Kampfansage an Intel, AMD und Apple Qualcomm kauft Nuvia für 1,4 Milliarden US-Dollar

Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Margrit Lingner

Kaum gegründet, schon übernommen: Nicht einmal zwei Jahre nach der Gründung geht das Start-Up Nuvia an Qualcomm. Der Chip-Riese zahlt 1,4 Milliarden US-Dollar für den vielversprechenden Prozessorspezialisten – und könnte damit in bislang von Intel, AMD und Apple besetztes Terrain vordringen.

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Nachbrenner: Snapdragon 888 ist Qualcomms derzeit leistungsfähigstes SoC für den Einsatz in 5G-Mobilgeräten. Die nächsten Snapgradon-SoCs sollen dank Nuvia-Technik deutlich schneller sein.
Nachbrenner: Snapdragon 888 ist Qualcomms derzeit leistungsfähigstes SoC für den Einsatz in 5G-Mobilgeräten. Die nächsten Snapgradon-SoCs sollen dank Nuvia-Technik deutlich schneller sein.
(Bild: Qualcomm)

Qualcomm hat bekannt gegeben, das 2019 gegründete Start-Up Nuvia für rund 1,4 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Nach eigenen Angaben entwickelt Nuvia besonders energieeffiziente CPU-Kerne, die sogar Apples neuste, erstaunlich stromsparenden Eigenentwicklungen übertreffen sollen. Das zog einige Risikokapital-Geldgeber an – die jetzt vermutlich eine gute Rendite erzielen werden: Nachdem Nuvia in einer zweiten Finanzierungsrunde erst Ende September 2020 240 Millionen US-Dollar eingeworben hatte.

Ein Grund für die enorme Anziehungskraft des jungen Unternehmens dürften dessen Gründer selbst sein: Williams III war zehn Jahre lang für die System-on-Chip-(SoC-)Entwicklung bei Apple verantwortlich. Als einer der führenden Branchenköpfe hat er die erfolgreichen, in iPhones und iPads eingesetzten Axx-Chips verantwortet. Manu Gulati hatte vor Nuvia dieselbe Position bei Google inne, und auch John Bruno arbeitete in führender Position bei der Prozessorentwicklung bei Google.

Snapdragon in Smartphones, Tablets, Notebooks, PCs und mehr

Diese geballte Brain-Power soll nun Qualcomms Snapdragon-SoC-Familie zugutekommen. Die Snapdragon-SoCs werkeln in unterschiedlichen Varianten hauptsächlich in Smartphones, Tablets und Automotive-Plattformen. Für „richtige“ Notebooks oder PCs reicht ihre Rechenleistung indes nicht aus. So liegen die bisherigen Snapdragons – auch der flotte Snapdragon 8cx – in Benchmarks deutlich hinter Intels Core-i-Prozessoren und AMDs Ryzen 4000U zurück – und noch weiter hinter Apples neuem, ARM-basierten M1.

Somit kann die Übernahme durchaus als Kampfansage an den ehemaligen Arbeitgeber von William III, aber auch an Intel und AMD verstanden werden: So haben Lenovo, Acer und Asus bereits angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit Qualcomm fortzusetzen und sowohl PCs als auch Notebooks auf der Basis der neuen Snapdragon-SoCs entwickeln zu wollen.

Noch dominieren Intel- und AMD-Prozessoren mit x86-Architektur diesen Markt klar. Doch wenn nach Apple weitere Hersteller auf andere CPU-Plattformen umschwenken, könnte das seit Jahren gefühlt zementierte Marktgefüge gehörig ins Rutschen geraten.

Nuvia-CPU voraussichtlich nicht als eigenständiges Produkt

Den von Nuvia im letzten Jahr angekündigten Highend-Prozessor wird es vermutlich nicht mehr als eigenständiges Produkt geben. Wahrscheinlich ist, dass Qualcomm die IP direkt in die eigene Produktfamilie integriert. Qualcomm formuliert es in der eigenen Pressemitteilung so: „Es wird erwartet, dass die Nuvia-CPUs in das breite Produktportfolio von Qualcomm Technologies integriert werden.“

Nach Angaben von Qualcomm beschleunigt 5G „die Konvergenz von Mobilität und Computertechnik weiter“. Das Unternehmen rechnet mit „schrittweisen Verbesserungen bei der CPU-Leistung und Energieeffizienz, um die Anforderungen der nächsten Generation von 5G-Computing zu erfüllen“.

Gerüstet mit den Nuvia-Prozessoren sieht sich Qualcomm gut positioniert, Snapdragon „als bevorzugte Plattform für die Zukunft des vernetzten Computings“ zu etablieren. Dann sollen die SoCs „Flaggschiff-Smartphones, Laptops der nächsten Generation und digitale Cockpits ebenso antreiben wie Fahrerassistenzsysteme, Augmented Reality und Infrastruktur-Netzwerklösungen“.

Computing neu definieren

„5G, die Konvergenz von Computer- und Mobilarchitekturen und die Ausweitung mobiler Technologien auf andere Branchen sind bedeutende Chancen für Qualcomm“, sagt Cristiano Amon, President und zukünftiger CEO von Qualcomm Incorporated. Gemeinsam mit Nuvia sei man sehr gut positioniert, um das Computing neu zu definieren und das eigene Ökosystem von Partnern „in die Lage zu versetzen, Innovationen voranzutreiben und eine neue Klasse von Produkten und Erfahrungen für die 5G-Ära zu liefern“.

Als Teil der Transaktion werden die Nuvia-Gründer Gerard Williams III, Manu Gulati und John Bruno sowie ihre Mitarbeiter zu Qualcomm wechseln. Williams ist überzeugt, dass das Unternehmen, das bei der CPU-Leistung die führende Rolle besetzt, auch die „nächste Ära der Computing-Innovation definiert und umsetzt“.

Der „Zusammenschluss beider Unternehmen“ – gemeint ist die Übernahme von Nuvia durch Qualcomm – würde die besten Ingenieurstalente, Technologien und Ressourcen der Branche zusammenbringen. Diese könnten „eine neue Klasse von High-Performance-Computing-Plattformen schaffen, die die Messlatte für unsere Branche setzen“.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Partnerportal Elektronik Praxis.

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