IDC zur Transformation der Arbeitswelt Hybrides Arbeiten nimmt Geschwindigkeit auf

Redakteur: Andreas Bergler

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt nachhaltig verändert: Solcher Sätze sind viele schon überdrüssig. Was aber, wenn sie stimmen? IDC ist der Frage nachgegangen, hat die Umwälzungen der Arbeitswelt in Zahlen gegossen und zur Diskussion gestellt.

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Ein Gespenst geht um in den Büros: Die Pandemie hat auch die Arbeitswelt revolutioniert.
Ein Gespenst geht um in den Büros: Die Pandemie hat auch die Arbeitswelt revolutioniert.
(Bild: Masson - stock.adobe.com)

Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte. Karl Marx, der das in „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“ bemerkt hatte, kannte weder die Spanische Grippe noch das Covid-Virus. Insbesondere die Corona-Pandemie hat aber gleich einer Dampflock die real existierenden Bedingungen der arbeitenden Klasse, wie es Marx ausdrücken würde, grundlegend verändert. Und gleich einem solchen Verkehrsmittel lässt sich auch die Pandemie schwer aufhalten und schon gar nicht in die Vergangenheit zurückschieben. Sie beeinflusst heute die Aktivitäten und Prioritäten der Unternehmen maßgeblich, sagen die Marktforscher von IDC.

Der Wille zum Wandel

Und sie haben genügend Zahlenmaterial für diese These im Gepäck. Im April dieses Jahres befragten die Marktforscher 250 deutsche Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern in zwölf unterschiedlichen Branchen, darunter jeweils etwa ein Drittel Entscheider aus IT, HR und anderen Bereichen. „29 Prozent der befragten Entscheider wollen auch in Zukunft remote arbeiten. Das sind fast dreimal so viel wie noch vor dem Jahr 2020“, stellt Sabrina Schmitt, Senior Consultant und Projektleiterin bei IDC, fest. 79 Prozent der Unternehmen planen ein neues beziehungsweise verändertes Arbeitsplatzmodell. Das Büro als Zentrum der Arbeit wandert damit auf die Abraumhalde der Geschichte. Für elf Prozent aller Unternehmen wird es sogar gar keine Büroflächen mehr geben.

Firmenkultur und Sicherheit

Ausgangspunkt aller Transformation ist die Technologie, in Form neuer PCs oder Laptops für die Mitarbeiter, entsprechende Software wie UCC-Tools, Workflow- und CRM-Lösungen, aber auch Compliance- und Security-Lösungen. „Hardware ist der zentrale Enabler für Remote Work, aber auch die Firmenkultur und neue Raumkonzepte sind wesentliche Faktoren für eine gelungene Transformation“, ergänzt Elena Georg, Consultant bei IDC und Co-Autorin der Studie. Gerade die Unternehmenskultur und die Unsicherheit in puncto Sicherheit erweisen sich als Hürden bei der Transformation. Über ein Viertel der Befragten (26 %) tun sich laut Studie schwer damit, alte Verhaltens- und Denkmuster in Bezug auf die Art und Weise, wie gearbeitet wird, aufzubrechen.

Ein weiteres Viertel hat Probleme, die Balance zwischen flexiblem und sicherem Arbeiten zu finden, etwa bei der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften am Heimarbeitsplatz. 52 Prozent der befragten Entscheider räumen sogar ein, dass die Mitarbeiter Sicherheits- und Compliance-Richtlinien ihres Unternehmens nicht einhalten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf für die Unternehmen, mahnen die Studienautoren an: „Lösungen wie Passwortmanager, Multifaktor-Authentifizierung sowie Gateway-Zugriffe, IAM und Endpoint-Security-Lösungen gehören schleunigst auf die Agenda der Unternehmen – und zwar nach ganz oben.“

Unterstützung

Die Vielfalt der Lösungen am Markt ist groß. Das ist Fluch und Segen für die Unternehmen zugleich, betont IDC. Denn man müsse evaluieren, ob bestehende Lösungen erweiterbar sind, welche Funktionen hinzukommen müssen oder ob gleich neue Lösungen angeschafft werden sollten. „Reichlich Luft nach oben“ sieht IDC in diesem Zusammenhang für Cloud Services, die ergänzend immer in Betracht gezogen werden sollten. Faktoren wie die Mitarbeiterfürsorge flankieren den Veränderungsprozess. Für ein flexibleres Arbeiten müssen daher neue Richtlinien entworfen werden. „Diese Richtlinien sind für hybride oder rein virtuelle Arbeitsmodelle von entscheidender Wichtigkeit, um eine einheitliche klare Linie und Struktur für die gesamte Belegschaft zu etablieren und auf diese Weise eine Vertrauenskultur aufzubauen“, betont Elena Georg. Für ein Viertel der Befragten tragen solche Richtlinien maßgeblich zu einem besseren Arbeitsumfeld bei und steigern so die Mitarbeiterzufriedenheit.

Andrea Trapp, Vice President of Business International bei Dropbox, empfiehlt hierzu, mit Transparenz und Vertrauen anzufangen. Für sie steht fest, „dass wir nie wieder in den Arbeitstrott vor Corona zurückkehren werden.“ Aber mit Remote-Arbeitsmodellen und distanzbedingten Virtual-First-Ansätzen wird sich langfristig ein Wertekontext herstellen lassen, der das Sicherheitsbewusstsein bei den Mitarbeitern mit einer aufgeschlossenen Unternehmenskultur verbindet. Die Studienautoren betonen daher die technischen und menschlichen Aspekte gleichermaßen: „Wer die Voraussetzungen für eine moderne digitale Arbeitswelt schafft und zudem die Mitarbeiterfürsorge großschreibt, wird nicht nur sein Business langfristig sichern, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt attraktiv bleiben.“

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