Suchen

Steuerberechnung Homeoffice spart Kilometerpauschale bei Dienstwagen

Autor: Sarah Gandorfer

Aufgrund der Coronakrise werden manche Firmenwagen nicht so oft genutzt wie zuvor. Das hat Auswirkungen auf die Steuer. Denn wer nicht mehr als 180 Tage im Jahr mit dem Dienstwagen in die Firma fährt, zahlt einen geringeren Pauschalbeitrag pro Kilometer.

Firmen zum Thema

Mit BMF-Schreiben vom 4.4.2018 hat die Finanzverwaltung umfassend zu Zweifelsfragen bei der lohnsteuerlichen Behandlung der Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs an Arbeitnehmer Stellung genommen.
Mit BMF-Schreiben vom 4.4.2018 hat die Finanzverwaltung umfassend zu Zweifelsfragen bei der lohnsteuerlichen Behandlung der Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs an Arbeitnehmer Stellung genommen.
(Bild: © thanksforbuying - stock.adobe.com)

Normalerweise haben jene Mitarbeiter einen Firmenwagen, die auch viel fahren. Doch gerade in Zeiten der Covid-19-Pandemie, während der viele aus dem Homeoffice arbeiten, bleibt das Auto stehen. Das kann sich möglicherweise lohnsteuerlich auswirken. Denn fährt der Arbeitnehmer höchstens 180 Tage zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, muss nicht mehr zwingend die pauschale Regel von 0,03 Prozent pro Entfernungskilometer angesetzt werden, sondern die tatsächlichen Fahrten mit 0,002 Prozent Entfernungskilometer. Je nach Dienstwagen und tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsstätte spart man sich mehrere hundert Euro.

Diese Regelung findet sich auf der Webseite des Bundesfinanzministeriums (BMF) in einer Anweisung (Dok2018/0258099) unter Punkt 2/10.

Allerdings sind hier folgende Punkte zu beachten:

  • Der Arbeitnehmer hat gegenüber dem Arbeitgeber kalendermonatlich fahrzeugbezogen schriftlich zu erklären, an welchen Tagen er das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt hat. Die bloße Angabe der Anzahl der Tage reicht nicht aus. Es sind keine Angaben erforderlich, wie der Arbeitnehmer an den anderen Arbeitstagen zur ersten Tätigkeitsstätte gelangt ist. Arbeitstage, an denen der Arbeitnehmer das betriebliche Kraftfahrzeug für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mehrmals benutzt, sind für Zwecke der Einzelbewertung nur einmal zu erfassen. Diese Erklärungen des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber als Belege zum Lohnkonto aufzubewahren. Es ist aus Vereinfachungsgründen nicht zu beanstanden, wenn für den Lohnsteuerabzug jeweils die Erklärung des Vormonats zugrunde gelegt wird.
  • Der Arbeitgeber hat aufgrund der Erklärungen des Arbeitnehmers den Lohnsteuerabzug durchzuführen, sofern der Arbeitnehmer nicht erkennbar unrichtige Angaben macht. Ermittlungspflichten des Arbeitgebers ergeben sich hierdurch nicht.
  • Wird im Lohnsteuerabzugsverfahren eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte vorgenommen, so hat der Arbeitgeber für alle dem Arbeitnehmer überlassenen betrieblichen Kraftfahrzeuge eine jahresbezogene Begrenzung auf insgesamt 180 Fahrten vorzunehmen. Eine monatliche Begrenzung auf 15 Fahrten ist ausgeschlossen – gemeint ist hier: eine Vereinfachungsregelung aus dem Jahr 2013 ( BStBl I Seite 1376 5.2 Absatz 1 Satz 2), kann nicht angewendet werden.

Beispielberechnungen

Das BMF hält hierfür auch einige Beispielberechnungen bereit. Im ersten Fall kann der Arbeitnehmer A ein vom Arbeitgeber B überlassenes betriebliches Kraftfahrzeug (Mittelklasse) auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte nutzen. B liegen datumsgenaue Erklärungen des A über Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte für die Monate Januar bis Juni an jeweils 14 Tagen, für die Monate Juli bis November an jeweils 19 Tagen vor. Für den Monat Dezember liegt B eine datumsgenaue Erklärung des A über Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte an vier Tagen vor.

In den Monaten Januar bis Juni hat B für Zwecke der Einzelbewertung jeweils 14 Tage zugrunde zu legen, in den Monaten Juli bis November jeweils 19 Tage. Wegen der jahresbezogenen Begrenzung auf 180 Fahrten ist für Zwecke der Einzelbewertung im Dezember nur ein Tag anzusetzen (Anzahl der Fahrten von Januar bis November

= 179). Damit ergeben sich für die Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten des A zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte je Kalendermonat folgende Prozentsätze:

  • Januar bis Juni: 0,028 Prozent (14 Fahrten x 0,002 %)
  • Juli bis November: 0,038 Prozent (19 Fahrten x 0,002 %)
  • Dezember: 0,002 Prozent (1 Fahrt x 0,002 %).

Im zweiten Fall steht dem Arbeitnehmer A ab Dezember ein anderes betriebliches Kraftfahrzeug (Oberklasse) zur Nutzung zur Verfügung.Für die Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten des A zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ergeben sich entsprechend der zeitlichen Reihenfolge dieser Fahrten je Kalendermonat folgende Prozentsätze:

  • Januar bis Juni: 0,028 Prozent (14 Fahrten x 0,002 %)
  • Juli bis November: 0,038 Prozent (19 Fahrten x 0,002 %) jeweils vom Listenpreis des betrieblichen Kraftfahrzeugs der Mittelklasse,
  • Dezember: 0,002 Prozent (1 Fahrt x 0,002 %) vom Listenpreis des betrieblichen Kraftfahrzeugs der Oberklasse.

Pflichten

Das BMF weist nochmals ausdrücklich darauf hin, dass im Lohnsteuerabzugsverfahren der Arbeitgeber auf Verlangen des Arbeitnehmers zur Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte verpflichtet ist, wenn sich aus der arbeitsvertraglichen oder einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage nichts anderes ergibt. Allerdings sind dann die Angaben des Arbeitnehmers zu den tatsächlichen Fahrten zusätzliche Voraussetzung.

Der Arbeitgeber muss die Anwendung der 0,03 Prozent-Regelung oder der Einzelbewertung für jedes Kalenderjahr einheitlich für alle dem Arbeitnehmer überlassenen betrieblichen Kraftfahrzeuge festlegen. Die Methode darf während des Kalenderjahres nicht gewechselt werden.

Im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung ist der Arbeitnehmer nicht an die im Lohnsteuerabzugsverfahren angewandte 0,03 Prozent-Regelung gebunden und kann einheitlich für alle ihm überlassenen betrieblichen Kraftfahrzeuge für das gesamte Kalenderjahr zur Einzelbewertung wechseln. Hierzu muss der Arbeitnehmer fahrzeugbezogen darlegen, an welchen Tagen (mit Datumsangabe) er das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt hat.

Zudem hat er durch geeignete Belege glaubhaft zu machen, dass und in welcher Höhe der Arbeitgeber den Zuschlag mit 0,03 Prozent des Listenpreises für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ermittelt und versteuert hat, wie zum Beispiel mittels Gehaltsabrechnung, die die Besteuerung des Zuschlags erkennen lässt oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers.

(ID:46764639)

Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS