Security im Zeichen der Burg it-sa: KI, Security-Services, OT und NIS2 als Trendthemen

Von Sylvia Lösel 5 min Lesedauer

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Wie profitiert der Channel von den Entwicklungen bei Cybersecurity? Wie gut ist Deutschland in puncto KI und NIS2 aufgestellt? Auf der it-sa gab es dazu Antworten von Verbänden, der Politik, Herstellern und Distributoren. Die Stimmung ist gut. Auch wenn manche Kundenzurückhaltung spüren.

Die it-sa feiert ihr 15. Jubiläum und ist auf 850 Aussteller angewachsen.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Die it-sa feiert ihr 15. Jubiläum und ist auf 850 Aussteller angewachsen.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Sicherheit im Zeichen der Burg. Der Werbeslogan, den 1958 die Nürnberger Versicherung erfunden hat, ist so aktuell wie lange nicht mehr. Denn eine der weltweit größten Messen für Cybersecurity öffnete bereits zum 15. Mal in Nürnberg ihre Pforten. Die it-sa ist eine Erfolgsgeschichte. Waren es 2009 rund 250 Aussteller, sind es in diesem Jahr 850. Und auch die Besucherzahlen steigen jährlich. Doch nicht nur der Messe selbst kommt eine wachsende Bedeutung zu, auch am Thema Cybersecurity kommt niemand mehr vorbei, der digital unterwegs ist.

NIS2 muss man nicht fürchten

Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel eröffnet die it-sa feierlich bei einem Festakt in Nürnberg.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel eröffnet die it-sa feierlich bei einem Festakt in Nürnberg.
(Bild: Vogel IT-Medien)

„Angesicht der digitalen Transformation und der wachsenden Vernetzung ist ein proaktiver Ansatz zur Cybersicherheit unerlässlich. Nur durch effektive Sicherheitsmaßnahmen können wir unsere IT-Systeme bestmöglich sichern“, so Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel beim Festakt zum Messeauftakt. Anders als in so einigen anderen Wirtschaftsbereichen sei „die Stimmung in der IT-Branche positiv“, betont Udo Littke, Hauptvorstand des Bitkom im Rahmen eines Roundtables auf der Eröffnungsfeier und kommt sehr schnell zum Thema NIS2, das viele Unternehmen bewege. „Fürchten braucht sich davor kein Unternehmen, das sich gut aufgestellt hat“, betont Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des BSI, und verweist auf den „Betroffenheits-Checker“ des Bundesamtes, der bislang bereits über 100.000 Mal aufgerufen worden sei.

Vor welchen Herausforderungen stehen Wirtschaft und Politik mit Blick auf Cybersecurity? Spannender Podiums-Talk mit: Dr. Norbert Pohlmann, Vorstandsvorsitzender des TeleTrust, Friederike Dahns, Abteilungsleiterin Cyber- und Informationssicherheit im Bundesinnenministerium, Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel, Dr. Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des BSI und Udo Littke, Hauptvorstand des Bitkom.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Vor welchen Herausforderungen stehen Wirtschaft und Politik mit Blick auf Cybersecurity? Spannender Podiums-Talk mit: Dr. Norbert Pohlmann, Vorstandsvorsitzender des TeleTrust, Friederike Dahns, Abteilungsleiterin Cyber- und Informationssicherheit im Bundesinnenministerium, Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel, Dr. Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des BSI und Udo Littke, Hauptvorstand des Bitkom.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Neben regulatorischen Themen bewegt die Branche vorrangig KI. Dr. Norbert Pohlmann, Vorsitzender des TeleTrust: „KI entlastet Fachkräfte dank automatischer Analysen.“ Wenn sie künftig auch selbstständig reagiert, sorge das nochmal für einen weiteren Schub. Doch Pohlmann mahnt auch. Denn KI „wird von den Angreifern schon sehr professionell genutzt“. Deshalb gehe es darum, dass sich auch auf der „guten“ Seite die Akteure zusammenschließen. Dass sie sicherheitsrelevante Daten austauschen. „Dann werden wir besser“ und kommen so vor die Angriffswelle. Es gebe eine „große Erwartungshaltung an Deutschland in puncto KI“, betont Friederike Dahns, Abteilungsleiterin Cyber- und Informationssicherheit im Bundesministerium des Inneren. Es gelte, die digitalen Infrastrukturen zu pflegen und die Energiefragen zu klären, die sich durch den Bau von Rechenzentren ergäben.

Impressionen der it-sa 2024
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KI spielt sich in den Vordergrund

In den Messehallen spiegeln sich die Themen NIS2 und KI wider. „NIS2 war lange zu unscharf formuliert“, erläutert René Hofmann, CEO Securepoint. Deshalb hätten sich viele Kunden mit Investments noch zurückgehalten. „Aber 2024 wird das besser“, ist er überzeugt. Das Lüneburger Unternehmen hat sich, nicht nur auf der Messe, auf die Fahne geschrieben, seine Partner noch besser zu unterstützen – durch Automatisierung, aber auch durch Support-Teams. „Die Produkte ähneln sich immer mehr“, so Hofmann. „Den Unterschied machen Support und Service. Und da sind wir sehr gut aufgestellt, und das schätzen unsere Kunden sehr.“

Ähnlich sieht das Peter Neumeier, Channel Sales Director bei Eset. „Der Trend geht von den reinen Produkten immer mehr in Richtung Services. Und gerade Neukunden steigen heute auf einem höheren Level ein, als das früher der Fall war. Deshalb setzen wir auf größere Bundles inklusive der Services.“ Michael Schröder, Manager of Security Business Strategy lenkt den Blick auf KI: „Bislang war die KI im Hintergrund. Mit unserem AI-Advisor hat man nun aber einen professionellen Partner, um sich Incidents erklären zu lassen oder die Datenbasis zu durchforsten. Und das spart viel Zeit.“ Zudem spielt Eset, mit Headquarter in Bratislava, ganz klar die Karte „Made in EU“. Wie immens wichtig das sei, habe ja gerade der Digitalgipfel gezeigt, bemerkt Thorsten Urbanski, Director of Marketing and Communication DACH.

Skalieren, um relevant zu bleiben

Sysob ist dieses Jahr mit einem größeren Stand auf der it-sa vertreten – mit eigener Reseller-Area. Markus Senbert, Channel Sales Director beim Schorndorfer Distributor: „Wir wollen aufklären, welche Lösungen Partner draußen bei Kunden für NIS2 benötigen. Denn da muss noch einiges passieren.“ Unabhängig davon, „wollen wir bei unseren Themen eine Sales-Story für die Partner anbieten. Zum Beispiel, wenn ein Kunde eine Multi-Faktor-Authentifizierung benötigt. Denn dazu gehören Software, Hardware-Tokens und unter Umständen auch Produktions-Spezialthemen wie NFC-Reader. Wir halten das zusammen.“

Distributor Elovade will Präsenz mit dem neuen Namen zeigen, wie CEO Philip Weber erklärt. „Wir spezialisieren uns und bauen unser Portfolio dahingehend aus, dass wir die Grundbedürfnisse der Kunden bedienen können, wie Endpoint Security, EDR, MDR und E-Mail-Security. Wir wollen kein Broadliner werden, aber umfangreichere Lösungen bauen.“ Elovade ist nicht nur in der DACH-Region, sondern inzwischen auch in Schweden und Italien vertreten. Denn: „Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen skalieren, um relevant zu bleiben“, ist Weber überzeugt.

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Technologie in Services übersetzen

Für Jens Pälmer, Channelchef für Zentral- und Osteuropa bei Crowdstrike, ist Distributor Westcon ein relevanter Faktor. „Wir nutzen die Expertise der Distribution, um unsere Partner an Bord zu holen.“ Zudem gibt es ein neues dreistufiges Partnerprogramm, um Partner Service-ready zu machen. „Das ist eine enorme Chance für Partner“, ist der Manager überzeugt. Fokus auf der it-sa ist deshalb auch zu zeigen, wie man die Crowdstrike-Technologie in Services der Partner übersetzen kann.

In eine ähnliche Richtung geht es bei G Data, wie Hendrik Flierman, Vice Preisdent Global Sales & Marketing, erläutert: „Wir haben eine neue Full-Managed-Lösung auf den Markt gebracht und wollen nun unsere Partner wieder mehr ins Boot holen. Dazu wird es im kommenden Jahr ein neues Partnerprogramm geben, und eine MSP-Lösung“.

Ein treffendes Resümee, das gerade in Zeiten von beunruhigenden Wirtschaftsdaten ein wenig Mut macht, kommt von Trend Micro. „Der Branche geht es gut. Das Thema Security scheint, nicht zuletzt durch regulatorische Maßnahmen wie NIS2, zunehmend in den Chefetagen angekommen zu sein und den angemessenen Stellenwert zu genießen. Die Nachfrage auf Kundenseite ist also vorhanden. Gleichzeitig stehen uns als Branche in den nächsten Jahren große Herausforderungen und Veränderungen bevor: Auf Herstellerseite die Konsolidierung auf wenige große Plattformanbieter, im Channel weiterhin die Transformation hin zu Service- und Consulting-Geschäftsmodellen abseits des klassischen Reselling.“

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