Channel Fokus: IoT Schaltkreis küsst Schaltschrank – IT & OT forever

Von Alexander Siegert 7 min Lesedauer

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OT und IT – ein Duo, das seit Jahren als Traumpaar gehandelt wird. Technologisch perfekt aufeinander abgestimmt, stolpern sie dennoch über bürokratische Hürden und alte Gewohnheiten. Zur Lösung kommt es auf die richtigen Partner an.

Ein gelungenes Ensemble aus Industrie, IT-Herstellern, Dienstleistern und KI haucht IoT-Projekten neues Leben ein.(Bild:  Panupan - stock.adobe.com / KI-generiert)
Ein gelungenes Ensemble aus Industrie, IT-Herstellern, Dienstleistern und KI haucht IoT-Projekten neues Leben ein.
(Bild: Panupan - stock.adobe.com / KI-generiert)

Die Annäherung von Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) ist keine neue Entwicklung. In der Industrie wird sie bereits seit Jahren diskutiert und nimmt pünktlich zum Start der Hannover Messe Fahrt auf. Doch oft blieben die beiden Bereiche durch unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Strukturen getrennt. Während OT für stabile, bewährte Produktionsprozesse sorgt, zeichnet sich IT durch hohe Innovationsgeschwindigkeit, Datenanalyse und Cybersecurity aus. Erst mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen wird klar: Beide Disziplinen müssen enger zusammenarbeiten, denn so richtig lieb scheinen sich OT und IT oft noch nicht zu haben.

Dienstleister müssen überzeugen

Viel Überzeugungsarbeit für die Konvergenz von OT und IT in Unternehmen leisten Dienstleister wie die SAP-­Spezialisten der All for One Group. Sie spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Produktion zu unterstützen. Hierzu benötigen sie viele und qualitativ hochwertige Unternehmensdaten. Für CEO Michael Zitz liegt der Mehrwert klar auf der Hand: „Wie kann ich Maschinendaten im Shopfloor nicht nur auslesen, sondern sie auch in den richtigen Kontext setzen – also in mein ERP-System integrieren? So lassen sich Daten auswerten, Vorhersagen treffen und Prozesse überwachen, um effizienter zu werden.“ Mit ihrem Service Conversion/4 hilft All for One Unternehmen dabei, auf SAP S/4HANA umzusteigen. Das Ziel: eine flächendeckende Digitalisierung der Produktion. S/4HANA fungiert dabei als Single Source of Truth, in der alle Informationen zusammenlaufen. So können Unternehmen ihre Entscheidungen in der Produktion in Echtzeit auf Basis aktueller Daten treffen.

Wie kann ich Maschinendaten im Shopfloor nicht nur auslesen, sondern sie auch in den richtigen Kontext setzen – also in mein ERP-System integrieren? So lassen sich Daten auswerten, Vorhersagen treffen und Prozesse überwachen, um effizienter zu werden.

Michael Zitz, Vorstandssprecher und CEO der All for One Group

Cybersecurity und Restrisiko

Parallel dazu ergeben sich auch neue Herausforderungen – insbesondere in den Bereichen Cybersicherheit, Datenmanagement und Compliance. Die Integration von OT in bestehende IT-Infrastrukturen schafft zahlreiche neue Schnittstellen, die es vor Cyberangriffen und Systemausfällen zu schützen gilt. Laut eines Reports der OT-Security-Experten von Dragos stiegen allein die Ransomware-Angriffe auf industrielle Organisationen 2024 um 87 Prozent. Auf europäische Unternehmen fielen laut Dragos 25 Prozent der Ransomware-Attacken. Ein großes Problem ist die fehlende Einsicht in alle OT-Assets. Die Dragos-Plattform will industrielle ­Steuerungssysteme (ICS/OT) vor Cyberangriffen schützen. Sie erkennt automatisch alle Geräte und Verbindungen im OT-Netzwerk und überwacht diese kontinuierlich auf Bedrohungen. Mithilfe von spezialisierter ICS Threat Intelligence identifiziert die Plattform gezielte Angriffe und Sicherheitslücken. Im Falle eines Vorfalls unterstützt Dragos bei der schnellen Analyse und Reaktion. Zudem hilft die Plattform, Sicherheitsberichte zu erstellen und regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Andreas Dold, Industry Manager Maschinen- und Anlagenbau, All for One Group(Bild:  All for One Group)
Andreas Dold, Industry Manager Maschinen- und Anlagenbau, All for One Group
(Bild: All for One Group)

Natürlich muss die Sicherheit bei der Konvergenz von OT und IT als übergeordnete Priorität betrachtet werden. Für die All for One jedoch kein Grund, sich vor ambitionierten IoT-Projekten zu drücken: „Natürlich bleibt auch bei der besten Cybersecurity ein Restrisiko bestehen. Irgendwann muss ich mir jedoch die Frage stellen: Überwiegt der Mehrwert das Restrisiko? Genau das gilt es transparent zu machen“, beschreibt Andreas Dold, Industry Manager Maschinen- und Anlagenbau, die Aufgabe des Dienstleisters. Ein Gamechanger für diese Herausforderung ist natürlich KI. KI hilft dabei, IoT- und OT-Geräte automatisch und zuverlässig in komplexen Umgebungen zu erkennen. Dadurch entsteht ein vollständiges und aktuelles Bild aller vernetzten Assets. Gleichzeitig ermöglicht KI die effiziente Segmentierung und Kontrolle dieser Geräte, um Sicherheits­zonen einzurichten und potenzielle Angriffsflächen zu minimieren. Durch kontinuierliche Analyse von Bedrohungen kann KI Sicherheitsrichtlinien dynamisch anpassen und auf aktuelle Risiken reagieren.

„Eine häufige Hürde, die ich sehe, ist das Fehlen passender Use Cases, um solche Projekte intern voranzutreiben. Oft werden IoT und Digitalisierung aus einer rein technologischen Perspektive angegangen – ohne klaren Business Case dahinter. Dadurch lassen sie sich weder der Geschäftsführung noch dem Endkunden überzeugend verkaufen, und viele dieser Projekte scheitern schließlich“, berichtet Andreas Lehner, Head of Innovation, von der All for One Tochter Blue-Zone, bei der größtenteils IoT-Projekte liegen.

Hannover Messe 2025

Vom 31.03. bis 04.04.2025 findet unter dem Motto „Energizing a sustainable industry“ die Hannover Messe statt. Es werden über 4.000 Aussteller und 130.000 Besucher erwartet. Die Schwerpunktthemen sind in diesem Jahr: Smart Manufacturing, KI in der Industrie, Digital Ecosystems, Energy for Industry, Engineered Parts & Solutions, Compressed Air & Vacuum und Future Hub. Partnerland ist Kanada.
Viel Raum wird in diesem Jahr das Thema IT/OT-Sicherheit bei der Digitalisierung der Industrie mit einer eigenen Ausstellung einnehmen. Auf der Industrial Security Circus Stage teilen Experten ihr Wissen zu Cybersecurity, KRITIS und NIS2.

OT-/IT-Konvergenz bleibt komplex

Auch die ACP Gruppe betrachtet OT als einen wichtigen Wachstumsmarkt. Werner Schwarz, Director Strategy & Technology, betont die zunehmende Bedeutung und Herausforderungen. Die Strategie von ACP umfasst die nahtlose Integration von OT-Systemen über alle Architekturebenen hinweg – von Hybrid Cloud und Network Security bis hin zu industriellen KI-Use-­Cases.

Werner Schwarz Director Strategy and Technology, ACP(Bild:  ACP)
Werner Schwarz Director Strategy and Technology, ACP
(Bild: ACP)

Doch warum passiert in der Praxis oft so wenig? Schwarz nennt eine wesentliche Herausforderung: „Die OT-/IT-Konvergenz ist ein komplexer Prozess, da OT-­Systeme oft proprietär und heterogen sind. Während im Bereich Network & Security durch Netzwerktrennung Fortschritte erzielt wurden, bleibt die tiefgehende technische Integration eine Herausforderung.“ Auch Regulierungen der NIS2 und KRITIS zwingen Unternehmen zum Handeln. Dienstleister wie ACP sehen darin große Geschäftschancen und setzen auf strategische Partnerschaften mit IT- und OT-Herstellern, um Lösungen zur Netzwerksicherheit und Bedrohungserkennung bereitzustellen.

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Wachstumsmarkt für die Distribution

Ähnlich verhält es sich auch mit einem weiteren bekannten Wingman der IT/OT-Konvergenz – der Distribution. Auch sie sieht gute Geschäftsmöglichkeiten. „Das Marktpotenzial wird von Westland Advisory bis 2030 auf weltweit 128 Milliarden US-Dollar beziffert. Dabei entfallen auf Europa durch seine kritischen und produktiven Infrastrukturen ein Anteil von 26 Prozent, also etwa 31 Milliarden Euro“, berichtet Patrick Scholl, Head of OT bei Infinigate. OT-Security stelle im Kontext von globalen Konflikten und Wettbewerb ein wichtiges Element der Absicherung von kritischen Infrastrukturen und Produktionen dar, so dass sich für den Distributor große Wachstumschancen ergeben. Nötig sei das eigene vierköpfige OT-Team wegen der gestiegene Nachfrage der Channel-Partner und der umfangreichen gesetzlichen Vorgaben: „Die gesetzlichen Regelungen NIS2, CRA oder DORA haben in Unternehmen zu einer deutlichen Sensibilisierung geführt, die Bedeutung und Verantwortlichkeit weiterer Stakeholder aus Produktion, Einkauf, IT-Dienstleistung sowie Anlagen- und Maschinenbau werden verstanden“, so Scholl.

Patrick Scholl, Head of OT, Infinigate(Bild:  Inifinigate)
Patrick Scholl, Head of OT, Infinigate
(Bild: Inifinigate)

Tatsächlich sei in den letzten zwei Jahren sehr viel auf dem Gebiet passiert. „Da Anbieter sowohl aus dem Bereich der IT-Security also auch aus dem industriellen Netzwerkumfeld das Thema umsetzen, können wir als Infinigate auf ein Portfolio aus inzwischen über einem Dutzend Herstellern mit spezifischen OT-Lösungen und -Services zurückgreifen, die die jeweiligen Anforderungen der Betreiber, Integratoren und Provider erfüllen“, beschreibt Scholl die Chancen. Infinigate ist momentan der einzige Distributor in Deutschland, der über eine anerkannte Spezialisierung im Bereich Fortinet OT verfügt. Um die Spezialisierung im Bereich Fortinet OT zu erlangen, qualifizierte sich das deutsche OT-Team in den Bereichen der aktuellen Gesetzgebungen NIS-2 und CRA, der Norm IEC62443, der industriellen Protokolle und Anforderungen sowie den Fortinet OT-Lösungen. Die Integration von OT und IT ist auch für Scholl vor allem beim Thema Security kein leichtes Unterfangen: „Insgesamt betrifft die OT-Security mehr Stakeholder als die IT-Security, da der ganzheitliche Ansatz Leitungsorgane sowie Produktions-, Compliance-, Einkaufs- und HR-Verantwortliche tangiert – und es erfordert spezialisiertes Wissen. Aufgrund des Fachkräftemangels ist es für viele Unternehmen schwierig, qualifiziertes Personal zu finden oder intern weiterzubilden.“

Sichere Stromversorgung

Ein oft unterschätzter Faktor in der IT/OT-Integration ist die Stromversorgung. USV-Systeme können hier ein entscheidendes Bindeglied sein. „Damit Prozesse und Anlagen insbesondere in der Fertigung und Industrie störungsfrei gesteuert werden können, müssen Sensordaten zuverlässig an Steuerungssysteme wie PCs oder Server übertragen werden“, erklärt Andreas Bichlmeir, Vorstand bei Online USV-Systeme. Stromschwankungen gefährden dabei sowohl IT- als auch OT-Systeme, was im schlimmsten Fall zu Produktionsausfällen und Sicherheitslücken führt. „Unsere USV-Anlagen sichern die Spannungsversorgung aller in der Datenkette beteiligten Geräte ab, vom Sensor über Router und Switch bis hin zum PC oder Server. So minimieren wir das Risiko von Ausfällen und sorgen für eine stabile, harmonische Kommunikation zwischen OT und IT“, so Bichlmeir.

Andreas Bichlmeir, Vorstand der ONLINE USV-Systeme AG (Bild:  ONLINE USV-Systeme AG)
Andreas Bichlmeir, Vorstand der ONLINE USV-Systeme AG
(Bild: ONLINE USV-Systeme AG)

Woran hapert es da noch? „OT sorgt für sichtbare Prozesse, IT für unsichtbare Sicherheit – und genau darin liegt ihr Konflikt. Beide verfolgen dasselbe Ziel, doch ihre Herangehensweisen könnten unterschiedlicher nicht sein“, erklärt Bichlmeier die schwierige Beziehung. Während OT sichtbare Prozesse optimiert und direkt die Produktivität beeinflusst, arbeitet IT im Hintergrund, sorgt für Datensicherheit und arbeitet gerne mit theoretischen Annahmen oder Bedrohungen. „In der Praxis führt das häufig zu unterschiedlichen Priorisierungen und Handlungswünschen“, so Bichlmeier.

Mentalitätswandel nötig

Langfristig muss nicht nur die technologische Integration vorangetrieben werden, sondern vor allem ein Umdenken in den Unternehmen. Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt nicht allein in der technischen Machbarkeit, sondern vor allem in der kulturellen Annäherung beider Welten. Wenn es Unternehmen gelingt, IT- und OT-Teams gemeinsam mit den Partnern auf ein gemeinsames Ziel auszurichten, dann kann das Zusammenspiel von Schaltkreis und Schaltschrank eine flächendeckende Erfolgsgeschichte werden.

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