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Apple Event Intel ade: Apple stellt neue Macbooks mit ARM-Prozessoren vor

Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Margrit Lingner

Ehe-Aus nach 15 Jahren: Apple stellt am 10. November 2020 erste Macbooks mit eigenen Zentral-SoCs auf ARM-Basis vor – und trennt sich damit von Langzeitpartner Intel als Prozessorlieferant. Für Letzteren ist dies eine weitere Hiobs-Botschaft.

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Vereinheitlichung: Ein System-on-Chip auf ARM-Basis, wie er unter dem Namen Bionic im neuen iPhone 12 steckt, wird demnächst auch die Notebooks und Desktop-Computer von Apple antreiben. Sein Name: Apple Silicon.
Vereinheitlichung: Ein System-on-Chip auf ARM-Basis, wie er unter dem Namen Bionic im neuen iPhone 12 steckt, wird demnächst auch die Notebooks und Desktop-Computer von Apple antreiben. Sein Name: Apple Silicon.
(Bild: Apple)

Am Dienstag enthüllt Apple, was die Spatzen seit langem von den Dächern pfeifen: Der Technologieriese aus dem kalifornischen Cupertino wird erste Notebooks mit selbst entwickelten Hauptprozessoren vorstellen. Das berichtet unter anderem der in der Regel gut informierte Branchendienst Bloomberg. Damit geht eine Ära zu Ende: 15 Jahre lang hat Apple seine Macs ausschließlich mit Intel-Prozessoren ausgerüstet.

Für den 10. November 2020 hat Apple eine Online-Veranstaltung mit dem Titel: „One more thing“ angekündigt. Mit diesem Satz hatte der legendäre Firmengründer Steve Jobs bei den jährlichen Produktpräsentationen das jeweilige Highlight angekündigt. Dieses Mal scheint es so gut wie sicher, dass damit Macbooks gemeint sind, die mit von Apple selbst entwickelten System-on-Chip-Bausteinen (SoC) angetrieben werden. Diese schlicht „Appel Silicon“ genannten Chips basieren zum Teil auf der Prozessorarchitektur von ARM, enthalten aber auch vollständig selbst entwickelte Grafik- und Machine-Learning-Engines. Bereits seit einigen Jahren setzt Apple derartige SoCs mit der Bezeichnung „Bionic“ in seinen iPhones und iPads ein.

Nach Angaben von Bloomberg sind zunächst drei Macbooks geplant: Zwei „Macbook Pro“-Modelle mit 13 und 16 Zoll Displays sowie ein neues „Macbook Air“. Der chinesische Foxconn-Konzern (auch „Hon Hai Precision Industry“) fertigt demnach die kleineren Modelle, während Quanta Computer das Pro-Modell zusammenschraubt. Wie der Branchendienst meldet, sind zumindest die 13-Zoll-Macbooks bereits vorzeigbar. Äußerlich sollen sie den bisherigen Modellen entsprechen.

Ehemaliger Prozessor-Primus Intel gerät zunehmend unter Druck

Nach der angekündigten Übernahme von ARM durch Nvidia und der von Xilinx durch AMD ist die Abkehr von Apple eine weitere Hiobsbotschaft für Intel. Zwar machen Macs nur rund 10 Prozent des PC-Marktes aus, allerdings gelten die Apple-Computer als besonders fortschrittlich und transportieren den Nimbus der Technologieführerschaft auch für die eingesetzten Komponenten. Die genannten Akquisitionen nehmen Intel hingegen in seinem Kerngeschäft in die Zange: Server für Rechenzentren.

Anzunehmen ist, dass die Apple-Mac-SoCs wie auch die neuen A14-Bionic-Chips für die iPhones und iPads im 5-nm-CMOS-Prozess mit hochmoderner EUV-Technik (Extreme Ultra-Violet) bei TSMC gefertigt werden. Dafür spricht, dass sich Apple für 2020 offenbar alle verfügbaren Produktionskapazitäten bei der „Taiwan Semiconductor Manufacturing Company“ gesichert hat – das berichtet unter anderem der taiwanische Branchendienst DigiTimes unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld von TSMC.

Konkret sind die Bionics-SoCs die ersten Großserienprodukte weltweit, die in diesem Verfahren entstehen. Der frühere Fertigungs-Technologieführer Intel hinkt nach dem Debakel mit seinem 10-nm-Prozess in Punkto Fertigungsverfahren mittlerweile TSMC und Samsung hinterher.

5-nm-CMOS-Prozess für kleine, energieeffiziente Chips

Wichtig zu wissen: Die Prozesstechniken lassen sich nicht 1:1 anhand der Knotengrößen vergleichen. So erreicht Intel mit seiner aktuellen 14-nm-Technik (14+++) ähnliche Strukturgrößen für einzelne Transistoren auf dem Substrat wie TSMC mit seiner 7-nm-N7-Technik. Allerdings ist TSMC offenbar in der Lage, die Transistoren erheblich dichter nebeneinander zu packen. Im 5-nm-Prozess soll die Dichte knapp 168 Millionen Transistoren pro Quadratmillimeter betragen, berichtet Hardwareluxx.de. Intel schafft demnach etwas mehr als die Hälfte mit seinem 10-nm-Verfahren.

TSMC propagiert für seinen 5-nm-Prozess gegenüber dem 7-nm-Vorgänger eine Geschwindigkeitssteigerung von gut 15 Prozent bei gleicher Leistungsaufnahme oder eine Reduzierung der Leistungsaufnahme um 30 Prozent bei gleicher Geschwindigkeit. Die Logikdichte soll um den Faktor 1,84 höher liegen. Für ein typisches SoC für Mobilgeräte (60 % Logik, 30 % SRAM und 10 % IO/Analog) soll die Chipgröße um 35 bis 40 Prozent kleiner ausfallen als bisher.

Erst die Notebooks, dann die Desktop-Computer

Apple hatte den Schritt weg von Intel bereits vor einigen Wochen angekündigt. In Cupertino rechnet man damit, dass der Übergangsprozess rund zwei Jahre dauern wird. Neben den Notebooks werden auch die Desktop-Computer – iMac, iMac Pro, Mac Pro und Mac mini – mit den neuen Prozessoren ausgerüstet. Neue Modelle seien in der Entwicklung, berichtet Bloomberg.

Mit den eigenen, energieeffizienten SoCs könnte Apple seine ohnehin schlanken Computer noch kompakter gestalten und/oder sie mit mehr Rechenleistung ausstatten. Hinzu kommt: Da die Architektur nah an die Bionic-Chips angelehnt sein wird, dürfte es Apple auch leichter fallen, sein Betriebssystem für Desktops und Notebooks (MacOS) mit dem Mobile-Betriebssystem (iOS) zusammenzuführen.

Bereits seit Jahren ist Apple bestrebt, die Benutzererfahrung auf den verschiedenen Plattformen zu vereinheitlichen. Die angekündigte MacOS-Version „Big Sur“ geht bereits stark in diese Richtung. Erstmals sollen beispielsweise iPhone-Apps nativ auf Macs laufen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Elektronik Praxis.

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