Content Management in Zeiten Digitaler Souveränität Neos: CMS auf Open-Source-Basis

Von Sylvia Lösel 7 min Lesedauer

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Ein gutes Content Management System (CMS) ist Grundlage für viele Business-Prozesse. Je besser strukturiert die Daten, desto hilfreicher. Mit dem Open-Source-System Neos ist dies und noch einiges mehr möglich, wie auch ein Praxis-Check zeigt.

Open Source Systeme können auch beim Content Management ein Gamechanger sein. Neos ist ein solches System, für das hier auch ein Use Case zur Sprache kommt. (Bild: ©  AD - stock.adobe.com)
Open Source Systeme können auch beim Content Management ein Gamechanger sein. Neos ist ein solches System, für das hier auch ein Use Case zur Sprache kommt.
(Bild: © AD - stock.adobe.com)

Open Source ist spätestens seit der Diskussion um Digitale Souveränität in aller Munde. Unternehmen schauen zunehmend genau hin, welche Infrastruktur, Systeme und Software sie einsetzen, um sich resilient aufzustellen. Ein Baustein dabei ist auch Content Management. Wo, wenn nicht hier sind Agilität, Innovation und Resilienz gefragt. Denn in Zeiten von KI ist Content King und sollte gut organisiert, strukturiert und leicht abrufbar sein. Aber lässt sich modernes Content Management mit Open Source realisieren? Die Neos Foundation behauptet: ja, mit dem CMS „Neos“, das nun in der Version 9 vorliegt.

Was ist Neos?

Neos 9, das aktuelle Major Release des Open Source Content Management Systems, setzt auf intuitive Bedienbarkeit.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Neos 9, das aktuelle Major Release des Open Source Content Management Systems, setzt auf intuitive Bedienbarkeit.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Neos ist ein Content Management System, das als Open-Source-Software frei verfügbar ist. Es wurde mit dem Ziel entwickelt, Website-Erstellung und Content-Management so benutzerfreundlich und intuitiv wie möglich zu gestalten – von der Entwicklung bis zum Einstellen und Verwalten von Inhalten.

Mit Neos 9 gibt es nun ein Major Release mit komplett neuer Architektur. Erstmals können damit in einem CMS alle Content-Änderungen aufgezeichnet und somit nachvollziehbar gemacht werden. Dabei wurde auf Benutzerfreundlichkeit sowohl für Entwickler als auch für Redakteure geachtet.

Hinter der Lösung stehen die Neos Foundation als eingetragener Verein, Entwickler, sowie die Neos-Community. Deren über 3.500 Mitglieder organisieren und verwalten auf GitHub Software-Pakete für Neos und unterstützen sich gegenseitig. Dadurch ist Support gewährleistet.

Business Case für IT-Dienstleister

Revenue Streams:

• Entwicklung und Implementierung von Neos-basierten Lösungen

• Individuelle Anpassungen und Extension-Entwicklung

• Wartung und Support ohne Lizenzgebühren-Overhead

Beratung für Content-Architektur und Digitale Transformation

Wettbewerbsvorteil:

• Differenzierung durch innovative Technologie

• Höhere Margen durch wegfallende Lizenzkosten

• Langfristige Kundenbindung durch individuelle Lösungen

Was unterscheidet Neos vom Mitbewerb?

Das Website-CMS ist mit einer deutschen Benutzeroberfläche und mit Support im DACH-Raum verfügbar. Intuitive Nutzung dank Inline-Editing direkt auf der Webseite, WYSIWYG-Ansicht und automatisches Speichern sind smarte Features. Dazu kommt in Neos 9 nun das Event Sourced Content Repository. Darin wird sämtlicher Content samt seiner Hierarchie und Verknüpfungen sowie der kompletten Änderungshistorie gespeichert. Zudem ist das System skalierbar und kann individuell angepasst werden – auch für umfangreiche Projekte mit zahlreichen Sprach- und Länderversionen sowie personalisiertem Content. Neos unterstützt agile Entwicklungsmethoden und eine nahtlose Integration von Content-Management und Frontend-Ansicht.

Für wen eignet sich Neos?

Neos eignet sich für umfangreiche Web-Projekte mit viel Content und häufiger redaktionellen Änderungen und Erweiterungen. Da das CMS einfach anpassbar ist, können damit sowohl kleine Webprojekte aber auch anspruchsvolle Websites mit vielen Inhalten, komplexen Strukturen und Mehrsprachigkeit umgesetzt werden.

Für Erweiterungen stehen derzeit über 1.000 Add-ons zur Verfügung, unter anderem für die Integration von AI- und Tracking-Tools sowie für die Anbindung von Bilddatenbanken. Durch die Unterstützung von MySQL, MariaDB und in Kürze Postgres lässt sich das System leicht in bestehende Strukturen und Architekturen integrieren.

Use Case: Vogel Communications Group

1&1, Cornelsen, A-ROSA, Henri Hotels sind nur einige der Kunden. Und auch die Vogel Communications Group (VCG) setzt Neos bereits ein.

Mit mehr als 100 Jahren Erfahrung legt die Vogel Communications Group inkl. ihrer Tochterkonzerne Wert auf qualitativ hochwertige redaktionelle Inhalte. Neben Print werden heute zahlreiche Online-Kanäle und weitere Medienformate bedient.

Eine zentrale Aufgabe ist die Bereitstellung und Gewährleistung von effizienten und zukunftssicheren Prozessen, die das Erstellen, Bearbeiten und Vermarkten der Inhalte ermöglichen – egal ob Print, Online-Artikel, Newsletter, Social Media Post oder Podcast.

Nicht selten waren bislang Kostensteigerungen, Insolvenzen von Softwareanbietern oder sich nachteilig verändernde vertragliche und lizenzrechtliche Rahmenbedingungen große Herausforderungen. Zudem kommt es heute auf eine hohe Anpassungsfähigkeit und auf die eigene digitale Souveränität an, um im Markt zu bestehen. Aus diesem Grund setzt die VCG verstärkt auf Open-Source-Produkte.

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Der Use Case ist die Bereitstellung eines zentralisierten Content-Hubs, in dem alle Inhalte der Unternehmensgruppe einfließen und von dort entweder direkt an die vorgesehenen Kanäle angepasst und veröffentlicht werden oder an weitere spezialisierte Systeme, beispielsweise zur der Erstellung eines Druckerzeugnisses weitergereicht werden. Dies ermöglicht eine bestmögliche Vernetzung der themenverwandten Redaktionen, sowie eine strukturierte und einheitliche Prozessteuerung bis zu den technischen Themen wie Backup- und Disaster-Recovery-Strategien.

Welche technischen Voraussetzungen braucht es?

Soll lediglich eine kleine Internetpräsenz erstellt werden, reicht eine Datenbank und ein PHP- oder Webserver. Wer ein vergleichbares CMS bereits aufgesetzt hat, kann einfach der offiziellen Anleitung folgen. Will man Neos jedoch in einem größeren Projektkontext einsetzen, braucht es entweder ein eigenes Entwicklerteam, oder einen Dienstleister, der Neos anbietet. Dabei ist gerade im deutschsprachigen Raum eine große Expertise und Auswahl vorhanden.

Im Gespräch mit Nicholas Gray, Teamlead Products & Content bei der Vogel Communications Group

Nicholas Gray, Teamlead des Entwicklerteams der Vogel Communications Group
(Bildquelle: Vogel Communications Group)

Seit einiger Zeit setzt die VCG in zwei großen Produktlinien das Open-Source-Projekt „Neos CMS“ ein. Warum fiel die Entscheidung auf Neos?
Gray: Unsere Inhalte sind unsere wichtigsten Assets. Hier müssen wir größtmögliche Flexibilität und Kontrolle sicherstellen. Durch den Einsatz von Open Source erhalten wir die Freiheit, die Software auf unsere Bedürfnisse zuzuschneiden, ohne das Risiko eines Vendor Lock-ins oder den Zwang einer eventuell kostspieligen Beauftragung durch den Softwareanbieter.

Welche weiteren Features haben Euch überzeugt?
Gray: Das System hat solide Basisfunktionen. Auf dieser Grundlage konnten wir eigene Anforderungen und Geschäftsprozesse umsetzen, ohne das Rad neu erfinden zu müssen. Eines der Alleinstellungsmerkmale von Neos ist die Möglichkeit, eigene Inhaltselemente semantisch in einer einfachen Konfigurationssprache definieren zu können. Dies ist wichtig, da beispielsweise eine „Interview-Frage“ etwas anderes darstellt wie eine „Zwischenüberschrift“ oder ein „Absatz“. Neben der Möglichkeit zur unterschiedlichen Formatierung in den verschiedenen Kanälen erlaubt dieses Feature auch eine einfachere Analyse unserer Texte sowie ein verbessertes Trainieren von KI-Modellen.

Die VCG setzt Neos aber auch noch für weitere publizistische Produkte ein.
Gray: Genau. Neben klassischen Artikeln können wir auch die Erstellung von Newslettern oder Social Media Posts über das System abdecken, die jeweils in der Bearbeitung als auch im Veröffentlichungsprozess eigene Anforderungen mit sich bringen.

Welche Vorteile spürt ihr?
Gray: Ein WYSIWYG-Editor lässt kontextuell nur die Inhalte zu, die an der Stelle erlaubt sind. So können beispielsweise Bilder in Aufzählungen oder sogar bestimmte Formatierungen wie „kursiv“ in Überschriften unterbunden werden, sofern diese nicht den Redaktionsvorgaben entsprechen. Das hat seit Umstellung zu einer Reduktion von Service Desk Anfragen geführt. Neos kann mehrere Seiten in einer Instanz verwalten. Dies ermöglicht eine einfache redaktionsübergreifende Kollaboration an einem Thema, da technisch nicht mehrere Systeme miteinander verbunden werden müssen, aber erlaubt gleichzeitig einer Redaktion die alleinige Hoheit zur Bestimmung welche Inhalte sie in welche Ihrer Kanäle publizieren will.

Was waren technische Anforderungen?
Gray: Voraussetzung war, dass sich das System gut in die bestehende Systemlandschaft einreiht. Das Deployment ist Cloud-basiert auf Kubernetes mit einem S3 Storage aufgesetzt und unsere Inhalte werden durch Elasticsearch indiziert. Die Authentifizierung und Autorisierung geschieht durch einen OpenID-Connect-Provider und externe Redakteure werden über einen klassischen Login mit 2FA eingeloggt. Für jedes dieser Systeme existiert für Neos eine passende Extension, die wie Neos selbst in PHP geschrieben ist. PHP ist die führende Programmiersprache bei uns im Team und somit stellte auch ein Blick in die inneren Abläufe, sowie eine Weiterentwicklung mancher Features für uns kein Problem dar. In unserem Anwendungsfall ist Neos ein Baustein einer komplexen Systemlandschaft und hochintegriert, dank offener Schnittstellen und Erweiterungspunkten im Back- und Frontend. Bei der Entscheidung für ein neues CMS war uns zudem wichtig, dass dieses sich bereits bewährt hat und einen Update-Pfad zur nächsten Version mit vertretbarem Aufwand bietet.

Welche Hürden gab es und wie wurden sie überwunden?
Gray: Neos ist ein großes System mit eigenen Begrifflichkeiten und einem hohen Grad an Abstraktion. Dies ist zwar einer der Vorteile und ermöglicht langfristig eine saubere Integration eigener Anforderungen, aber stellt zu Beginn eine steile Lernkurve dar. Die Dokumentation wird zwar kontinuierlich verbessert, aber die Anzahl an Ressourcen, Beispielen oder Support durch KI-Coding-Tools ist auf Grund der geringeren Verbreitung nicht mit anderen Konkurrenten vergleichbar. Unterstützend haben wir auf die Neos Community zurückgegriffen, die über ein Forum und Slack jedem offen und hilfsbereit zur Verfügung steht. Wir waren überrascht, dass unsere Anfragen teils schneller und besser auf kostenloser Basis beantwortet wurden, als wir dies teilweise von anderen Anbietern gewohnt waren. Zusätzlich haben wir für unser Team für spezialisierte Themen bei Agenturen und Core-Developern Schulungen gebucht, um unser Wissen noch schneller aufzubauen.

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?
Gray: Eine weitere Herausforderung war der Umgang mit der schieren Masse an Inhalten, die wir mit dem System verwalten. Unsere Inhalte gehen teilweise zurück bis 1990 und dies resultiert schließlich in mehreren Millionen Datenbankeinträgen. Die Einführung eines neuen Systems brauchte aber auch aus organisatorischer Sicht eigene Herausforderungen mit sich. So musste Schulungsmaterial erstellt werden und ein Onboarding aller Mitarbeiter stattfinden. Im Vergleich zu anderen Systemeinführungen in der Vergangenheit fällt der Aufwand aber dennoch bisher gering aus.

Welche Benefits zeigen sich?
Gray: Durch den Einsatz von Neos über die gesamte Vogel Communications Group konnten wir unsere Ressourcen besser bündeln und unsere internen Abläufe vereinheitlichen und effizienter gestalten. Gestartet als Prototyp, ist Neos nun zu einem unserer zentralen Systeme herangewachsen. Das neue Newsletter-Tool konnte eine Arbeitserleichterung in den Redaktionen durch eine höhere Automatisierung schaffen und gleichzeitig die Robustheit eines unserer Kerngeschäfte durch neue Strategien und Prozessabläufen erhöhen. Im Gegensatz zu einer gekauften oder eigenentwickelten Softwarelösung, profitieren wir durch die Neos Community in Form von bereitgestellten Extensions, stetigen Weiterentwicklungen und der Möglichkeit zu einem freien Austausch bei einem kostenstabilen und planbaren Aufwand.

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