Perspectives 2015 in Rohrbach Herweck baut die Logistik weiter aus
Der Distributor Herweck muss das Lager erneut vergrößern, wie das saarländische Unternehmen auf seiner Hausmesse Perspectives mitteilte. ITK-Lösungen ebenso wie Smart-Home- und Lifestyle-Produkte treiben das Wachstum voran.
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Kaum hat Herweck die neue Logistik in Betrieb genommen, zeichnet sich bereits ab, dass deren Kapazität erneut an ihre Grenzen stößt. Deshalb wird der Distributor noch in diesem Jahr damit beginnen, das Lager zu vergrößern und die Fläche um 50 Prozent auf rund 6.000 Quadratmeter aufzustocken. Den Plan gab Vorstand Jörg Herweck auf der Hausmesse des Großhändlers, der Herweck Perspectives 2015, am vergangenen Freitag bekannt. Das Logistikzentrum wurde im Mai 2014 eröffnet (siehe auch „Ergänzendes zum Thema“). Für die Erweiterung ist am Standort St. Ingbert-Rohrbach ausreichend Platz vorhanden.
Die Perspectives fand in diesem Jahr zum zwölften Mal statt. Bei Messeschluss hatten sich knapp 1.100 Fachbesucher in dem eigens errichteten Zelt auf dem Firmengelände registriert. An 80 Ständen zeigten die Aussteller ihre Produkte und Lösungen, die ein breites Spektrum aus Telekommunikation, IT, Unterhaltungselektronik und Lifestyle abdeckten. Dabei präsentierten sich auch einige Hersteller, die neu im Portfolio von Herweck sind. Dazu zählten der Outdoor-Handy-Anbieter Cyrus, der LED-Spezialist Sengled, der Headset-Hersteller Sennheiser Telecommunications und das Berliner Startup Sonnenrepublik, das Solartechnik entwickelt.
Der Distributor verbreitert sukzessive sein Portfolio, um das Wachstum weiter voranzutreiben. Wie Dominik Walter, Leiter Einkauf und Produktmanagement, im Gespräch mit IT-BUSINESS berichtete, hat das Unternehmen seit Juli 2014, als der Manager an Bord kam, mehr als zehn Hersteller neu ins Sortiment aufgenommen. Ein Wachstumsfeld sieht Vorstand Herweck in der Heimvernetzung. „Bei Smart Home erleben wir zwar nicht den Riesendurchbruch, aber das Geschäft wächst kontinuierlich.“ Daneben bilden ITK-Lösungen aus Netzwerk-, Multimedia- und Überwachungstechnik, mit denen sich der Grossist primär an Systemhäuser richtet, bei der Portfolio-Erweiterung einen Schwerpunkt.
Zehn Prozent Wachstum
Rund zehn Prozent ist der Distributor in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gewachsen, wie Herweck auf der Perspectives mitteilte. Für 2015 peilen er und sein Vorstandskollege Dieter Philippi einen Umsatz in Höhe von etwa 325 Millionen Euro an. Das Unternehmen, dessen Erlöse 2010 noch bei 160 Millionen Euro lagen, ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Lediglich 2014 verharrte das Geschäft bei etwa 300 Millionen Euro. Der Vorstand begründete die Stagnation damit, dass die Hersteller das Smartphone-Trading unter Kontrolle gebracht hätten. In der Vergangenheit habe international zu viel Ware im Handel zirkuliert, ohne dass sie an den Endkunden gelangt wäre. Durch die Eindämmung dieses margenschwachen Geschäfts habe Herweck an Umsatz eingebüßt.
Auf großes Interesse stieß bei den Fachhändlern der neue Margenrechner, den Oliver Borst, Leiter des Herweck-Dienstleistungscenters, vorstellte. Die Applikation erlaubt es, per Drag und Drop beliebige Mobilfunkgeräte mit Tarifen und Optionen zu kombinieren. Dabei sind die individuellen, tagesaktuellen Konditionen der Reseller hinterlegt, sodass sie auf Knopfdruck ihre spezifischen Margen errechnen können. Idealerweise auf dem Tablet genutzt, soll das Tool als Verkaufshilfe am PoS dienen. Mit dem Margenrechner lassen sich bis zu fünf Kombination vergleichen. Alle Kalkulationen können als Quick-Flyer mit Endkundenpreis ausgegeben werden.
Cloud-freie Zone
Ein allgegenwärtiges Thema spielt bei Herweck derzeit keine Rolle: Cloud Computing. Auch wenn die Broadliner aktuell ihre Cloud-Marktplätze aufbauen, bleiben die Saarländer skeptisch und haben bislang keinen einzigen Service im Portfolio. Aus ihrer Sicht überwiegen die Risiken. Für den Fachhandel bleibe zu wenig Marge hängen, noch weniger für die Distribution. Zudem bestehe die Gefahr, dass der Provider das Geschäft anschließend direkt macht, wenn der Reseller einmal einen Endkunden an ihn vermittelt habe, befürchtet Vorstand Philippi. „Cloud ist für den Händler womöglich der erste Schritt zum Sarg.“
Mittlerweile gibt es auch im Telekommunikationsmarkt eine Reihe von Cloud-Anbietern, die beispielsweise Telefonanlagen als Service bereitstellen. Dafür sieht man bei Herweck allerdings noch keine allzu große Nachfrage im Markt, wie Einkaufsleiter Walter gegenüber IT-BUSINESS erläutert. Die meisten Endkunden würden sich nach wie vor für Anlagen entscheiden, die im Unternehmen installiert werden, beobachtet der Manager. „Der Begriff ‚Cloud‘ ist in Deutschland noch zu negativ besetzt.“
Die Abendveranstaltung der Hausmesse stand im Zeichen des 30-jährigen Firmenjubiläums, das der Distributor mit seinen Partnern im Saarbrücker E-Werk feierte. Dort traten die Herweck Allstars mit Dante Thomas, Emma Lanford und Kate Ryan auf. Haupt-Act des Abends war Thomas Anders, der in den 80er-Jahren mit Dieter Bohlen das Duo Modern Talking bildete.
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