Die Sovereign Cloud ist trotz vieler Vorteile noch längst nicht überall angekommen. Wie können leistungsstarke, skalierbare Speicherlösungen dabei unterstützen, souveräne Cloud-Infrastrukturen effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten?
Moderne HDD-Technologien kehren Ineffizienz aus und schaffen Platz für eine saubere und leistungsstarke Sovereign Cloud-Architektur.
Souveräne Cloud-Infrastrukturen sind ein zentraler Baustein für die digitale Unabhängigkeit Europas. Sie sind so konzipiert, dass sie vollständig den europäischen Gesetzen und Vorschriften unterliegen. Betrieb, Datenverarbeitung und -speicherung erfolgen ausschließlich durch Unternehmen mit Sitz und Personal in der EU.
Europäische Cloud-Lösungen zeigen mit einer souveränen Cloud, dass sie Datenschutz ernst nehmen, ermöglichen ihren Anwendern mehr Kontrolle und heben sich von der Konkurrenz ab. Lokale Anpassungen globaler Hyperscaler reichen für echte Souveränität nicht aus. Zwar werden Daten in europäischen Rechenzentren gespeichert, dennoch unterliegen sie weiterhin der Kontrolle und dem Zugriff der US-Muttergesellschaften. US-Gesetze wie der Cloud Act könnten weiterhin den Zugriff auf diese Daten erzwingen.
Kein Wunder also, dass Sovereign Clouds branchenübergreifend als immer wichtiger eingestuft werden – besonders dort, wo Compliance und Sicherheit höchste Priorität haben. 70 Prozent der europäischen Unternehmen und Organisationen gehen davon aus, dass sie eine souveräne Cloud in irgendeiner Form einführen werden (müssen), um Regularien und Standards einzuhalten. Eine Studie unter IT-Verantwortlichen und C-Level-Entscheidern aus dem vergangenen Jahr offenbart jedoch eine bemerkenswerte Lücke: Nur 26 Prozent der Befragten nutzen bislang eine souveräne Cloud. Unter denen, die bereits auf eine souveräne Infrastruktur zugreifen, sind aber 88 Prozent sehr zufrieden damit. Es drängt sich die Frage auf: Was hält Unternehmen davon ab, den Schritt zur digitalen Souveränität zu wagen?
Kosten und Komplexität als Haupthindernisse
Die Antwort liegt in drei zentralen Herausforderungen: 36 Prozent der in der Studie Befragten nennen hohe Kosten als Haupthindernis. Für jeweils 33 Prozent ist die Komplexität der Umstellung sowie mangelnde Integration mit bestehenden IT-Systemen problematisch. Der Aufbau einer Sovereign Cloud scheint also in erster Linie ein Kosten- und Aufwandproblem zu sein.
Daher lohnt es sich, an der Basis anzusetzen: den physischen Speicherorten der Daten. Schließlich machen Speicherkosten einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten in Rechenzentren aus. Je ineffizienter die Speicherarchitektur, desto größer die Gefahr, dass die Ausgaben explodieren – etwa durch zu viel Platzbedarf oder ein aufwendiges Datenmanagement zwischen verschiedenen Speicher-Tiers. Das gilt erst recht, wenn die zu speichernden Datenmengen exponentiell wachsen. Effiziente, skalierbare Speicherlösungen können entscheidend dazu beitragen, sowohl die Kosten zu senken als auch die Komplexität beim Aufbau souveräner Cloud-Infrastrukturen zu reduzieren.
Hochmoderne HDDs werden zum Erfolgsfaktor
Ob beim Aufbau und Betrieb einer eigenen On-Premises-Infrastruktur oder bei der Nutzung von Cloud-Diensten – hochkapazitive Festplattenlaufwerke (HDDs) bilden das Rückgrat souveräner Speicherarchitekturen. Sie spielen eine wichtige Rolle, sobald große Datenmengen kostengünstig gespeichert und archiviert werden müssen, etwa für Backups, Langzeitarchivierung oder selten genutzte („kalte“) Daten. Neue Technologien ermöglichen es, die Leistung von HDDs deutlich zu steigern und sie für anspruchsvollere Cloud-Workloads noch attraktiver zu machen.
Ein Durchbruch war die Weiterentwicklung von Shingled Magnetic Recording (SMR). SMR-Laufwerke sind speziell für sequenzielle Schreibvorgänge konzipiert – genau die Arbeitsweise, die in vielen Sovereign-Cloud-Szenarien vorherrscht. Entscheidend ist die Art, wie Daten auf SMR-Festplatten geschrieben werden: Die Spuren überlappen sich wie Dachschindeln (Shingles), wodurch eine höhere Speicherdichte erreicht wird. Zu beachten gilt allerdings, dass beim Überschreiben einzelner Datenbereiche oft ganze Zonen neu geschrieben werden müssen. Für Anwendungsfälle, bei denen große Datenmengen kontinuierlich und sequenziell – also in größeren zusammenhängenden Blöcken – gespeichert werden, sind SMR-Laufwerke ideal. Gerade in Sovereign-Cloud-Szenarien, in denen häufig große Datenmengen kosteneffizient gespeichert werden müssen (zum Beispiel zur Archivierung oder Protokollierung), kommen die Vorteile der Technologie besonders zum Tragen.
Stand: 08.12.2025
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Parallel zum SMR wurden weitere Technologien vorangetrieben, um HDDs effizienter zu machen. Dazu gehören sogenannte Energy-Assisted Magnetic Recording-Technologien (EAMR), bei denen durch elektrischen Strom ein zusätzliches Magnetfeld erzeugt wird, um den Magnetisierungsvorgang der Datenbits zu unterstützen. Es gibt verschiedene EAMR-Technologien, die derzeit in HDDs zum Einsatz kommen – darunter Energy-Assisted Perpendicular Magnetic Recording (ePMR), Microwave-Assisted Magnetic Recording (MAMR) und Heat-Assisted Magnetic Recording (HAMR).
Letztere erhitzt während des Schreibvorgangs gezielt die Oberfläche der Magnetscheibe. Dadurch wird das Material an der entsprechenden Stelle vorübergehend „weicher“, was die Magnetisierung erleichtert. So können die einzelnen Bits kleiner und dichter geschrieben werden, ohne dass die Stabilität leidet.
Diese Technologien lassen sich auch kombinieren, um höhere Speicherkapazitäten zu erreichen. Und schon bald sollen HDDs verfügbar sein, die sowohl HAMR als auch SMR als Aufzeichnungstechnologie nutzen.
Kosteneffizienz, Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit
Bereits jetzt sind HDDs mit mehr als 30 Terabyte (TB) auf dem Markt. Der technologische Fortschritt ermöglicht in naher Zukunft immer höhere Kapazitäten – bei gleichbleibendem Formfaktor. Im Vergleich zu HDDs mit geringerer Kapazität reduziert der Einsatz von Festplatten mit höherer Speicherdichte die Anzahl der benötigten Laufwerke. So führt beispielsweise der Einsatz von 32-TB- gegenüber 26-TB-HDDs zu 18,7 Prozent weniger benötigten Racks – was wiederum 18,8 Prozent Einsparungen beim Gesamtstromverbrauch (inklusive Kühlung und Stromkosten) ermöglicht.
Insgesamt sinken dadurch die Total Cost of Ownership (TCO) für (Cloud-)Rechenzentren, und es wird für Cloud-Service-Provider sowie Betreiber von On-Premises-Infrastrukturen wirtschaftlich sinnvoll, in moderne Hochkapazitätslösungen zu investieren.
Mit dem weiteren Wachstum von KI, Machine Learning und anderen Zukunftstechnologien werden auch die Speicheranforderungen weiter steigen. HDDs bleiben vor allem bei großen Datenmengen eine kosteneffiziente Lösung – das bedeutet: planbare Investitionen ohne überproportionale Kostensteigerungen.
Compliance und Datensouveränität durch lokale Speicherung
Sovereign Clouds sollen vor allem Datenhoheit und Compliance sicherstellen. Auch dabei unterstützen insbesondere moderne HDDs. Sie ermöglichen es, große Datenmengen gezielt an einem Ort innerhalb einer Region, also zum Beispiel Deutschland oder Europa, zu speichern. Das ist essenziell, um die DSGVO-Vorgaben zur Datenlokalisierung zu erfüllen. HDDs bilden gleichzeitig die Grundlage, um Daten in großem Umfang zu archivieren und somit volle Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu garantieren. Als Schutzmechanismen vor Datendiebstahl bieten moderne Enterprise-HDDs zudem robuste Verschlüsselungsfunktionen auf Hardware-Ebene.
Die Zukunft der souveränen Speicherung
Der Weg zur souveränen Cloud führt also nicht nur über politische Entscheidungen und regulatorische Rahmen, sondern ganz konkret über die richtige Technologie-Auswahl auf Speicherebene. Für Unternehmen, die den Schritt zur Digitalen Souveränität planen, bieten effiziente Speicherlösungen den Schlüssel zu wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Durch die Kombination verschiedener Speichertechnologien und die Nutzung moderner HDD-Innovationen lassen sich Hindernisse wie Kosten, Komplexität und mangelnde Effizienz erfolgreich überwinden. Und das gilt nicht nur für Konzerne und Global Player. Auch kleinere und mittelständische Unternehmen erhalten mit effizienten und vergleichsweise günstigen Speicherlösungen die Möglichkeit, sich selbst eine unabhängige Cloud- und Server-Infrastruktur aufzubauen.
* Der Autor Uwe Kemmer ist Director EMEA Field Engineering bei Western Digital.