Wenn Cloud-Dienste die notwendigen Ressourcen dezentral beziehen, können verfügbare Rechen- und Speicherkapazitäten besser ausgeschöpft werden. Was aber gut für Nachhaltigkeit, Energieverbrauch und Kosten ist, kann den Datenschutz und die Sicherheit erschweren.
Ungenutzte Kapazitäten und ungewollte Überkapazitäten lassen sich vermeiden, wenn man sich mehrerer Cloud-Anbieter bedient, also die Cloud mit dezentralen Ressourcen versorgt.
(Bild: CreativeChaos - stock.adobe.com)
Wichtigstes Ziel bei ihren Cloud-Aktivitäten ist für die Unternehmen die Reduzierung von Kosten (64 %) sowie die Senkung der CO2-Emissionen (63 %), so der Cloud Report 2023 des Bitkom. Auf der anderen Seite beklagen laut Bitkom 48 Prozent aber, dass der Energie- und Ressourcenverbrauch beim Cloud Computing zu intransparent ist und drei Viertel (76 %) meinen, dass Cloud Computing durch die einfache Skalierbarkeit dazu führt, dass Software immer ressourcenhungriger programmiert wird.
In der Praxis zeigt sich zudem, dass verfügbare Cloud-Ressourcen nicht immer ausgeschöpft werden, also Überkapazitäten entstehen, gleichzeitig werden Dienste in der Cloud aufgestockt, obwohl das „Rechenzentrum um die Ecke“ ebenfalls entsprechende Services hätte anbieten können. Wie aber schafft man es, verfügbare Ressourcen in der Cloud und in anderen Rechenzentren wirklich bestmöglich auszuschöpfen? Wie lassen sich Überkapazitäten und Kapazitätsengpässe besser verhindern? Nur dann lassen sich Kosten, Energieverbrauch und Nachhaltigkeit tatsächlich optimieren.
Dezentrale Ressourcen könnten helfen
Anstatt bei einem Cloud-Provider mehr Ressourcen zu bezahlen als man braucht, könnte es sinnvoll sein, die notwendigen Ressourcen (wirklich) bedarfsabhängig zu beziehen und zwar überall dort, wo es geeignete Verfügbarkeiten gibt. Man nimmt also nicht nur Ressourcen von einem zentralen Cloud-Anbieter, sondern Speicher- und Rechenkapazitäten von vielen verschiedenen Anbietern, die so eine bessere Auslastung erreichen.
In fünf Jahren will die Mehrheit der Unternehmen den Großteil der IT-Anwendungen aus der Cloud beziehen. Schon heute nutzen 9 von 10 Unternehmen Cloud-Anwendungen, berichtet Bitkom.
(Bild: Bitkom)
Der zentrale Cloud-Anbieter muss dann nicht immer weiter aufstocken, um Skalierbarkeit sicherzustellen, sondern der Cloud-Anwender holt sich weitere Ressourcen bei Bedarf an anderer Stelle. Cloud Bursting wird dann dezentral, Überkapazitäten werden minimiert, Verfügbarkeiten an Services genutzt.
Das klingt nach einer schönen Idee, man erweitert die Cloud-Dienste um Angebote, die bei einem „Rechenzentrum um die Ecke“ gerade frei sind, wenn man entsprechend Bedarf hat. Doch dazu braucht es Visibilität in die vorhandenen Kapazitäten, es braucht (offene) Cloud-Provider-Netzwerke, eine Möglichkeit, dezentrale Ressourcen bedarfsgerecht und möglichst automatisiert zu buchen und zu bezahlen. Das kann nicht nur sehr komplex werden, auch die Compliance erscheint schwierig.
Die dezentrale Cloud muss nicht kompliziert sein
Eine der Herausforderungen bei Dezentralität: Cloud-Anwender wollen und müssen wissen, an welchen Cloud-Standorten ihre Daten gespeichert und verarbeitet werden. So besagt der neue Bitkom Cloud Report: Mit Blick auf Sicherheit und Datenschutz ist 8 von 10 Unternehmen (81 Prozent), die Cloud Computing nutzen, dies planen oder diskutieren, wichtig, in welchem Land sich das Rechenzentrum des Cloud-Anbieters befindet.
Denkt man die dezentrale Cloud bis zum Ende, bräuchte man gar keinen zentralen Haupt-Provider mehr, sondern sämtliche Cloud-Ressourcen würden von dezentralen Standorten erbracht, es wäre also verteiltes Cloud Computing. Damit wären aber sehr viele Standorte zu überwachen und zu kontrollieren, aus Compliance-Sicht nicht nur mit Blick auf die Kosten und den Energieverbrauch an dem Standort, sondern eben auch mit Blick auf die rechtliche Lage, insbesondere auch den Datenschutz und die Sicherheit an dem Standort.
Nun muss man die Idee einer dezentralen Cloud nicht aufgeben, weil es so komplex erscheint. Vielmehr sind bereits Lösungen auf dem Markt, die dafür durchaus genutzt werden könnten: Viele der Plattformen für Hybrid Cloud Management und Multi Cloud Management könnten nicht nur die Nutzung mehrerer großer Cloud-Provider unterstützen, sondern auch die von vielen kleinen Anbietern, sofern geeignete Schnittstellen vorhanden sind, die ein zentrales Management erlauben.
Hohe Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz sind wichtig
Wenn man also verfügbare Ressourcen ausschöpfen will und die Überkapazitäten in Rechenzentren nutzen möchte, anstatt zusätzliche Kapazitäten bei einem zentralen Cloud-Anbieter aufzubauen, werden die Daten und Dienste weit verteilt. Dies muss in geregelten Bahnen erfolgen, also die Vorgaben der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) und anderer Compliance-Vorgaben beachten.
Möglich wird dies, wenn man im Management der dezentralen Cloud auf sichere Identitäten, genau definierte Berechtigungen, sichere Schnittstellen, starke Verschlüsselung, Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und nicht zuletzt eine Backup- und Recovery-Lösung setzt, die zu der Flexibilität einer dezentralen Cloud passt.
Stand: 08.12.2025
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Es zeigt sich: Ungenutzte Kapazitäten und ungewollte Überkapazitäten lassen sich vermeiden, wenn man sich mehrerer Cloud-Anbieter bedient, also die Cloud mit dezentralen Ressourcen versorgt. Mit hoher Sicherheit und unter Beachtung der Compliance wie der DSGVO kann die dezentrale Cloud gelingen, Basis können offene Multi Cloud / Hybrid Cloud Management-Lösungen sein.
Dann lassen sich die Wünsche an die Cloud wie reduzierte Kosten, Senkung des Energieverbrauchs und mehr Nachhaltigkeit besser realisieren, ohne Sicherheit, Datenschutz und Compliance zu gefährden. Dezentrale Cloud könnte der Normalfall werden und wäre keine Besonderheit mehr.