Channel Fokus: Refurbishing & Remarketing Kreislaufwirtschaft wird zentral
Die IT-Hersteller wollen selbst noch stärker auf eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft sorgen und sich vermehrt selbst um die Rücknahme gebrauchter Hardware kümmern. Für mittelständische Refurbisher ist das gleichzeitig Chance und Gefahr.
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Umweltverträglichkeit bei IT-Produkten ist im Prinzip ein alter Hut. Schon seit vielen Jahren gibt es gesetzliche Bestimmungen, die beispielsweise die Verwendung einer ganzen Reihe schädlicher Substanzen in den Komponenten von IT-Geräten einschränken oder ganz verbieten. Zudem gibt es Vorschriften für das Recycling von Geräten und auch das früher gängige Verschiffen von Computerschrott in afrikanische oder asiatische Länder wurde erheblich erschwert. Denn dort landeten defekte Geräte auf ungesicherten Deponien, wo dann unter umwelt- und gesundheitsschädlichen Bedingungen Stoffe wie Edelmetalle gewonnen wurden. Auch die Wiederaufbereitung gebrauchter Rechner ist nichts Neues. Schließlich sind Refurbisher wie GSD oder BB-Net, die aufbereitete Geräte über den IT-Channel verkaufen, bereits seit mehr als 20 Jahren im Geschäft.

Mehr Nachhaltigkeit bei IT-Produkten
Neu ist dagegen, dass nun immer mehr IT-Hersteller in ihrer Kommunikation mit den Kunden Themen wie Recycling, Nachhaltigkeit und auch Kreislaufwirtschaft in den Vordergrund stellen. Es gab zwar schon immer Firmen wie Fujitsu, die schon vor Jahren mit dem Thema „Green IT” geworben haben, aber ein öffentlichkeitswirksamer Trend hat sich daraus nicht ergeben. Nun werben auch Unternehmen wie Dell oder HP damit, dass sie in ihren Geräten teilweise recyceltes Aluminium, wiederverwertete Kunststoffe und teilweise sogar so genanntes Meeresplastik verwenden. Und Fujitsu bietet eine Tastatur an, die zum Teil aus biologisch abbaubarem Material wie Zellulose und Lignin besteht.
So wichtig es ist, schon bei der Entwicklung und der Produktion von IT-Hardware die Umweltbelastung durch die Produkte zu minimieren, ein zentraler Punkt für mehr Nachhaltigkeit ist es, die Geräte länger im Betrieb zu halten. Denn auch wenn beispielsweise PCs, Notebooks oder auch Datacenter-Hardware in Firmen ausgemustert werden, dann sind sie meist längst noch nicht reif für den Schrott, sondern können durch die Wiederaufbereitung in einen weiteren Lebenszykus gehen. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein gutes Geschäft für Unternehmen, Systemhäuser, Refurbisher und deren Kunden. Firmen und Systemhäuser müssen sich nicht selbst um die Datenlöschung und Entsorgung der Geräte kümmern, die Refurbisher erhalten meist hochwertige Business-Geräte und die Kunden günstige Rechner mit frischem Betriebssystem und Garantie.
Steigende Nachfrage nach aufbereiteten Rechnern
Laut Michael Bleicher, Chef des Refurbishers BB-Net, ist die Nachfrage nach aufbereiteten Notebooks und PCs momentan sehr hoch, nicht zuletzt wegen Homeoffice und Homeschooling. Im vergangenen Jahr habe es Probleme mit dem Nachschub gegeben, da viele Unternehmen ältere Geräte nicht ausgemustert, sondern an Mitarbeiter im Homeoffice gegeben hätten. Aber derzeit habe sich die Lage entspannt, was auch Ralf Schweitzer, der Chef des Refurbishing-Unternehmens GSD bestätigt. Beide haben zudem die Erfahrung gemacht, dass zunehmend nicht nur Privatkunden, sondern auch kleinere Firmen vermehrt zu aufbereiteten Geräten greifen. Auch verhältnismäßig hochpreisige Notebooks oder PCs verkaufen sich sehr gut. Insgesamt ist das Preisniveau sogar gestiegen, so Bleicher, da die Refurbisher selbst für ausgemusterte Rechner mehr bezahlen, um genügend Nachschub zu haben.
Für Unternehmen sollte allerdings „die Wiederverwendungsquote bei der Wahl des IT-Refurbishers den Ausschlag geben”, betont Bleicher. Die liege bei den etablierten Anbietern sehr hoch. So gehen etwa bei BB-Net nur ein Prozent der Geräte ins Recycling. Dabei beklagt Bleicher, dass bei manchen Systemhäusern immer noch der Glaube bestehe, es sei umweltfreundlicher, sicherer und einfacher, Geräte ihrer Kunden ins Recycling zu geben, statt sie an Refurbisher abzugeben. Tatsächlich sind aber die Refurbisher bei der Datenlöschung sorgfältiger als viele Unternehmen selbst, die ihre internen Datenschutzrichtlinien oft seit Jahren nicht mehr angepasst hätten, etwa an SSDs als Speichermedien.
Mit einem Abomodell für die Abholung gebrauchter Hardware, für die seine Unternehmen in kleineren Firmen oder Standorten so genannte Green-IT-Boxen bereitstellt, will Bleicher die Akzeptanz für das Refurbishing weiter steigern.
Weitere Geschäftsmodelle neben dem Verkauf aufbereiteter Hardware
Neben dem Verkauf aufbereiteter Hardware nutzen einige Refurbisher ihre Expertise bei Datenlöschung und Einrichtung der Geräte inzwischen für andere Geschäftsmodelle, an denen sich auch ihre Partner beteiligen können. Das wichtigste dabei ist sicher die Vermietung der Geräte. BB-Net bietet diesen Service bereits seit Mitte 2020 an, GSD baut die Strukturen für das Mietgeschäft im größeren Maßstab gerade auf. Für Schweitzer haben Refurbisher hier einen erheblichen Vorteil, da bei aufbereiteten Geräten der Wertverfall deutlich geringer ist, als bei neuen PCs oder Notebooks. Das von AfB für Schulen entwickelte Mietmodell „Mobiles Lernen”, stattet dagegen Klassen mit einheitlichen neuen Tablets oder Notebooks aus, wie der Geschäftsführer Baniel Büchle erklärt. Sein Unternehmen kümmert sich dabei um Logistik, Support und die anschließende Aufarbeitung und Zweitnutzung. Dabei kooperiert AfB mit lokalen Systemhäusern. BB-Net vermietet Geräte nicht nur selbst direkt oder über Partner, sondern bietet sich selbst als Dienstleister für andere Vermieter von IT-Produkten an. Für diese übernimmt der Refurbisher die Aufbereitung der Geräte für einen weiteren Mietzyklus und nimmt die Geräte danach ab. Weitere Lösungen im Portfolio sind IT-Refresh für Unternehmen, die so modernisierte und überholte Geräte weiter nutzen können, und der Support für Trade-In-Programme von Resellern oder Herstellern.
Gerade dieses Geschäftsmodell wird in Zukunft für die Refurbisher wohl an Bedeutung zunehmen. Denn immer mehr Hersteller bekunden die Absicht, sich nicht nur um Produktion und Verkauf ihrer Geräte zu kümmern, sondern den kompletten Lebenszyklus im Blick zu behalten. Zudem sind Trade-in-Programme natürlich auch eine Verkaufsförderung für neue Geräte. So hat etwa Dell jüngst angekündigt, Privatkunden, die neue XPS- oder Alienware-Notebooks kaufen, für deren alte Notebooks bis zu 200 Euro zu bezahlen, unabhängig von Hersteller und Typ. Die Altgeräte werden dann aufbereitet, entsorgt oder an eine wohltätige Organisation gespendet. Beim Device-as-a-Service-Geschäft, das etliche Hersteller für ihre Firmenkunden verstärkt anbieten, können sich die Refurbisher ebenfalls als Partner in Position bringen. Für Hersteller, die nicht über eigene Ressourcen verfügen, um das zu übernehmen, können die IT-Refurbisher in die Bresche springen und das als Dienstleistung anbieten. So kümmert sich etwa AfB bereits heute um Altgeräte von Fujitsu und hat dafür Teile des ehemaligen Fujitsu-Werks in Paderborn sowie Teile des Fujitsu-Standorts in Sömmerda übernommen.
Chancen und Risiken für Refurbisher
Das verstärkte Engagement der Hersteller für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft könnte für die IT-Refurbishing-Branche allerdings auch zum Problem werden. Denn dann könnten diese eher Partnerschaften mit den Schwergewichten aus der IT-Asset-Dispotion-Branche (ITAD) eingehen, so wie das etwa Dell Technologies, Cisco, Google und Microsoft bereits im Rahmen der Rahmen der Circular Electronic Partnership (CEP) bereits tun. Allerdings haben die mittelständischen Refurbisher durch ihre guten Verbindungen zu den großen und kleinen IT-Systemhäusern eine gute Position, die sie auch nutzen werden.
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