Datensicherheit und -verwaltung zu schaffen, der ungehindert wachsen kann. Dafür hat Cohesity anonymen Quellen zufolge immerhin das Doppelte seines Lizenzumsatzes bezahlt, nämlich rund 3 Milliarden US-Dollar.

Stimmen von Partnern

Werden die Cohesity-Partner nun also über Bord springen? Das ist wenig wahrscheinlich, wie zwei Äußerungen zeigen. Marc Greber, Business Unit Director AS-Infrastructure & eVAR beim Lösungshaus TD Synnex, sagt: „Bei diesem Deal gehen zwei wichtige Anbieter zusammen, die Gartner im letzten Magic Quadrant für Enterprise Backup und Recovery beide als markführend einstufte. Für unsere Partner entsteht hier ein attraktiver innovativer Anbieter, der alle Fragen von Data Management und Data Protection auf Enterprise-Niveau abdecken kann und zugleich Zugang zu neuen Themen wie KI-gestützte Analysen der Daten liefern wird.“

Greber fährt fort: „Data Management und Data Protection sind in der aktuellen Situation für viele Endkunden absolute Top-Themen. TD Synnex bietet seinen Partnern in Deutschland, Österreich und Schweiz weiterhin den gewohnten Service für beide Hersteller an. Die Teams für Cohesity und Veritas unterstützen sie weiterhin in gewohnt hoher Qualität bei den Themen Projektregistrierung, Ausbildung- und Weiterbildung, technische Ausarbeitungen der Projekte und mehr.“ TD Synnex ist Nummer 64 der Fortune 500 und beschreibt sich wie folgt: „TD SYNNEX steht im Zentrum des Netzwerks der Technologiepartner. Unsere einzigartige Position ermöglicht es uns, eine führende Rolle als Lösungs- und Ideenaggregator einzunehmen.“

Die TIM AG ist ein Value Added Distributor (VAD). Jörg Eilenstein, ihr Vorstand und COO, tat seine Meinung wie folgt kund: „Das ist der Tat ein großes Ereignis im Markt für Data Management und Security. Zwei Leader aus dem Magic Quadrant für Enterprise Backup und Recovery bündeln ihre Kräfte. Veritas hat Data Protection quasi mit erfunden und ist in der Workload-Abdeckung und im Enterprise-Segment sehr stark. Kombiniert mit der hochskalierbaren KI-getriebenen Cohesity-Plattform entsteht durch den Merger ein umfassendes Portfolio, das sämtliche Anforderungen an Data Protection und -Management abdeckt.“

Er fährt fort: „TIM arbeitet seit vielen Jahren mit beiden Herstellern erfolgreich zusammen – unsere Partner können sich auch zukünftig auf die gewohnte Unterstützung und fundierte Expertise verlassen.“ Die TIM AG beschreibt sich selbst wie folgt: „TIM ist der Channel-Development-Partner unter den Value-Added-Distributoren. Wir beziehen die Produkte führender Data-Center- und Security-Hersteller und bieten sie unseren Systemhauspartnern an.“

Beide Partner klingen zuversichtlich und setzen auf Kontinuität bei Cohesity, sowohl in technologischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

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