Künstliche Intelligenz Microsoft investiert 3,2 Milliarden Euro in deutschen KI-Markt

Von Michael Matzer 5 min Lesedauer

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Microsoft-President und Vice Chairman Brad Smith und Marianne Jannik, die CEO von Microsoft Deutschland, haben in Berlin eine Investition von 3,2 Milliarden Euro in Deutschland angekündigt.

Microsoft-President und Vice Chairman Brad Smith (l.) und Bundeskanzler Olaf Scholz.(Bild:  Alex Schelbert)
Microsoft-President und Vice Chairman Brad Smith (l.) und Bundeskanzler Olaf Scholz.
(Bild: Alex Schelbert)

Die Investition von Microsoft zielt zum einen auf den Bau neuer umweltfreundlicher KI-Rechenzentren in Nordrhein-Westfalen, zum anderen auf den Aufbau von 1,2 Millionen ausgebildeten Menschen mit digitaler Kompetenz. Smith betonte die Bedeutung von Partnerschaften mit Unternehmen der deutschen Wirtschaft, insbesondere mit Startups im Open-Source-Sektor. Die Infrastrukturprojekte will Microsoft im „rheinischen Revier“ realisieren, wie die deutsche Microsoft-Geschäftsführerin Marianne Jannik sagte. Zeitungsmeldungen, wonach ein Rechenzentrum nahe Leipzig geplant sein, kommentierte sie dadurch, dass sie Nordrhein-Westfalen und Frankfurt am Main als neue Standorte benannte. Frankfurt soll als „Cloud-Region“ für MS-Azure-Services expandiert werden. Die bestehenden Infrastrukturkapazitäten würden sich dadurch verdoppeln, sagte Smith. „Dieser erhebliche Zuwachs an digitalen Kapazitäten wird dem Standort Deutschland helfen, die wachsende Nachfrage nach KI-spezifischer Rechenleistung und Cloud-Lösungen zu erfüllen. Er dient auch dazu, neue KI-Modelle und -Dienste zu trainieren und anzuwenden, die von Microsoft und einer Vielzahl anderer Unternehmen auf der Microsoft-Azure-Plattform angeboten werden.“

Smith weiter: „Wir wollen der deutschen Wirtschaft ermöglichen, von KI zu profitieren, um auch weiterhin ihre globale Spitzenposition bei der Wettbewerbsfähigkeit auszubauen. Wir sehen eine steigende Nachfrage nach KI-Anwendungen in wichtigen Wirtschaftszweigen wie Fertigung, Automobilbau, Finanzdienstleistungen, Pharmazeutik, Life Sciences und Medizintechnik. Weil sich diese Branchen durch den wirtschaftlichen Wandel grundlegend verändern, ist es wichtig, Unternehmen in Deutschland mit weltweit führender Technologie auszustatten.“

Bundeskanzler Olaf Scholz und der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, zeigten sich erfreut über diese Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland und insbesondere des Rheinischen Reviers, das besonders vom Strukturwandel profitiere. Außerdem werde das deutsche Ökosystem rund um KI gestärkt, sagte Scholz.

Nicht nur KI-relevante Services

Zu den Microsoft-Angeboten sollen nicht nur KI-relevante Services wie der Copilot gehören, sondern auch Microsoft 365 und MS Dynamics sollen für deutsche Kunden „breiter und lokaler verfügbar“ werden. Eine ganze Reihe deutscher Unternehmen nutzen bereits solche KI-Funktionen für ihre eigenen KI-Dienste. Siemens hat mit Azure OpenAI Service den Siemens Industrial Copilot für komplexe Aufgaben wie das Schreiben und Optimieren von Code für Maschinen und die Behebung von Fehlern entwickelt. Boehringer Ingelheim fügte den Azure OpenAI Service zu seiner KI-Plattform iQNow hinzu, um damit die Effizienz und Qualität seines Wissensmanagements zu verbessern.

Bayer nutzt Microsoft-M365-Copilot und will mit dem Einsatz unter anderem tägliche Arbeitsabläufe beschleunigen, beispielsweise durch automatische Zusammenfassungen von E-Mails und Anhängen oder durch das Erstellen von ersten Entwürfen für Dokumente. Und auch in anderen Bereichen, wie der Produktentwicklung, wird mit Microsoft Copilot experimentiert. Die Commerzbank arbeitet an der Neugestaltung ihres Kundenerlebnisses, bei der sie einen KI-Banking-Avatar mit Microsoft Azure KI entwickeln werde.

Brad Smith hob hervor, dass er sich der Belastung bewusst sei, die solche Rechenzentren für die Energieversorgung und die Umwelt bedeuten. Deshalb „wird Microsoft seine KI-Dienste und -Infrastruktur in Übereinstimmung mit branchenführenden Verfahren für verantwortungsvolle KI und Nachhaltigkeit betreiben. Wir haben einen Standard für verantwortungsvolle KI für seine eigenen KI-Plattformen und -Dienste eingeführt sowie ein AI Assurance Program eingerichtet, mit dem die erfolgreichsten Ansätze ausgetauscht und verantwortungsvolle KI-Vorgehensweisen gefördert werden.“ Microsoft habe sich verpflichtet, bis 2025 global eine hundertprozentige Nutzung erneuerbarer Energien für den Betrieb des Unternehmens, einschließlich seiner Rechenzentren, zu erreichen. Diese Initiative ist Ausdruck eines gemeinsamen Strebens nach ökologischer Nachhaltigkeit und einer energieeffizienteren Zukunft.

Fokus auf Datenschutz und Privatsphäre

Die Cloud-Services, die Microsoft anbiete, sollen sicher und zuverlässig hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre sein, aber auch beim Schutz von Kindern, wie Smith hervorhob. „Wir wollen vertrauenswürdig für die Menschen, die Wirtschaft und die Behörden in Deutschland sein.“ Smith erklärte, es sei möglich, dass Microsoft 2026 seine bisherigen Investitionen ausweiten werde.

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Er freute sich offenbar auch auf die Zusammenarbeit mit Startups aus dem besonders dynamischen deutschen Open-Source-Software-Markt. Malte Kosub, der CEO und Mitgründer des Startups Parloa, kommentierte deshalb Smith Ankündigungen: „Die heutige Ankündigung stellt sicher, dass wir als schnell wachsendes KI-Unternehmen, das in Deutschland in der Cloud geboren wurde, den Zugang zu genau jener Cloud- und KI-Infrastruktur bekommen, die wir für das Wachstum unseres Geschäfts und den Erfolg im globalen Wettbewerb benötigen.“

Microsoft beschreibt Parloas Lösung wie folgt: „Die Lösung basiert auf den KI-Technologien von Microsoft Azure und ermöglicht neuartige Callcenter, die Tag und Nacht personalisierten Kundendienst anbieten können, weil sie auf menschenähnliche Sprach-Interaktionen durch KI setzen.“

Smith berichtete, dass Deutschland „die Nummer 2 in der KI-Nutzung in seiner Gesamtwirtschaft“ sowie „die Nr. 2 bei der Produktion KI-basierter Anwendungen sei“, aber nur die Nummer 11 bei der Teilhabe an KI-Kenntnissen. Um diesen Stand der Dinge zu ändern, verbindet Microsoft seine Infrastrukturinvestitionen mit einem verstärkten Fokus auf die Vermittlung digitaler Kompetenzen für mehr als 1,2 Millionen Menschen in Deutschland bis Ende 2025.

Trainingsprogramme

Zusammen mit dem Partner-Ökosystem werden neue Trainingsprogramme gestartet, die sich auf den Aufbau von KI-Kenntnissen, die Entwicklung technischer KI-Fähigkeiten, die Unterstützung der KI-Transformation in Unternehmen und die Förderung einer sicheren und verantwortungsvollen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz konzentrieren. Dazu gehört auch das erste berufliche Zertifikat für generative KI.

Durch Partnerschaften mit einem professionellen Netzwerk von Microsoft-zertifizierten Schulungsdienstleistern, Industriepartnern, Universitäten, gemeinnützigen Organisationen, staatlichen Einrichtungen und Verbänden bildet Microsoft aktiv Menschen in verschiedenen Bereichen aus.

Eine Kooperation mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und die Initiative „IT-Fitness“, die Microsoft gemeinsam mit dem Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e. V. (fjs) entwickelt hat, biete beispielsweise kostenlose und einsteigerfreundliche Lernerfahrungen in den Bereichen KI, Cybersecurity und Green Digital Skills in Deutschland an – mit dem Ziel, mehr als 550.000 Menschen zu erreichen.

„BoostYourSkills“

Ein weiteres Beispiel sei die Microsoft-Initiative „BoostYourSkills“ in Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Schaeffler und DHL Group. Sie soll jungen Menschen einen erfolgreichen Karrierestart in einem Umfeld ermöglichen, in dem digitale Fähigkeiten immer wichtiger werden. Microsoft unterstütze auch die „ReDI School of Digital Integration“, die geflüchteten Menschen und marginalisierten Gruppen helfe, einen Arbeitsplatz in der deutschen IT-Branche zu finden.

Auf die wachsende Konkurrenz aus Fernost angesprochen, antwortete Smith diplomatisch: „Die EU-Bürger werden durch das Auftreten von Mitbewerbern aus Fernost eine größere Auswahl haben. Doch diese Anbieter müssten sich das Vertrauen der EU-Bürger erwerben: Responsible AI, Datensicherheit, Datenschutz und Schutz der Kinder sind die Prüfsteine, an denen die Anbieter gemessen werden können.“

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