Lünendonk-Studie S/4-Hana-Trouble und dann auch noch Corona

Autor Dr. Stefan Riedl

In Kürze müssen tausende SAP-Projekte hin zur S/4-Hana-Technologie abgearbeitet werden. Der Trend zur Remote-Arbeit durch die Corona-Gemengenlage ändert die Natur der anstehenden Projekte zugunsten von Cloud-Technologie.

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Dieser Screenshot eines SAP-Systems aus dem Jahr 1990 zeigt eine „Liste der Vorgänge mit Verzug“. Dieser Tage könnte dort die S4/Hana-Umstellung aufgelistet sein.
Dieser Screenshot eines SAP-Systems aus dem Jahr 1990 zeigt eine „Liste der Vorgänge mit Verzug“. Dieser Tage könnte dort die S4/Hana-Umstellung aufgelistet sein.
(Bild: SAP)

Zigtausend Projekte zur In-Memory-Technologie im SAP-Umfeld rollen aufgrund ­eines anstehenden Support-Endes an. Branchenkenner sprechen von über 50.000 SAP-S/4-Hana-Umstellungsprojekten, die in den kommenden sieben Jahren in Deutschland anstehen. Altsysteme müssen stillgelegt, alte Datenbestände gerettet und ausgewählte Daten überführt werden. Und das in einem Marktumfeld, in dem SAP-Spezialisten, die genau so etwas können, nicht gerade dicht gesät sind. Im Gegenteil: Dieses Spezialisten-Knowhow für die ­Umstellung auf In-Memory-Technologie ist Mangelware. Obendrauf kommen weitere Erschwernisse aufgrund der Corona-Maßnahmen.

Studie von Lünendonk

Zwar werden S/4-Hana-Umstellungen auch während der Corona-Zeit in den IT-Abteilungen hoch priorisiert und zu einem großen Teil fortgesetzt, allerdings „mit verändertem Scope“, also Umfang, wollen die Marktforscher von Lünendonk in einer ­aktuellen Studie herausgefunden haben.

Schenkt man dem Paper „S/4-Hana-Umstellung: Status quo, Planungen und Roadmap zur ERP-Modernisierung in der Corona-Pandemie“ Glauben, dann möchten 87 Prozent der SAP-Kunden bis 2025 die S/4-Hana-Transformation abgeschlossen haben. Die Cloud soll dabei allerdings eine größere Rolle spielen, als dies in der Vergangenheit geplant war.

Projekte gestoppt und verlangsamt

39 Prozent der befragten Unternehmen ­haben demnach immerhin aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen durch die Corona-Krise ihre Pläne zur S/4-Hana-­Umstellung verändert. Knapp die Hälfte (46 %) von ihnen gab an, die Umstellung nach Ausbruch der Corona-Krise verlangsamt oder die Projekte aus Kostengründen vorerst gestoppt zu haben. Die verblei­bende Mehrheit der Unternehmen will mit Hilfe von S/4-Hana den neuen Anforderungen gerecht werden, beispielsweise in Hinblick auf eine veränderte Homeoffice-Kultur. Infolgedessen forcierten 64 Prozent 2020 die Umstellung; vor allem, um die ERP-Prozesse auf die veränderten Anforderungen der Fachbereiche neu auszurichten. Ein weiterer Aspekt in diesem Zu­sammenhang ist für 54 Prozent der Unternehmen die bessere Unterstützung beim Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen durch ein modernes ERP-System.

Status der Umstellungen

Der Blick auf den Status der S/4-Hana-Umstellung zur Jahresmitte 2020 zeichnet laut der Studie ein ambivalentes Bild: 44 Prozent der befragten Unternehmen haben ­ihre ERP-Umstellung bereits komplett oder teilweise abgeschlossen. Nur vier Prozent der Teilnehmer haben 2020 mit der Implementierung komplett neu begonnen – was auf eine geringe Zahl an Neukunden schließen lässt. Immerhin 31 Prozent der Unternehmen standen Mitte des Jahres 2020 ­unmittelbar in den Startlöchern. „Diese Unternehmen werden voraussichtlich innerhalb der nächsten Monate mit den ­Implementierungen beginnen“, so Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder und Studienautor, zu den Ergebnissen. Allerdings wollen auch neun Prozent der befragten Unternehmen ihre S/4-Hana-Umstellungen vorerst zurückstellen und nicht weiterverfolgen.

Mehr Homeoffice und mehr Cloud

Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent der befragten Unternehmen, die mit ihren S/4-Hana-Planungen bereits weit fortgeschritten sind, setzt für den ERP-Betrieb auf die Hybrid Cloud (2019: 14 %). Einen reinen Betrieb von S/4-Hana planen dagegen nur noch 21 Prozent der Unternehmen. Das Gros der Firmen möchte „mit der ERP-Umstellung die Chance ergreifen, Prozesse zu beschleunigen und zu verbessern sowie die Flexibilität der ERP-Landschaft insgesamt zu erhöhen“, resümiert Zillmann.

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