Insourcing, Lagerbestände, Just-in-time Just-in-Time-Fertigung weltweit auf dem Prüfstand

Von Dr. Stefan Riedl

Wenn es um Lieferketten für die Fertigungsindustrie geht, kennt man sich bei der Prozess- und Digitalisierungsberatung MHP aus. Deren Chefberater zieht Schlüsse aus einer Studie, die die Porsche-Tochter mit der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt hat.

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Probleme mit Lieferketten können teuer werden.
Probleme mit Lieferketten können teuer werden.
(Bild: Golden Sikorka - stock.adobe.com)

In Hinblick auf internationale Lieferketten und Just-in-Time-Prozesse häuften sich in den vergangenen Monaten die Herausforderungen. Kein Wunder, dass ihnen in der Fertigungsbranche ein besonderes Augenmerk geschenkt wurde, denn kaum etwas ist teurer als stillstehende Bänder bei laufenden Fixkosten. Markus Wambach, Head of Consulting bei MHP, einer Porsche-Tochter, die in Sachen Industrie 4.0 und Prozessdigitalisierung berät, formuliert das so: „Die internationalen Lieferketten stehen aufgrund der Situation der vergangenen zwei Jahre unter dem Deckmantel ­Resilienz und Krisenfestigkeit.“ Die Unternehmen sind vorsichtiger geworden. Die Digitalisierungsberater von MHP stützen sich dabei nicht auf anekdotische Evidenz, sondern auf eine, gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) durchgeführte Studie. Die Ergebnisse wurden zum vierten mal im Paper „Industrie Barometer“ veröffentlicht.

„Die Befragten aus allen Märkten gaben mehrheitlich an, aufgrund der Unsicherheiten nun vermehrt Aufmerksamkeit auf die Lieferkette zu legen“, fasst Wambach zusammen.

Vieles steht auf dem Prüfstand

Markus Wambach, Head of Consulting, MHP
Markus Wambach, Head of Consulting, MHP
(Bild: MHP)

So seien Insourcing-Bewegungen und die Reduktion von Abhängigkeiten zu einzelnen Lieferanten an der Tagesordnung. Ebenfalls wird – geht man nach den Ergebnissen der Studie – „scheinbar der Just-in-time Ansatz bei vielen Befragten noch einmal überdacht“, sagt Wambach. So erhöht die Mehrheit der Befragten wieder die Lagerbestände zur Absicherung der eigenen Produktion. Ob dies der neue Status quo oder nur eine präventive Risikomaßnahme ist, wird sich aber erst noch zeigen. Fakt ist laut der Studie, dass die Unternehmen ihrer Lieferkette und den Lieferantenbeziehungen mehr Aufmerksamkeit widmen. „Durch Schaffung von Transparenz in der Lieferkette können eventuelle Engpässe früher aufgedeckt und Maßnahmen initiiert werden“, so Wambach.

Brexit war eine gute Vorbereitung für die Supply Chains

Die Studie zeigt zudem, dass jedes Land eigene Herausforderungen hat. In China wird demnach bewusst auf einen schnellen Fortschritt gesetzt, zugleich aber die IT-­Sicherheit vernachlässigt. Das stelle dort ein hohes Risiko für die digitale Transformation dar. Das Vereinte Königreich (UK) und die USA sind laut der Studie weit in der Digitalisierung vorangeschritten. Das gute Abschneiden der Briten hat auch den Chefberater überrascht, vor allem, weil die Medien ein anderes Bild wegen des Brexits vermittelt hätten. „Hier waren die Supply Chains der Unternehmen sehr gut auf die Herausforderungen der Pandemie vorbereitet. Scheinbar war der Brexit eine Art Generalprobe für die andauernde Krise“, so der Berater.

DACH-Raum droht den Anschluss zu verlieren

Sowohl auf der Insel als auch in den USA werden Big Data und Machine Learning vielerorts bereits praktisch angewendet, obwohl ein großer Mangel an Fachkräften in diesem Segment besteht. „Im deutschsprachigen Raum stagniert die industrielle Digitalisierung“, so das ernüchternde Ergebnis.

Neben Fachkräftemangel stellt hierzulande unter anderem die Bürokratie eine große Herausforderung dar. „Hier droht der deutschsprachige Raum den Anschluss an die internationale Konkurrenz zu verlieren“, so ein Fazit.

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