Graphcores Produkt- und Channel-Strategie Großes Potenzial für leistungsfähige KI-Systeme

Autor: Klaus Länger

Der britische Hersteller Graphcore macht den GPUs von Nvidia & Co. mit auf KI spezialisierten Chips und Systemen Konkurrenz. Andreas Scheffer, Territory Manager Central Europe, sieht in Deutschland reges Interesse bei namhaften Kunden und im Channel.

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Die IPU-M2000-Systeme von Graphcore können Firmen, Universitäten oder Forschungseinrichtungen inzwischen auch als Cloud Service nutzen.
Die IPU-M2000-Systeme von Graphcore können Firmen, Universitäten oder Forschungseinrichtungen inzwischen auch als Cloud Service nutzen.
(Bild: Nick Rochowski / Graphcore)

Der auf den KI-Sektor spezialisierte britische Chipentwickler Graphcore ist noch ein Frischling auf dem deutschen Markt. Im September 2020 startete die Firma ihr weltweites Partnerprogramm mit Tech Data Europe als erstem Distributor für den hiesigen Markt. Ende des Jahres übernahm Andreas Scheffer den Posten des Territory Manager Central Europe & Automotive EMEA. Der vormalige Xilinx-Deutschlandchef war seitdem damit beschäftigt, das Partnernetzwerk in der DACH-Region auszubauen. Es umfasst inzwischen OEMs, Distributoren und Reseller. Konkret nennt Scheffer Unternehmen wie Boston, Megware, 2CRSI, ATOS und Dell Technologies. Zudem spricht der Hersteller mit weiteren Technologie-Ökosystempartnern. Scheffer hebt hier besonders die Anbieter von Storage-Systemen für Rechenzentren hervor. Unter den Kunden spielt die Automobilindustrie eine große Rolle, aber auch der Forschungs- und Hochschulsektor.

Andreas Scheffer, Territory Manager Central Europe & Automotive EMEA bei Graphcore
Andreas Scheffer, Territory Manager Central Europe & Automotive EMEA bei Graphcore
(Bild: Graphcore)

Im Gegensatz zu Nvidia oder AMD baut Graphcore keine für KI-Workloads ausgelegte GPUs, sondern spezialisierte KI-Prozessoren, die der Hersteller als Intelligence Processing Unit (IPU) bezeichnet. Die noch angebotenen Mk1-IPU-Systeme sind PICe-Karten, die in Servern der OEM-Partner Dell und Inspur eingebaut sind. Das aktuelle Produkt ist der Colossus Mk2 GC200 mit 1.472 Prozessorkernen als zweite Generation der Graphcore-IPUs. „Die Mk2-Systeme sind modularer, wobei der IPU-M2000 – der vier Mk2 IPUs enthält – eine separate Einheit zu den Servern und Netzwerk-Switches darstellt, die zusammen ein IPU-POD bilden. Unser Fokus liegt also auf der Herstellung der IPU-M2000 und der IPU-POD-Referenzdesigns“, erklärt Scheffer zum Produktportfolio. Die IPU-Pods gibt es in zwei Varianten: Als IPU-Pod 16 mit vier und als IPU-Pod 64 mit 16 IPU-M2000-Systemen. Die KI-Rechenleistung liegt dabei laut dem Hersteller bei vier beziehungsweise 16 PetaFLOPS.

Graphcore-IPUs als Cloud Service

Für die Graphcloud kooperiert Graphcore mit dem auf Deep-Learning-Anwendungen spezialisierten Cloud-Anbieter Cirrascale.
Für die Graphcloud kooperiert Graphcore mit dem auf Deep-Learning-Anwendungen spezialisierten Cloud-Anbieter Cirrascale.
(Bild: Graphcore)

Für die Mk1-Generation von Colossus konnte Graphcore Microsoft Azure als Cloud-Anbieter gewinnen. Den Partnern und Kunden steht nun auch eine eigene Graphcloud mit IPU-Pod 16 und IPU-Pod 64 zur Verfügung, die der Hersteller in Partnerschaft mit dem auf KI-Anwendungen spezialisierten Cloud Provider Cirrascale betreibt. Jede IPU-Pod64-Instanz wird von vier Dell-Poweredge-R6525-Hostservern mit jeweils zwei AMD-Epyp-Zen2-CPUs unterstützt. Für die IPU-Pod16-Instanzen ist jeweils ein Server zuständig. Über das Graphcore Academic Programm erhalten demnächst zudem ausgewählte Universitäten und Forschungsinstitute kostenlosen Zugang zu Graphcore IPUs in der Cloud.

Mit Poplar hat Graphcore eine eigene Softwareentwicklungsumgebung entwickelt. Bei ihr lässt sich der Hersteller „sehr stark davon leiten, was die Kunden und Anwender an Funktionen wollen und was ihre Anforderungen sind“, so der Territory Manager. So können die Anwender gängige KI-Frameworks wie TensorFlow, PyTorch und ONNX nutzen und so ihre bestehenden KI-Modelle mit den Graphcore-IPUs verwenden. Oder sie können nativ mit Poplar arbeiten um so eine direkte Schnittstelle zu den IPUs zu haben. Graphcore stellt mit den PopLIBS eine Reihe von Open-Source-Bibliotheken bereit, die „Anwendern Zugang zu hochoptimierten Sammlungen für die am häufigsten verwendeten KI-Anwendungen bieten“, so Scheffer. Die Bibliotheken würden zudem durch die Community laufend weiter optimiert.

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