Channel Fokus: NachhaltigkeitSchluss mit Greenwashing – Zeigt her eure Daten!
Von
Michael Hase
11 min Lesedauer
Digitalisierung und Nachhaltigkeit zielen in die gleiche Richtung. Dabei geht es um mehr als Green IT. Unternehmen brauchen smarte Tools, um Nachhaltigkeitsstrategien zu implementieren und deren Fortschritte zu messen. Welche Rolle kann der Channel dabei spielen?
Nachhaltigkeit ist mehr als eine Frage der Gesinnungsethik: Wer seinen CO2-Footprint erfolgreich reduzieren will, muss Daten erheben.
(Bild: lermont51 - stock.adobe.com)
Zahlen lügen nicht, heißt es im Volksmund. Bei Marketingaussagen kann man sich dessen nicht immer sicher sein. Mit Blick auf den Klimawandel werben Unternehmen gern damit, wie „grün“ sie vermeintlich sind. Ihre Produkte seien umweltfreundlich, der Herstellungsprozess schone Ressourcen, die verwendete Energie stamme überwiegend aus regenerativen Quellen. Doch lassen sich solche Aussagen überprüfen? Die EU-Kommission ist skeptisch. Mit der Green Claims Directive, deren Entwurf sie im März vorgelegt hat, will sie umweltbezogene Werbung einschränken. Sie soll künftig nur dann erlaubt sein, wenn die behaupteten Vorteile für Verbraucher nachvollziehbar sind und sich belegen lassen.
Nachweisbarkeit ist generell der springende Punkt, wenn es gilt, ernsthaftes Bemühen um Nachhaltigkeit von Grünfärberei abzugrenzen. Darauf zielt die EU mit einer weiterreichenden Richtlinie ab, die im November 2022 durch das EU-Parlament verabschiedet wurde, der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Sie verpflichtet Unternehmen von 2025 an, einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen. Zunächst müssen Organisationen mit mehr als 500 Mitarbeitern die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt im Rückblick auf das Jahr 2024 dokumentieren. Ein Jahr später wird die Pflicht auf Unternehmen mit 250 Mitarbeitern und einem Umsatz von 40 Millionen Euro ausgedehnt.
Mit der CSRD weitet die EU die Reporting-Vorschriften für den Komplex Environmental, Social & Governance (ESG) aus. Dabei geht es nicht nur darum, den Status quo zu erfassen. Vielmehr sollen Unternehmen dazu motiviert werden, den sozialen und ökologischen Herausforderungen der Zeit mit geeigneten Initiativen zu begegnen und deren Erfolg anhand von Kennzahlen regelmäßig zu überprüfen. „In puncto Nachhaltigkeit gilt die alte Beraterweisheit: Was nicht gemessen wird, kann man nicht verbessern“, sagt Michael Schnerring, Vice President Sales Sustainability Solutions bei Cority. „Ansonsten operiert man mit schwammigen Informationen, die wenig Möglichkeiten der Steuerung bieten.“
Der Mittelstand braucht bessere Daten
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU verpflichtet ab 2024 viele Unternehmen dazu, jährlich über die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Mensch und Umwelt zu berichten. Lufthansa Industry Solutions (LHIND) und PAC haben 150 Firmen, überwiegend gehobene Mittelständler, im Rahmen einer Studie befragt, wie sie die für Environmental, Social & Governance (ESG) erforderlichen Daten sammeln, aufbereiten und auswerten. Demnach erstellt die Hälfte der Unternehmen bereits heute einen Nachhaltigkeitsbericht, teils ohne regulatorischen Druck. Ein weiteres Viertel plant eine ESG-Berichterstattung wegen der künftigen Pflicht. Zwei Drittel bewerten zudem das Risiko hinsichtlich der Nachhaltigkeit ihrer Zulieferer.
Dennoch stehen die Unternehmen weiterhin vor Herausforderungen: 80 Prozent bemängeln die Datenqualität. Der Hälfte fehlt die geeignete Datenbasis. Und zwei Drittel sorgen sich um die Datensouveränität. Für 68 Prozent der Befragten ist es zudem ein Problem, heterogene Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen. Doch nur so wird Nachhaltigkeit anhand geeigneter Kennzahlen messbar. 43 Prozent der Unternehmen nutzen KPIs, etwa für CO2-Emissionen, für Energie- und Ressourceneffizienz sowie für Recyclingquoten, um Nachhaltigkeit mit finanziellen Faktoren zu verknüpfen. Weil das manuelle Sammeln und Auswerten der Daten personal- und zeitintensiv ist, sind der Einsatz von Software-Tools und ein hoher Automatisierungsgrad sinnvoll. Für 41 Prozent der Unternehmen ist das Fehlen solcher Tools ein Problem.
Spezifische Software
In den vergangenen Jahren haben sich Spezialanbieter am Markt etabliert, die Unternehmen mit ihrer Software beim Nachhaltigkeitsmanagement unterstützen. Dazu zählen etwa Quentic (Berlin), Thinkstep (Stuttgart), Verso (München) oder WeSustain (Buxtehude). Mit deren SaaS-Anwendungen lassen sich Daten aus unterschiedlichen Systemen extrahieren, konsolidieren und auswerten, um Indikatoren wie CO2-Emissionen, Energieeffizienz oder Ressourcenverbrauch zu ermitteln. Thinkstep und WeSustain wurden inzwischen von den nordamerikanischen Mitbewerbern Sphera beziehungsweise Cority übernommen.
Durch die CSRD gewinnt dieses spezielle Marktsegment zusätzlich an Dynamik. Dort bewegen sich auch andere Anbieter wie etwa die Software-Riesen SAP und Salesforce, die spezifische Module für das ESG-Reporting anbieten. Auch die Hyperscaler stellen Services bereit, mit denen Unternehmen umweltrelevante Daten erfassen und analysieren können. Ein Beispiel dafür ist die Microsoft Cloud for Sustainability. Darüber hinaus haben Anwenderunternehmen und Dienstleister eigene Tools entwickelt.
In jedem Fall sind Organisationen, die ihre ökologische Bilanz methodisch verbessern und ihre Fortschritte anhand von Key Performance Indikatoren (KPIs) messen wollen, auf Software angewiesen. Anders wäre diese Arbeit wegen der großen Datenmengen kaum zu leisten. Excel- oder Google-Tabellen reichen dazu ab einer gewissen Unternehmensgröße nicht mehr aus. Da manuelle Prozesse viel Personal und Zeit erfordern, seien „der Einsatz von Tools und ein möglichst hoher Automatisierungsgrad bei der Erfassung und Aufbereitung der Daten unerlässlich“, erläutert Stephanie Hackenholt, Product Owner Customer Sustainability bei Lufthansa Industry Solutions (LHIND). Für eine aussagekräftige ESG-Berichterstattung spielt IT somit eine essenzielle Rolle.
Grüner durch IT
IT ist aber noch in anderer Hinsicht für die Nachhaltigkeit von Unternehmen relevant. So hilft ihnen Technologie dabei, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, wenn sie etwa Video-Conferencing nutzen, um Dienstreisen zu vermeiden, oder den Belegfluss vollständig digitalisieren, um Papier zu sparen. Denn Reporting allein macht Unternehmen nicht grüner. Ausgehend von ihrem Profil und Geschäftsmodell müssen sie sich spezifische Nachhaltigkeitsziele setzen und die Maßnahmen definieren, die geeignet sind, die Ziele zu erreichen. Die Maßnahmen können sich wiederum auf horizontale ebenso wie auf branchenspezifische Aspekte beziehen. In der Praxis werden dabei oft Konzepte aus dem Internet der Dinge (IoT) angewandt, wie etwa Smart Buildings, Smart Production oder Smart Logistics, um den Energie- und Ressourcenverbrauch zu senken.
Stand: 08.12.2025
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Solche Initiativen fügen sich also nahtlos in die Digitalisierungsstrategie von Unternehmen ein. Das eine wie das andere zielen in die gleiche Richtung. „Nachhaltigkeit wird durch die Digitalisierung zusätzlich befeuert“, betont Andreas Maslo, Gründer und CEO des ESG-Software-Pioniers Verso. Der Entrepreneur spricht von einem „Paradigmenwechsel in der Wirtschaft“.
Nachhaltigkeitsmanagement ist damit im Kern eine digitale Disziplin. Ihre Vorreiter sind große Organisationen. Schon bevor sie regulatorisch dazu verpflichtet waren, haben Konzerne damit begonnen, ihr soziales und ökologisches Engagement in Berichten zu dokumentieren und anhand von Daten zu belegen. Sie versprechen sich davon positive Effekte in puncto Image, Börsenwert, Rating und Attraktivität als Arbeitgeber.
Nachhaltige IT-Dienstleister
Folglich befassen sich bislang vor allem größere IT-Dienstleister, die das Enterprise-Segment bedienen, mit dem Themenkomplex. Sie beraten Kunden bei der Konzeption einer Nachhaltigkeitsstrategie, helfen ihnen bei der Auswahl geeigneter Technologien und unterstützen sie bei der Umsetzung. In der Studie „Leaders in Sustainability-related IT Consulting & Services in Europe“, die das Marktforschungsunternehmen PAC im März dieses Jahres vorgelegt hat, werden für den deutschen Markt unter anderem Atos, DXC, IBM, LHIND, NTT Data und T-Systems mit „Best in Class“ bewertet. Arvato Systems, Computacenter, Fujitsu, Materna, MSG und Reply haben das Prädikat „Excellent“ erhalten.
Nichtsdestotrotz steckt Nachhaltigkeitsmanagement nach Einschätzung von PAC noch weitgehend in den Kinderschuhen. Angesichts der zahlreichen Datenquellen und möglichen Ansatzpunkte entlang der Wertschöpfungskette von Unternehmen sei die Disziplin enorm komplex. Viele Anwender tun sich schwer damit, heterogene Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen. Zu dem Ergebnis kommt auch eine weitere Studie, die die Analysten in Kooperation mit LHIND erstellt haben und für die 150 Unternehmen, überwiegend aus dem gehobenen Mittelstand, befragt wurden (siehe Kasten). Eine weitere Herausforderung ist die Datenqualität.
Martin Wibbe, CEO bei Materna „Für ihre Nachhaltigkeitsprojekte brauchen Unternehmen vor allem Datentransparenz. Materna ist dafür ein guter Partner, weil wir die IoT-Logiken bei unseren Kunden verstehen, weil wir Data Scientists beschäftigen und daher in der Lage sind, aus den Daten die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.“
Bildquelle: Materna
Das Marktsegment entwickelt sich laut PAC allerdings schnell weiter. Bei Unternehmen bestehe großer Bedarf an externer Unterstützung, der weiter wachsen werde. Durch die CSRD kommt das Thema per Regulatorik auch in den Mittelstand. Allein in Deutschland sind etwa 15.000 Unternehmen mit 250 bis 500 Mitarbeitern ab dem Jahr 2026 verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen. Somit müssen sie sich spätestens im kommenden Jahr darauf vorbereiten, da die Daten von 2025 an zu erheben sind.
ESG ist Partnergeschäft
Mit Blick auf diesen Markt haben der Dortmunder IT-Dienstleister Materna und der ESG-Software-Anbieter Verso im März dieses Jahres eine Partnerschaft vereinbart. Gemeinsam wollen sie die „nachhaltige Transformation des Mittelstands“ vorantreiben. Im Rahmen der Zusammenarbeit nehmen die Westfalen das Produkt der Münchner in ihr Portfolio auf und unterstützen Kunden mit Beratungs- und Integrationsleistungen dabei, „ein wirksames Nachhaltigkeitsmanagement“ aufzubauen. Die Partnerschaft ist allerdings nicht exklusiv. Je nach Kundenanforderung setzt Materna in Projekten auch einschlägige Technologien von SAP, Microsoft oder AWS ein. Das Unternehmen beschäftigt ein wachsendes Team von Nachhaltigkeitsberatern und deckt mit seinen 3.700 Mitarbeitern ein breites Spektrum an IT- und Branchenkompetenz ab.
„Für ihre Nachhaltigkeitsprojekte brauchen Unternehmen vor allem Datentransparenz“, führt Martin Wibbe, CEO bei Materna, aus. Der Dienstleister sei dafür ein guter Partner, weil er die IoT-Logiken bei Kunden verstehe, weil er Data Scientists beschäftige und daher in der Lage sei, aus den Daten die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. „Unternehmen können nur dann Entscheidungen darüber treffen, wie sie ihren CO2-Footprint reduzieren, wenn sie die Basis kennen. Und dabei können wir ihnen helfen.“ Auf Kundenseite adressiert Materna neben Konzernen und öffentlicher Verwaltung primär den gehobenen Mittelstand ab einer Umsatzgröße von 250 Millionen Euro.
Wer hilft dem Mittelstand?
Die Berichtspflicht beginnt indes bei einer Umsatzgröße von 40 Millionen Euro. Für viele Unternehmen, die künftig unter die CRSD fallen, ist ein regionales Systemhaus der erste Ansprechpartner in allen IT-Fragen. Stand heute dürfte im klassischen Channel jedoch kaum ein Unternehmen ausreichend Kompetenz besitzen, seine Kunden bei der „nachhaltigen Transformation“ zu begleiten – abgesehen von ganz großen wie etwa Bechtle. Die Gruppe mit Hauptsitz in Neckarsulm erstellt bereits seit 2015 einen ESG-Bericht und setzt intern für alle Gesellschaften die Software von WeSustain ein. Die Frage ist, wann Bechtle mit der so gewonnenen Expertise nach außen am Markt auftreten wird.
Nachhaltigkeit war für Systemhäuser bislang vor allem relevant, wenn es um Green IT ging. Ressourcen schonen, umweltfreundliche Materialien einsetzen, den Energieverbrauch im Betrieb senken, das sind wesentliche Aspekte des Themas, das seit einigen Jahren verstärkt durch Hersteller vorangetrieben wurde. Die ITK-Branche trägt nach Schätzung der Initiative ICTFootprint.eu allerdings nur vier Prozent zu den gesamten CO2-Emissionen in Europa bei. Die Klimabilanz umfassend – über horizontale Sektoren wie Gebäude und Verkehr sowie über andere Industriezweige hinweg – zu verbessern, stellt somit die weit größere Herausforderung dar.
Martin Hörhammer, CEO bei Medialine „Wir bieten aktuell noch keine Implementierung von ESG-Software an, und wir planen auch nicht, inhaltliche Beratung zu leisten. Stattdessen werden wir eher mit Beratungshäusern zusammenarbeiten, die dem Mittelstand helfen, die Grundlagen einer ESG-Strategie zu entwickeln, und kommen dann mit der Software, wenn die Basis gelegt ist.“
Bildquelle: Nicole Friederichs Fotografie
Mittelständische Häuser dürften jedoch auf absehbare Zeit kaum in der Lage sein, Kunden ganzheitlich bei der Einführung eines Nachhaltigkeitsmanagements zu unterstützen. Üblicherweise befassen sich mit solchen Projekten interdisziplinäre Teams, die sich aus Nachhaltigkeitsexperten, Data Scientists, Cloud-Architekten, Beratern und Software-Entwicklern zusammensetzen. Am wahrscheinlichsten ist daher, dass Systemhäuser, wenn sie sich dem Thema widmen, mit anderen Dienstleistern zusammenarbeiten werden.
Kooperation mit Beratungshäusern
Die Notwendigkeit, in puncto Nachhaltigkeit mit anderen zu kooperieren, sieht auch Martin Hörhammer, CEO der Medialine Group mit Hauptsitz in Bad Sobernheim. So beobachtet der IT-Profi, dass derzeit vor allem IT-Dienstleister mit tiefer Expertise bei Business-Anwendungen damit beginnen, ESG-Software bei Kunden zu implementieren. „Wir schätzen das als positive Entwicklung ein.“ Die Rheinland-Pfälzer bieten diese Leistungen selbst bislang noch nicht an, und sie planen auch nicht, Kunden inhaltlich zu beraten. „Stattdessen werden wir eher mit Beratungshäusern zusammenarbeiten, die dem Mittelstand helfen, die Grundlagen einer ESG-Strategie zu entwickeln, und kommen dann mit der Software, wenn die Basis gelegt ist.“
Bei Medialine besitze Nachhaltigkeit seit jeher hohen Stellenwert, betont Hörhammer. Beispiele dafür sind laut Website die Firmenzentrale, die den Green-Building-Standards entspricht und 70 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen bezieht, sowie die Rechenzentren, die im Gebäude eines Frankfurter Colocation-Anbieters mit Ökostrom betrieben werden und auf eine Power Usage Effectiveness (PUE) von 1,25 kommen. „Nachhaltigkeit wird eines der größten Themen der nächsten Jahre, weswegen wir unsere Bemühungen immer weiter intensivieren.“ Nicht zuletzt dokumentiert die Gruppe, die 500 Mitarbeiter beschäftigt, ihr soziales und ökologische Engagement in einem Bericht.
Wolfgang Meier, Geschäftsführer bei TakeNet „Wir sind stark grün orientiert. Corporate Social Responsibility war für uns seit der Gründung wichtig, und dafür stehen wir als Systemhaus. Deshalb treibt uns seit einigen Jahren um, wie wir unseren eigenen CO2-Footprint verringern können. Grundsätzlich versuchen wir alles, was wir selbst tun, auch unseren Kunden anzubieten und sie dabei mitzunehmen.“
Bildquelle: TakeNet
So wie für Martin Hörhammer und seinen Bruder Stefan, COO bei Medialine, ist Nachhaltigkeit inzwischen für viele ihrer Kollegen aus dem Channel ein Anliegen. Das Bewusstsein der Dringlichkeit, etwas gegen den von Menschen verursachten Klimawandel zu unternehmen, wächst und viele setzen dazu zunächst beim eigenen Unternehmen an. Als der Systemhausverbund iTeam vor zwei Jahren eine Arbeitsgruppe zum Thema ins Leben rief, rechneten die Initiatoren mit 15 Interessenten. Tatsächlich wurden es 40.
Vom Qualitätsmanagement zu ESG
Was Erfahrung mit ESG anbelangt, ist das Systemhaus TakeNet aus Würzburg nach Aussage von Kollegen deutlich weiter als viele andere. Das 25-köpfige Unternehmen ließ sich vor zwei Jahren nach dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) zertifizieren und hat seine Fortschritte beim Nachhaltigkeitsmanagement in diesem Jahr zum dritten Mal in einem Bericht dokumentiert. Im Zuge des Prozesses hat es Potenziale identifiziert und etwa die Versorgung des Firmenbüros auf erneuerbare Energien umgestellt und den Stromverbrauch im Rechenzentrum gesenkt.
„Corporate Social Responsibility war für uns seit der Gründung wichtig, und dafür stehen wir als Systemhaus“, begründet Wolfgang Meier, Geschäftsführer bei TakeNet, den Einsatz für die Umwelt. „Deshalb treibt uns seit einigen Jahren um, wie wir unseren eigenen CO2-Footprint verringern können.“ Bei EMAS handelt es sich um ein Instrumentarium, das die EU entwickelt hat. Es basiert auf ISO 14001 und soll Unternehmen dabei unterstützen, ihre ökologische Bilanz stetig zu verbessern.
Das Beispiel zeigt zugleich, wie wichtig methodische Kompetenz für das Nachhaltigkeitsmanagement ist. TakeNet verstehe sich primär als Dienstleister, erläutert Meier. Das Team sei geschult, in Prozessen zu denken, und berate Kunden auch konzeptionell. Schon 2003 führten die Franken ein Qualitätsmanagement ein. 2009 ließen sie sich als Vorreiter in Würzburg nach der Security-NormISO 27001 zertifizieren. Nach dem erfolgreichen Öko-Audit kann sich der Geschäftsführer vorstellen, mit dieser Erfahrung auch andere Unternehmen zu unterstützen. „Grundsätzlich versuchen wir alles, was wir selbst tun, auch unseren Kunden anzubieten und sie dabei mitzunehmen.“ Die Fähigkeit von TakeNet, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu managen, sollte man nicht unterschätzen. Für ESG ist sie ein Muss.