Paukenschlag in Hartmannsdorf Komsa und Westcoast fusionieren

Aktualisiert am 31.10.2022 Von Sylvia Lösel

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„TK meets IT“ könnte man sagen. Doch die Fusion von Komsa und Westcoast verheißt noch viel mehr. Neue Märkte für beide Partner, neue technologische Anwendungen und nicht zuletzt den größten Entwicklungsschritt in der Komsa-Firmengeschichte.

Komsa besiegelt die Fusion mit Westcoast. Die Distributoren führen damit ihre komplementären Portfolios sowie Märkte zusammen. (Bild:  Lagunov - stock.adobe.com)
Komsa besiegelt die Fusion mit Westcoast. Die Distributoren führen damit ihre komplementären Portfolios sowie Märkte zusammen.
(Bild: Lagunov - stock.adobe.com)

Dass Pierre-Pascal Urbon, CEO bei Komsa, Erfahrung in der Internationalisierung von Unternehmen hat, darüber gibt schon seine Vita Aufschluss. Seit der Manager vor zweieinhalb Jahren den Chefposten bei den Hartmannsdorfern übernommen hat, steht das Thema im Raum. Nun haben sie Nägel mit Köpfen gemacht und fusionieren mit dem britischen Distributor Westcoast. Durch diesen Merger entsteht ein Distributions-Schwergewicht, das insgesamt für 5,5 Milliarden Euro Umsatz steht. Damit sei das Unternehmen „ein relevanter Marktteilnehmer in Europa“, so Urbon im Gespräch mit IT-BUSINESS.

„Wesentlicher Treiber ist die Konvergenz der IT- und Telekommunikationsinfrastruktur, die Unternehmen komplett neue technische Anwendungen und Produktivitätsgewinne ermöglicht“, erklärt der erfahrene Manager, der CEO und CFO bei Komsa bleiben wird, zusätzlich aber auch bei Westcoast Vorsitzender des Boards wird und so maßgeblich gestalten kann. Durch die neue Partnerschaft entstehe „die größte europäische Vertriebs-Allianz für globale ITK-Marken in Privatbesitz“.

Im Zuge der Fusionierung übernimmt Westcoast sukzessive bis 2025 Aktien von den Komsa-Gründern Gunnar Grosse und Jürgen Unger, die sich dann aus dem Aufsichtsrat zurückziehen und zwei Westcoast-Managern Platz machen werden. Kerstin Grosse bleibt weiterhin Aufsichtsratsvorsitzende.

Der Deal in Zahlen
  • Umsatz 5,5 Milliarden Euro (4 Milliarden Euro Westcoast, 1,4 Mrd. Euro Komsa)
  • 2.200 Mitarbeiter
  • 400 Technologiepartner
  • 30.000 Handelspartner
  • 75.000 Point of Sales

Kein F-Jugend-Ansatz

Die Kombination von IT- mit TK-Lösungen wird immer wichtiger, ist Urbon überzeugt. Nicht umsonst hat Komsa vor einigen Monaten die Partnerschaft mit Microsoft im Rahmen des Programms für Cloud Solution Provider (CSP) verkündet. In diese Richtung eröffnet die Zusammenarbeit mit Westcoast zahlreiche neue Möglichkeiten. Zudem können die Sachsen nun auf langjähriges Knowhow der Briten in puncto Cloud-Vermarktung zurückgreifen. Wahrscheinlich sei, dass man in Hartmannsdorf Kapazitäten aufbaue, um die komplementären Effekte der Fusion für den deutschen Markt stemmen zu können. „Aber nicht gleich morgen“, bremst der CEO, sondern nach reiflicher Überlegung. „Meine Aufgabe wird die Koordination dieses Change-Prozesses sein. Und wir wollen eben keinen F-Jugend-Ansatz fahren, indem wir alle hinter dem Ball herstürmen, sondern wir etablieren ein Positionsspiel und machen das zum richtigen Zeitpunkt und ordentlich."

Neue Märkte in Europa

Neben einer Ausweitung des Portfolios erschließt Komsa mit der Fusion die Märkte im Vereinten Königreich, in Irland und Frankreich. „Komsa steht der größte Entwicklungsschritt der Firmengeschichte bevor“, fasst Kerstin Grosse, Aufsichtsratsvorsitzende beim TK-Spezialisten, zusammen. Im Umkehrschluss erhält Westcoast den wichtigen Zugang zum Wachstumsmarkt Deutschland, betont Urbon den partnerschaftlichen Charakter des Deals. „Es ist in den letzten Jahren keinem der international tätigen Distributoren gelungen, eine TK-Spezialisierung im deutschen Markt aufzubauen.“ Darin liege eine einzigartige Opportunität für Westcoast.

„In Kombination mit der logistischen Stärke beider Unternehmen, der gemeinsamen Technik-Kompetenz zur Verknüpfung von IT und TK und der Expertise rund um Reparatur und Aufbereitung unterstützen wir Industrie, Handel und Wirtschaft, den technologischen Fortschritt zu nutzen“, sagt Joe Hemani, Chairman und Gründer von Westcoast. „Komsa bringt zudem umfangreiche Kenntnisse bei Unified Communications in unsere Partnerschaft ein und auch die spezifischen Erfahrungen im Aufbau agiler Strukturen sind für Westcoast strategisch wichtig.“

„Uns ist die internationale Perspektive wichtig", unterstreicht Urbon. Und das bedeute: Europa. „Denn auch die Hersteller fahren inzwischen einen paneuropäischen Vertriebsansatz.“ Eine Entwicklung die durch die aktuellen geopolitischen Verschiebungen noch zunehmen dürfte. Zudem wollte Komsa einen strategischen Partner haben, „der kulturell zu uns passt. Wir sind ein Familienunternehmen. Das hat große Vorteile, wie kurze Entscheidungswege und langfristiges Denken. Das wollen wir beibehalten.“

Starke Bevorratung, stabile Finanzlage

„Wir sind in den letzten beiden Jahren sehr stark gewachsen und zwar über 25 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Die Entwicklung hat sich im ersten Halbjahr dieses Jahres so fortgesetzt mit zwei Prozent Plus“, sagt der Unternehmenschef zur aktuellen Geschäftslage bei den Sachsen. Der Manager schätzt dies als großen Erfolg ein, gerade angesichts des anspruchsvollen Umfelds in diesem Jahr. „Wir spüren gerade, dass das hohe Zinsniveau dem Handel und den Systemhäusern zu schaffen macht. Denn diese schränken die Lagerhaltung ein, weil sie Geld kostet.“ Um gerade im wichtigen dritten Geschäftsquartal (bis Dezember) eine Warenverfügbarkeit sicherzustellen, hat sich Komsa stärker bevorratet. Zudem steht die Finanzierung der Hartmannsdorfer auf stabilen Füßen. „Diese Stärke nutzen wir, um diese schwierige Situation ein Stück weit zu überbrücken. Denn Distribution bedeutet nicht nur Beratung und Logistik, sondern sie hat auch eine Finanzierungsrolle. Und die können wir erfüllen.“

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Über Westcoast

Westcoast wurde vor 40 Jahren vom heutigen Chairman Joe Hemani gegründet und ist seitdem in Familienbesitz. Das Unternehmen ist der größte IT-Distributor im Vereinigten Königreich und zugleich das am stärksten wachsende familiengeführte IT-Unternehmen. IT-Marken wie Microsoft, HP, Dell, Meta, Google, Samsung oder Apple arbeiten mit der Westcoast-Gruppe als europäischem Vertriebspartner zusammen. Westcoast ist in Großbritannien, Irland und Frankreich mit Niederlassungen vertreten, betreibt ein eigenes Rechenzentrum und darüber hinaus Logistikzentren beispielsweise in Spanien, den Niederlanden und Italien. Die Beratungskompetenz für Cloud-Anwendungen und IT-Hardware-Lösungen sind Differenzierungsmerkmale von Westcoast.

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