30 Jahre IT-BUSINESS Geschichte schreiben, Gegenwart erleben und Zukunft gestalten

Autor / Redakteur: Prof. Dr. Rudolf Aunkofer / Heidemarie Schuster

Was sind heute die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren für Unternehmen? Die IT-Branche zeigt am jetzigen Wendepunkt der Geschichte, was sie vermag und legt damit den Grundstock für die Zukunft: von der Digitalisierung zur Vernetzung.

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Informationstechnologie hat unseren Alltag und unser Geschäftsleben in einer Art und Weise verändert, wie es sich in den 1980er & 1990er Jahren kaum jemand vorstellen konnte: Willkommen im digital-vernetzten, real-virtuellen Hier & Jetzt!
Informationstechnologie hat unseren Alltag und unser Geschäftsleben in einer Art und Weise verändert, wie es sich in den 1980er & 1990er Jahren kaum jemand vorstellen konnte: Willkommen im digital-vernetzten, real-virtuellen Hier & Jetzt!
(Bild: Pasko Maksim - stock.adobe.com)

In dem Song „Hey Man“ der amerikanischen Rockband Eels heißt es:

Have you ever sat down in the fresh cut grass, thought about the moment and when it will pass. Hey man, now you're really living.

Passender kann man Gegenwart, also genau den flüchtigen Moment nicht beschreiben, in dem aus Zukunft Vergangenheit wird. Der kurze Moment, den wir beeinflussen können, in dem wir Entscheidungen treffen und die Zukunft gestalten.

Gerade dieser Moment scheint in der IT schneller vorbei zu gehen als dies in anderen Branchen üblich ist. Der technologische Fortschritt, geprägt von Miniaturisierung und Moore’s Law, entwickelt sich in der IT seit Mitte der 60er-Jahre nicht linear, sondern exponentiell. Das macht die Branche kurzlebig und spannend.

Digitale Technik bestimmt unsern Alltag

In den vergangenen zwei bis drei Jahren ist deutlich geworden, was Investment in IT-Technologie möglich macht und welche nachhaltigen Veränderungen durch die Digitalisierung in alle Lebensbereiche einziehen. Wie selbstverständlich nutzen wir privat und beruflich mobile Rechner oder Smartphones für Kommunikation, Entertainment oder die Suche nach Informationen und Produkten. Wir erwarten, dass Netzwerke 24/7 verfügbar sind und unser IT-Equipment „einfach“ funktioniert.

Cloud ermöglicht uns eine „seamless User-Experience“, Künstliche Intelligenz bequeme Interaktion, Digitale Assistenten verändern das Bedeutungsgewicht vom gesprochenem zum geschriebenen Wort nachhaltig, Virtual- und Augmented Reality lassen Realität und Fiktion fließend ineinander verschmelzen. Bewegtbilder, wie Live-Videos, geben einen ersten Eindruck, wie Ausbildung, Unterricht, Lernen und Kommunizieren in Zukunft möglich sein werden. Gewohnte Denkmuster weichen neuen, auditiven und visuellen Inhalten.

Digitalisierung = Vernetzung

Somit sind wir heute an einem strategischen Wendepunkt angelangt, der die Zukunft nachhaltiger prägen wird, als wir es die vergangenen 30 Jahre erlebt haben. Wer heute von Digitalisierung spricht, meint oftmals, ohne groß darüber nachzudenken, „Vernetzung“. Social Media und Online-Portale basieren zwar auf digitaler Technologie, der wirkliche Nutzen für den Anwender entsteht aber durch deren Vernetzung.

Globale Vernetzung lässt Angebot und Nachfrage zusammenkommen, (digitale) Marktplätze entstehen, auf Vernetzung basierende Geschäftsmodelle verdrängen die alten. Je größer das Angebot, je vielfältiger die Marktteilnehmer, desto höher ist der Nutzen.

Lockdown und Pandemie haben eine Entwicklung beschleunigt, die bereits auf lange Sicht vorhersehbar war, aber ansonsten sicherlich fünf Jahre mehr Zeit in Anspruch genommen hätte – wir erleben einen strategischen Wendepunkt:

  • Geschäftsmodelle, die lediglich stark auf digitale Technologie setzen, verlieren langsam, aber beschleunigend an Bedeutung.
  • Geschäftsmodelle, die ihren Fokus stärker auf digitale Vernetzung legen, gewinnen rasch und nachhaltig an Bedeutung.

Offensichtlich wird dieser strategische Wendepunkt an der anhaltenden Diskussion „Cloud“ versus „On-Premises“, wobei ersteres oftmals vereinfacht mit „Zukunft“, zweiteres mit „Vergangenheit“ gleichgesetzt wird.

Diese Sichtweise wird der Bedeutung des strategischen Wandels allerdings nur bedingt gerecht. Der Unterschied zwischen den Ansätzen und die Lücke, die sich zwischen traditionellen und neuen Geschäftsmodellen öffnet, basiert auf den organisatorischen Veränderungen und den neuen Möglichkeiten, die Vernetzung Unternehmen und Privatpersonen bietet (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Digitalisierung bedeutet im 21. Jahrhundert Vernetzung.
Abbildung 1: Digitalisierung bedeutet im 21. Jahrhundert Vernetzung.
(Bild: iSCM)

Kleine, mittelständische Unternehmen können heute mittels digitaler Plattformen den Weltmarkt in einer Art und Weise adressieren, wie es vor einem Jahrzehnt nur Großunternehmen mit hohem Investment vorbehalten war. Viele Menschen können heute dezentral, in ländlichen Regionen dank digitaler Vernetzung im Homeoffice, arbeiten und so das weitere Mieten oder den Ankauf teurer Büroflächen obsolet machen. Direkte Kommunikation macht Direktvertrieb sprich „Direct to Customer“-Ansätze in Bereichen denkbar, die bislang dem Handel in seiner Rolle als Gatekeeper vorbehalten waren. Globale Kommunikation und Informationstransparenz ermöglichen effiziente Zusammenarbeit und übergreifendes Netzwerken, was das Innovationstempo weiter beschleunigt und so ganze Branchen „über Nacht“ verändert.

Evolution, Revolution und das New Normal

So beschleunigt, wird aus der digital-vernetzten Evolution eine Revolution, die alle Branchen und Lebensbereiche erfasst. Das New Normal beginnt sich heute zu formen und ist vor allem durch neue Organisationsstrukturen in Gesellschaft und Wirtschaft gekennzeichnet. Spielregeln werden neu definiert, die Karten neu gemischt, wie die Startup-Szene verdeutlicht. Je nach Industrie, findet dieser Transformationsprozess mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten statt. Vereinfacht lassen sich die Branchen nach ihrem Digitalisierungs- beziehungsweise Vernetzungsgrad in drei Gruppen (siehe Abbildung 2) einteilen:

  • 1. Pioneers (grün), die Vernetzung und neue Strukturen bereits in weiten Bereichen leben, die im Transformationsprozess kreatives Chaos zugelassen haben und dadurch Vorreiter der Digitalen Transformation sind,
  • 2. Settlers (gold), die sich auf Transformation fokussieren, grundsätzlich organisatorischen Veränderungen weniger offen gegenüberstehen, Vernetzung pragmatisch-strukturiert implementieren und
  • 3. Town Planners (rot), deren Organisationsstrukturen ein hohes Maß an Beständigkeit aufzeigen, den Fokus auf langfristig-vorausschauende, Vor- und Nachteile abwägende Planung legen und dadurch eine deutlich langsamere Adaptionsgeschwindigkeit zeigen.

Abbildung 2: Vernetzung ist Evolution und Revolution zugleich.
Abbildung 2: Vernetzung ist Evolution und Revolution zugleich.
(Bild: iSCM)

Diese Dreiteilung macht es aus, dass wir in der IT-Branche – selbst natürlich Pioneers – das „Hier & Jetzt“ als so facettenreich und kurzlebig empfinden. Während Pioneers bereits in neuen Technologien denken, setzen Settlers immer noch die „Vor-Technologie“ euphorisch um und Town Planners stecken zum Teil sogar noch im Planungsprozess – die IT-Branche hat sie alle als Kunden. Refurbished Produkte, Zweitvermarktung von Lizenzen, On-Premises, Managed Services und nahezu alle weiteren Besonderheiten der IT lassen sich dadurch erklären. Adäquate Organisationsstrukturen und der Übergang in neue durch Vernetzung geprägte Strukturen werden der alles mitentscheidende Wettbewerbsfaktor sein, den wir heute für die IT-Branche selbst, sowie für Kunden gestalten müssen.

The Past Is Our Lesson, The Present Is Our Gift, The Future Is Our Motivation

In diesem Sinne hat die IT-Branche weitere 30 spannende Jahre vor sich.

Prof. Dr. Rudolf Aunkofer

Founder & Director iSCM Institute
www.iscm-institute.com

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