EU-Entgelttransparenzrichtlinie Gehaltsdaten in IT-Jobs: Rekrutierungs-Tool statt echter Fairness

Von Ira Zahorsky 2 min Lesedauer

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In Deutschland ist die Gehaltstransparenz mangelhaft, besonders in IT-Berufen fehlt die wichtige Orientierung für Arbeitnehmer. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll Abhilfe schaffen, eine Umsetzung in nationales Recht ist jedoch nicht in Sicht.

Deutsche Arbeitnehmer hoffen auf die Entgelttransparenzrichtlinie: Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland bei der Gehaltstransparenz schlecht ab.(Bild:  KI-generiert / NotebookLM)
Deutsche Arbeitnehmer hoffen auf die Entgelttransparenzrichtlinie: Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland bei der Gehaltstransparenz schlecht ab.
(Bild: KI-generiert / NotebookLM)

Im europäischen Vergleich belegt Deutschland einer Analyse der Jobseite Indeed zufolge mit nur 12,5 Prozent an veröffentlichten Gehaltsspannen aktuell den letzten Platz. Die Transparenzprobleme haben mehrere Gründe. In Deutschland bestimmen oft Tarifverhandlungen auf Sektor- oder Branchenebene die Löhne. Da sich diese häufig aus öffentlich zugänglichen Entgelttabellen ableiten lassen, sehen Arbeitgeber keine Notwendigkeit, diese explizit in Stellenanzeigen aufzuführen. In Großbritannien werden Gehälter meist marktbasiert und individuell auf Unternehmensebene festgelegt. Dort finden sich Gehaltsangaben in 56 Prozent der Stellenausschreibungen.

Rechtlicher Zwang fehlt

Bislang fehlt in Deutschland außerdem der rechtliche Zwang. Obwohl die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz bereits 2023 verabschiedet wurde und bis 7. Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt sein muss, wurde noch kein Gesetz erlassen. „Dass sich diese Praxis nur durch bindende rechtliche Rahmenbedingungen verändern wird, zeigt unsere Forschung in Nordamerika. Dort haben Unternehmen ihre Stellenausschreibungen erst dann flächendeckend angepasst, als konkrete Offenlegungspflichten in Kraft traten“, erläutert Indeed-Ökonomin Lisa Feist.

Im Widerspruch dazu steht allerdings die Transparenz in den Niederlanden und Frankreich, die mit 48 bzw. 43 Prozent auf Platz 2 und 3 liegen, obwohl dort ebenfalls noch keine nationalen Gesetze verabschiedet wurden.

Das Engagement Italiens, das bereits einen Gesetzentwurf vorgelegt hat, lässt Deutschland in noch schlechterem Licht da stehen. Der italienische Entwurf geht nämlich über die Vorgaben der EU hinaus und verpflichtet Unternehmen, das Gehalt in der Stellenanzeige anzugeben. Dort stieg der Anteil entsprechender Stellenanzeigen innerhalb nur eines Jahres von 22 Prozent auf 36 Prozent.

Wandel im Arbeitsmarkt

Im europäischen Vergleich der Indeed-Analyse bildet Deutschland bei der Gehaltstransparenz das Schlusslicht.(Bild:  KI-generiert / Notebook LM)
Im europäischen Vergleich der Indeed-Analyse bildet Deutschland bei der Gehaltstransparenz das Schlusslicht.
(Bild: KI-generiert / Notebook LM)

Allerdings ist die Nachfrage nach Arbeitskräften im europäischen Vergleich immer noch hoch, wohingegen in Deutschland ein Wandel vom Arbeitnehmer- zum Arbeitgebermarkt stattfindet. Lange Jahre setzten Unternehmen eine offene Gehaltskommunikation als Lockmittel ein, um im Fachkräftemangel geeignete Kandidaten zu finden. Die aktuelle wirtschaftliche Lage verschiebt die Verhandlungsmacht wieder in Richtung Arbeitgeber. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank demnach die Transparenzrate in Deutschland um weitere 3,2 Prozent auf 12,5 Prozent.

Im Kontrast dazu geben 61 Prozent der Befragten in Deutschland an, sich eher auf eine Stelle zu bewerben, wenn das Gehalt genannt wird. 64 Prozent fordern Gehaltsspannen als absolute Standardangabe.

Gehaltstransparenz abhängig vom Berufsfeld

Die Gehaltstransparenz variiert einer Erhebung von Indeed zufolge stark nach Berufsgruppen. Bei IT-Jobs sind die Arbeitgeber sehr zurückhaltend mit Informationen zum Gehalt.(Bild:  Indeed)
Die Gehaltstransparenz variiert einer Erhebung von Indeed zufolge stark nach Berufsgruppen. Bei IT-Jobs sind die Arbeitgeber sehr zurückhaltend mit Informationen zum Gehalt.
(Bild: Indeed)

In Dienstleistungsberufen geben Unternehmen das Gehalt häufig preis: In Reinigungsdiensten nennen 34,8 Prozent der Stellenanzeigen eine Vergütung, in der Sicherheitsbranche sind es 23,5 Prozent, im Transportwesen 22,3 Prozent und im Kundenservice 21,3 Prozent. Typischerweise hängt das damit zusammen, dass diese Tätigkeiten häufig standardisiert und niedriger bezahlt sind.

In so genannten White-Collar-Jobs, also Büro- und Wissensberufen, geizen die Arbeitgeber dagegen mit Gehaltsangaben. Häufig prägen hier Qualifikation und Verhandlungsspielraum das Gehalt. Dazu zählen auch IT-Berufe mit nur 5 Prozent Angaben und Data & Analytics mit 4,4 Prozent.

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