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Edge-Cloud-Lösung für Industrie 4.0 Oncite: Minirechenzentrum für die Industrie

Autor: Sylvia Lösel

Daten werden heute an allen Ecken und Enden gesammelt. In Zeiten von IoT und Industrie 4.0 bedarf es neuer Wege, der Datenflut Herr zu werden, selbige effizient zu analysieren, sicher aufzubewahren und sie schnell weiterzuleiten. Mit dem Edge-Cloud-Minirechenzentrum Oncite wollen Rittal und Co. diesen Markt besetzen.

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Alles in Einem und alles für's Edge: die Oncite-IIoT-Plattform
Alles in Einem und alles für's Edge: die Oncite-IIoT-Plattform
(Bild: Rittal)

Der unscheinbare schwarze Kasten, der in der Elektronikfabrik Limtronik im beschaulichen Limburg an der Lahn steht, könnte das Zeug haben, die nächste Phase der Digitalisierung in der Industrie einzuläuten. Limtronik fertigt elektronische Baugruppen sowie maßgeschneiderte Systeme für seine Kunden. Dabei vernetzt und automatisiert das Unternehmen bereits seit Jahren und fertigt nach Industrie-4.0-Maßstäben. Das bedeutet, dass an allen nur möglichen Fertigungspunkten Daten erhoben und analysiert werden. Neben der Prozessoptimierung selbst erhält man so auch Informationen über Prüfergebnisse und wie das Produkt reagiert. So können Limtronik-Kunden bereits im Prototyp-Status ihre Produkte optimieren. Doch bislang fehlte dem ganzen System eine wichtige Komponente und entscheidende Schnittstelle. Denn die Frage war: Wohin mit den Daten? Die natürliche Antwort darauf wäre in den vergangenen Jahren vielleicht gewesen: in die Cloud. Doch genau dagegen sträuben sich Industrie-4.0-Betriebe. Denn wer gibt schon „das Öl des 21. Jahrhunderts“ – sprich die eigenen Daten – in fremde Hände? Zudem fallen in einem solchen Betrieb eine Unmenge an Daten an, die ungefiltert schnell zu enormen Speicherbedarf führen und damit auch zu hohen Kosten.

All-in-One-Edge-Lösung

Die Lösung, besagter schwarzer Kasten, ist nun bei Limtronik bereits im Einsatz. Der Name: Oncite. Was nach außen hin so unscheinbar wirkt, ist das Ergebnis einer Gemeinschaftsentwicklung von drei Unternehmen der Friedhelm Loh Gruppe – Rittal, German Edge Cloud, IoTOS – und Bosch Connected Industry. Oncite ist ein Minirechenzentrum, eine All-in-One-Edge-Lösung. Das Produkt wird mit skalierbarer IT-Infrastruktur, vorkonfigurierten IIoT-Applikationen und Full-Service-Leistungen angeboten. Und es sammelt, analysiert und verarbeitet die Daten dort, wo sie anfallen. Damit behalten Unternehmen die Hoheit über ihre Daten und müssen sie nicht nach draußen geben, in Cloud-Rechenzentren externer Anbieter. Sowieso ist der Chef der Loh-Gruppe ein großer Verfechter der digitalen Souveränität Deutschlands und des Mittelstandes. Gegenüber dem Handelsblatt erklärte er: „Schon seit Anfang 2018 haben wir über die Digitalisierung des Mittelstandes intensive Gespräche geführt“. Dabei sei deutlich geworden, dass es die Lösung, die der Mittelstand braucht, noch nicht gäbe. Und so sei dann die Idee von Gaia-X geboren worden – die digitale Infrastruktur, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in der vergangenen Woche auf dem Digitalgipfel präsentierte. Ein Baustein von Gaia-X soll Oncite werden. Mit dieser „Plug-and-Produce“-Lösung könnten förmlich auf Knopfdruck Produktionsdaten zusammengeführt und KI-basierte Analysen durchgeführt werden – und das alles vor Ort, am „Edge“. Damit schwimmt Oncite auf einer Welle, die neben der Forderung nach Datenhoheit, langsam durch die IT-Szene rollt und mit dem Schlagwort Edge Computing einen Namen gefunden hat.

Vermarktung startet

Mit Oncite befinden sich Rittal und seine Partner im Moment in neuen Gefilden. Nach dem offiziellen Start, gilt es nun, neue Kunden zu finden. Dr. Sebastian Ritz, Geschäftsführer German Edge Cloud ist da zuversichtlich: „Oncite ist nicht nur für die deutsche Industriewelt interessant, sondern auch für andere Branchen, deren immense Datenmengen sicher bewahrt, selektiert und wertschöpfend verarbeitet werden müssen. Hier ergeben sich beispielsweise im Gesundheitsbereich, Bankensektor und Handel zahlreiche Einsatzgebiete.“ Im Moment fungiert German Edge Cloud als Dienstleister für das System und übernimmt den Full Service. Wie das Dienstleistungs-Konzept künftig aussieht, daran wird gerade noch gearbeitet, wie auf Nachfrage zu erfahren war.

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Über den Autor

 Sylvia Lösel

Sylvia Lösel

Chefredakteurin