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50 Mannjahre Entwicklungszeit Rechtskonforme Einbindung von Freelancern einfach gemacht

| Autor: Sarah Gandorfer

Ein Fehler im Vertragswerk mit Freiberuflern kann teuer werden. Prime-ing hat deshalb eine Softwareplattform entwickelt, welche eine Lösung für das rechtskonforme Management externer Lieferanten und Freelancer auf Basis fest definierter Workflows bietet.

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Die gesetzliche Regulierung will Geringverdiener schützen, birgt jedoch bei der vergleichsweise geringen Zahl an sehr gut verdienenden IT-Freelancern oder Ingenieuren Stolperfallen.
Die gesetzliche Regulierung will Geringverdiener schützen, birgt jedoch bei der vergleichsweise geringen Zahl an sehr gut verdienenden IT-Freelancern oder Ingenieuren Stolperfallen.
(Bild: Andrey Popov - stock.adobe.com)

Christoph Sedlmeir, CEO Prime-ing
Christoph Sedlmeir, CEO Prime-ing
(Bild: Prime-ing)

Ein unsauberer Werksvertrag mit einem IT-Freelancer kann teuer, wenn nicht sogar strafbar werden. Während es bis 2017 noch möglich war im Nachgang diesen Fehler durch eine Arbeitnehmerüberlassung zu korrigieren, fällt diese Option nun weg. Sowohl Freiberufler wie auch Arbeitgeber sind sich nun unsicher hinsichtlich der Rechtslage. Zumal oft Agenturen dazwischen geschaltet sind, die sich darum kümmern den passenden Spezialisten für eine Stelle zu suchen und mit diesem auch einen Vertrag gestalten, dann aber nichts mehr mit dem Projekt zu tun haben. Doch oft ergeben sich während des Projekts Fragen, ob plötzlich auftauchende Aufgaben eigentlich noch vom Vertrag abgedeckt sind und bestimmte Weisungen überhaupt erlaubt sind.

Kein Wunder also, dass einige Firmen sich mittlerweile davor scheuen, Freiberufler anzustellen. Ein prominentes Beispiel ist Vodafone. Das Unternehmen schrieb seine Lieferanten in einer E-Mail im Juli 2019 folgendermaßen an: „Wir möchten Sie darüber informieren, dass Vodafone ab sofort und bis auf Weiteres den Einsatz von Freelancern zur Vertragserfüllung nicht mehr gestattet. [...] Unter Freelancern verstehen wir Fremdpersonal ohne festes Anstellungsverhältnis, für die kein Arbeitgeber die gesetzlichen Pflichtbeiträge etc. abführt.“ Dabei droht der TK-Anbieter mit Rückforderungen bei Zuwiderhandlung.

Selbst deutsche Behörden schaffen es manchmal nicht rechtskonform bei der Ausschreibung von Rahmenverträgen zu agieren, weiß Christoph Sedlmeir, CEO Prime-ing. Er beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Problem. „Gerade große veröffentlichte Ausschreibungen für Rahmenverträge von deutschen Behörden für Entwicklungs- oder Beratungsdienstleistung im Dienst- oder Werkvertrag erstaunen mich, da schon in den Ausschreibungsunterlagen die Dispositionsfreiheit von Auftragnehmern eingeschränkt wird. Der ausgeschriebene Rahmenvertrag mit den Behörden beinhaltet Regeln wo in der Anbahnung einzelne Beraterprofile gefordert werden, Erfüllungsgehilfen, wie zum Beispiel Freelancer, vom Auftraggeber ausgesucht und auf Wunsch ausgetauscht werden müssen. Das sind alles harte Argumente für eine Arbeitnehmerüberlassung und entsprechen nicht den Anforderungen im Sinne der Rechtsprechung für Dienst- oder Werkverträge, wo zum einen die Leistungsbeschreibung und zum anderen der Werkerfolg im Fokus steht und nicht an einer einzelnen Person hängen darf.“ Bereits diese Fehler in der Anbahnung eines Projektes lassen laut Sedlmeir gravierende Fehler in der Durchführungsebene vermuten, wenn es um die Themen Eingliederung und Weisung geht. Eine saubere Gestaltung der Verträge sei die Grundvoraussetzung. Mindestens genauso wichtig sei jedoch die Durchführungsebene in der direkten Zusammenarbeit zwischen allen Stakeholdern in einem Projekt.

Relax als Kollaborationsplattform

Beim Managed Service Provider Prime-ing hat man sich deshalb daran gesetzt und ein Tool entwickelt, das Verträge mit Freiberuflern dem deutschen Recht entsprechend abwickelt. Das Expertenwissen vieler Anwälte sowie rund 50 Mannjahre Entwicklungszeit sind in die Software für „Relax“ eingeflossen. Relax steht für „Relation Xcellence“.Über das Tool können Dienstverträge und Werkverträge abgewickelt werden. Als Kollaborationsplattform bringt es alle Beteiligten eines Vertrags zusammen: Vermittlungsagenturen, Auftraggeber, Auftragnehmer, die Mitarbeiter des Auftragnehmers sowie etwaige Sublieferanten wie Freelancer.

Vordefinierte Workflows garantieren, dass nur vertraglich relevante und rechtlich zulässige Interaktionen stattfinden können. Unerlaubte Weisungen von Auftraggebern an Auftragnehmer sind durch die Struktur ausgeschlossen. Weil die gesamte Kollaboration im Rahmen des Tools abgebildet wird, entsteht zudem eine lückenlose und jederzeit einsehbare Projektdokumentation. Schnittstellen zu SAP und ERP sind vorhanden. Abgerechnet wird mit einer umsatzabhängigen Gebühr. „Wir sind bisher das einzige Unternehmen, dass sich zu diesem Thema eine IT-Plattform überlegt hat, welche die deutsche Rechtslage im Werk- und Dienstvertrag zur Grundlage für eine sichere und produktive Zusammenarbeit macht“, sagt Sedlmeir.

Marktlage für IT-Freelancer

„Auch wenn es einen Fachkräftemangel am Markt gibt, so wird es für Freiberufler der IT-Branche merklich schwieriger das richtige Projekt zu finden“, erläutert der CEO die aktuelle Marktlage. Daran ist nicht alleine die Rechtsunsicherheit schuld, sondern ebenfalls die Tatsache, dass die Covid-19-Pandemie Entscheidungen im IT-Bereich verlangsamt – obwohl Digitalisierung gerade jetzt in aller Munde ist. Viele Firmen seien in der Krise jedoch nicht bereit, in neue Plattformen zu investieren.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS