Aktueller Channel Fokus:

Business Continuity

Managed Service Provider

MSP-Plattformökonomie für IT-Reseller 2.0

| Autor: Dr. Stefan Riedl

In boomenden Plattformökonomien gelten eigene Regeln.
In boomenden Plattformökonomien gelten eigene Regeln. (Bild: tostphoto - stock.adobe.com)

Managed Service Provider surfen auf der Erfolgswelle von Plattformökonomien. Allerdings greift das „The Winner takes it all“-Prinzip bei ihnen nicht wirklich. „Masse“ auf der Plattform geht mit betriebswirtschaftlichen Skaleneffekten einher, ruft aber auch Hacker auf den Plan.

Auf die Plattform, fertig, los! Wer noch nicht verinnerlicht hat, dass im IT-Geschäft der Zukunft Plattformen mit eigenen ökonomischen Phänomenen und Spielregeln eine zentrale Rolle einnehmen werden, ist bereits spät dran. Der so genannte Netzwerkeffekt beschreibt folgenden Zusammenhang: Je mehr Anbieter auf der Plattform sind, desto interessanter wird sie für Kunden wegen einer tendenziell größeren Auswahl und höherem Preisdruck. Umgekehrt lockt eine hohe Kundenbasis weitere Anbieter an. Ein Erfolgsfaktor der Plattformen gegenüber ihren analogen Äquivalenten liegt in den hohen Automatisierungsgraden, die die Transaktionskosten sinken lassen.

Plattformökonomien rocken weltweit die digitale Wirtschaft. Dass sich hier viele, womöglich uneinholbare Platzhirsche vor allen in den USA etabliert haben, ruft die Politik hierzulande auf den Plan.

Förderung von Plattformen

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD wurde dieser wachsenden Bedeutung Rechnung getragen und vereinbart, „starke deutsche und europä­ische Akteure der Plattformökonomie“ zu etablieren und dafür „vorhandene Hemmnisse“ abzubauen. Inwieweit mit der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) in Sachen Startup-Förderung nicht eher auf die Bremse getreten wurde, bleibt umstritten.

Die Praxis zeigt, dass eine große Nutzer­basis mit einer Eigendynamik beim Wachstum einhergeht. Etablierte Plattformen stechen in dem Marktumfeld allein schon deswegen aufkommende Konkurrenz aus, eben weil sie etabliert sind. Mit anderen Worten: „The winner takes it all.“ Denn wer braucht schon „StudiVZ“, wenn sich fast ­alle Freunde auf Facebook tummeln?

Das„The winner takes it all“-Prinzip

Ein Online-Gebrauchtwagenmarkt kann technisch noch so überragend konzipiert sein, doch ohne potenzielle Nutzerbasis ist die Verkaufsplattform uninteressant. So setzen sich im Zweifel auch technisch minderwertige Plattformen durch, allein wenn sie das Glück des frühen Markteintritts auf ihrer Seite haben. Womit sich der Kreis zur Förderung von Plattform-Startups schließt: Weniger Regulierung und weniger Vorschriften in Region A, bedeuten dort weniger Markteintrittsbarrieren als in Region B, wo die staatlichen Eingriffe strenger sind. So betrachtet könnte Startup-Förderung im Segment der Plattformökonomie mit weniger staatlicher ­Regulierung gleichgesetzt werden.

Mannigfaltige Plattformökonomien

Unter Plattformökonomie werden in der ­Betriebswirtschaftslehre in der Regel jene Internet-­basierten Geschäftsmodelle zusammengefasst, die Anbieter und Dienstleister auf einem digitalen Marktplatz mit ihren Kunden zusammenbringen, beispielsweise:

  • Suchmaschinen: Werbetreibende und die Zielgruppe
  • Lieferservice-Portale: Hungrige und Gastronomie
  • Immobilienportale: Mieter und Käufer mit Immobilienanbietern
  • Handelsplattformen: Käufer und Verkäufer
  • App-Stores: Software-Hersteller und Nutzer
  • „Taxi-Plattformen“: Fahrer und Autos mit Reisenden
  • Unterkunftsvermittlung: Reisende und Wohnungsbesitzer oder Hotels
  • Freelancer- und Projektseiten: Selbstständige mit Auftraggebern
  • MSP-Portale: IT-Dienstleister und ihre Kunden.

Konkurrenzdruck und Preisverfall

Digitale Plattformen verändern Märkte, ­Arbeits- und Lebenswelten, heißt es bei Bitkom: „Sie sind Treiber für Innovation und Wachstum. Neue Marktteilnehmer bringen Schwung in traditionelle Märkte. Produktion, Handel, Arbeit und Privat­leben verändern sich durch die disruptiven Entwicklungen der Plattformökonomie.“ Kein Wunder, dass der Plattformgedanke auch das klassische IT-Geschäft erfasst und in Form von MSP-Plattformen IT-Dienstleister und Auftraggeber zusammenbringt. Den „The Winner takes it all“-Effekt gibt es hier allerdings nicht. Vielmehr gilt, dass hochskalierbare Plattformen, hohe Automatisierungsgrade und Skaleneffekte dafür sorgen, dass mit der Anzahl der Kunden auch die Effizienz steigt. So können tendenziell bessere Konditionen angeboten werden. Was kundenseitig als „attraktivere Preise“ in Erscheinung tritt, bedeutet für Anbieter Preisverfall aufgrund von Konkurrenzdruck.

So geht aus dem „IT-Service-Preisspiegel“ von Synaxon hervor, dass 2017 für Desktop-Management im Schnitt 13,81 Euro pro ­Client und Monat verlangt werden konnten; 2018 nur noch 12,17 Euro. Die Preise für Hosted Exchange pro Monat sind demnach noch stärker gesunken, nämlich von 13,42 Euro pro User und Monat auf nur noch 7,92 Euro im Jahr 2018.

Die Trickle-Down-Stategie der Hacker

Sogar Ransomware-Kampagnen gegen MSPs wurden bereits gefahren.
Sogar Ransomware-Kampagnen gegen MSPs wurden bereits gefahren. (Bild: logo3in1 - stock.adobe.com)

Eine große Nutzeranzahl eines Managed Service Providers bringt vor diesem Hintergrund keine direkten Vorteile für weitere Kunden, sodass hier Wettbewerb nicht durch Größe ausgeschaltet wird. Lediglich auf die kalkulierbaren Preise der MSPs hat eine breite Kundenbasis durch Skaleneffekte positive Auswirkungen. Auf der anderen Seite bringt die Multiplikatorwirkung den Negativeffekt mit sich, dass Cyberkriminelle vermehrt MSPs als Angriffsziele angehen, um im Sinne einer Trickle-Down-Strategie auf deren Kunden zugreifen zu können (siehe Kasten).

Ergänzendes zum Thema
 
MSPs dienen Cyberkriminellen als Multiplikatoren

Sorgen und Nöte im MSP-Umfeld

Kein Wunder, dass Sicherheitsbedenken für MSPs und ihre Kunden höchste Priorität haben. Laut Lagebericht zum Stand der MSP-Branche 2019, für den ­Datto weltweit rund 1.600 MSPs befragt hat, verdoppelte sich der Anteil der MSPs, der Ransomware und Cybersicherheit als eine der größten Herausforderungen angibt, seit 2017 von 14 Prozent auf 30 Prozent im Jahr 2019. 71 Prozent der MSPs planen laut dieser Umfrage in den nächsten zwölf Monaten mehr Mitarbeiter einzustellen, um mit dem Wachstum der Managed Services Schritt halten zu können. Marketing und Vertrieb stellen wie in den vergangenen Jahren auch die größten Herausforderungen für MSPs dar, zeigt die Umfrage. Die Akteure in dem Bereich werden jedoch versierter. Die MSP-Branche ist längst erwachsen geworden.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46006111 / Service Provider & MSP)